FAZ 04.02.2026
10:06 Uhr

Krieg in der Ukraine: Schwere russische Angriffe vor Gesprächen in Abu Dhabi


Tote durch Drohnenangriffe +++ Trump: Putin hat Versprechen gehalten +++ BND-Analyse: Moskaus Militärausgaben deutlich höher +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Schwere russische Angriffe vor Gesprächen in Abu Dhabi

Schlacht um Pokrowsk dauert weiter anNach Angaben des ukrainischen Kartendienstes Deepstate dauern die Kämpfe um die Agglomeration Pokrowsk und Myrnohrad im Donbass an. Auf ihrem Telegramkanal veröffentlichten die Analysten Aufnahmen eines russischen Schützenpanzers, der durch die verschneite Stadt Pokrowsk fährt. Deepstate zufolge befinden sich die nördlichen Vororte der Industriestadt noch immer unter ukrainischer Kontrolle, während die Russen großen Druck auf die ukrainischen Stellungen im Myrnohrad ausüben. 

Gespräche in Abu Dhabi gestartetIn Abu Dhabi hat jetzt die zweite Gesprächsrunde zwischen der Ukraine, Russland und den USA begonnen. Das teilte der Sekretär des nationalen Sicherheitsrates in Kiew, Rustem Umjerow, in seinen sozialen Netzwerken mit. Er hatte zuvor schon einen geplanten Gefangenenaustausch angekündigt. Zu Beginn habe es ein trilaterales Treffen gegeben, danach werde in Gruppen zu einzelnen Streitthemen beraten. Moskauer Nachrichtenagenturen bestätigten den Beginn.Eine erste Runde in diesem Format hatte es Mitte Januar in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate gegeben. Für die beiden Kriegsparteien war es der erste direkte Kontakt auf offizieller Ebene nach mehreren Monaten. Überschattet wird das zweite Treffen von russischen Luftangriffen, die mitten in einer Frostperiode die ukrainische Energieversorgung weiter zerstörten. 

Mehrere Tote bei russischen AngriffenIn der ukrainischen Region Dnipropetrowsk sind nach Behördenangaben zwei Menschen infolge russischer Drohnenangriffe ums Leben gekommen, zwei weitere wurden verletzt. Die Drohnen schlugen in der Gemeinde Wassylkiwka im Osten der Region ein, teilte Gouverneur Olexander Hanscha bei Telegram mit. Es seien Feuer ausgebrochen, ein Privathaus zerstört und drei weitere beschädigt worden. Daneben habe es mehrere Autos und eine Stromleitung getroffen. Wassylkiwka liegt weniger als 50 Kilometer von der Front entfernt.Einmal mehr gerieten auch die Stadt Nikopol und die anliegenden Gemeinden in der Nacht unter Drohnen- und Artilleriebeschuss, wie Hanscha mitteilte. Demnach wurden Infrastrukturobjekte und Stromleitungen beschädigt. Nikopol liegt am Fluss Dnipro auf der gegenüberliegenden Seite des von russischen Truppen besetzten Atomkraftwerks Saporischschja. In der gleichnamigen Stadt waren am Dienstagabend bei einem russischen Angriff nach Angaben von Gebietsgouverneur Iwan Fedorow zwei Zivilisten getötet worden.

Der Kreml will die Ukrainer brechenDie erbarmungslosen Angriffe auf Zivilisten und die zivile Infrastruktur in der Ukraine verfolgen nur ein Ziel: Putin will die Ukrainer brechen. Trotzdem gibt es Gründe, mit Russland zu verhandeln, kommentiert F.A.Z.-Redakteur Reinhard Veser:

BND: Moskaus Militärausgaben höher als dargestelltDie militärischen Ausgaben Russlands waren in den vergangenen Jahren nach einer Analyse des Bundesnachrichtendienstes (BND) bis zu 66 Prozent höher als im offiziellen Verteidigungshaushalt dargestellt. So seien etwa Bauvorhaben des Verteidigungsministeriums, IT-Projekte des Militärs oder Sozialleistungen für Angehörige der Streitkräfte nicht im Verteidigungs-, sondern in anderen Teilen des Etats aufgeführt worden, stellte der deutsche Auslandsgeheimdienst in einer seit längerem laufenden Analyse fest. Dies liegt nach BND-Angaben etwa daran, dass die russische Auslegung von Verteidigungsausgaben stark von der Definition der Nato abweicht. Zudem würden Informationen zu Verteidigungsausgaben von offiziellen russischen Stellen oft verzerrt dargestellt und bedürften weiterer Einordnung. 

Neue Gesprächsrunde zwischen Kiew und Moskau in Abu DhabiUnterhändler aus Kiew und Moskau wollen am Mittwoch in Abu Dhabi zu weiteren direkten Gesprächen über eine Beendigung des Ukraine-Kriegs zusammenkommen. Die für zwei Tage angesetzten Verhandlungen in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate werden von den USA vermittelt. Der Termin für das trilaterale Treffen war ursprünglich für Sonntag geplant gewesen, wurde aber auf Mittwoch verschoben. Unterhändler Moskaus und Kiews hatten vor anderthalb Wochen erstmals direkt miteinander über den US-Plan zur Beendigung der Kämpfe gesprochen. Beide Seiten sind sich nach Angaben aus Verhandlungskreisen inzwischen in mehreren Punkten einig. Hauptstreitpunkt bei den Verhandlungen bleibt jedoch die Forderung Moskaus nach einem Rückzug der Ukraine aus der Region Donezk, der von Kiew entschieden abgelehnt wird. Die wichtige Industrieregion gehört zur Ukraine, ist aber teilweise von russischen Truppen besetzt. 

Trump ruft Putin zu Beendigung des Krieges in der Ukraine aufNach der Wiederaufnahme der russischen Angriffe auf die Ukraine hat US-Präsident Donald Trump den russischen Präsidenten Wladimir Putin zur Beendigung des Krieges aufgerufen. „Ich will, dass er den Krieg beendet“, sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) vor Journalisten im Weißen Haus. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei, dass Putin die einwöchige Feuerpause nicht verlängert habe, antwortete Trump: „Ich würde mir das von ihm wünschen.“Zugleich äußerte der US-Präsident sich anerkennend über Putin. Der Kreml-Chef habe „sein Wort gehalten“, indem er die Angriffe auf Kiew und andere ukrainische Städte für den vereinbarten Zeitraum ausgesetzt habe. Eine Woche sei „viel“, sagte Trump und fügte hinzu: „Wir nehmen alles, denn es ist dort wirklich sehr, sehr kalt.“

Neue Gespräche mit Moskau: Europa laut Macron in VorbereitungEine Wiederaufnahme direkter Gespräche zwischen Europa und Moskau wird nach Angaben von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron vorbereitet. Es gebe auf technischer Ebene Unterhaltungen, sagte Macron. Der französische Staatschef betonte zwar, dass die jüngsten russischen Angriffe auf die Ukraine keine wahre Bereitschaft zeigten, über Frieden zu verhandeln. Doch man bereite den Dialog für den Tag danach vor. „In diesem Rahmen ist es tatsächlich wichtig, dass die Europäer ihre eigenen Gesprächskanäle wiederherstellen. Das wird aus technischer Sicht vorbereitet.“ 

Putin: Russische Wirtschaft 2025 nur noch um ein Prozent gewachsen  Die russische Wirtschaft ist 2025 deutlich langsamer gewachsen als im Vorjahr. Im vergangenen Jahr habe die jährliche Wirtschaftsleistung um ein Prozent zugelegt, sagte Präsident Wladimir Putin am Dienstag bei einer Kabinettssitzung. 2024 hatte das Wachstum noch 4,3 Prozent und 2023 4,1 Prozent betragen.Das Wirtschaftswachstum der ersten Jahre nach dem Beginn des Ukrainekriegs war insbesondere von massiv erhöhten Militärausgaben angetrieben worden. Diese führten jedoch auch zu einer massiven Inflation. Um die Teuerungsrate einzudämmen, wurden die Zinsen erhöht – was wiederum eine erhebliche Belastung für Unternehmen darstellte.Putin sagte bei der Kabinettssitzung, das langsamere Wachstum sei „nicht nur erwartet“ worden, sondern hänge mit „gezielten Maßnahmen gegen die Inflation“ zusammen. Die jährliche Teuerungsrate sei von 9,5 auf 5,6 Prozent gesunken. „Die Aufgabe ist klar: Wir müssen das Wachstum der Binnenwirtschaft wieder ankurbeln, das Geschäftsklima verbessern und die Investitionstätigkeit steigern, wobei der Schwerpunkt auf der Erhöhung der Arbeitsproduktivität liegen muss“, sagte Putin. 

Tote bei Drohnenangriff auf Saporischschja Durch einen russischen Drohnenangriff auf die südukrainische Stadt Saporischschja sind nach örtlichen Angaben mindestens zwei Zivilisten getötet worden. Gebietsgouverneur Iwan Fedorow sprach von einem jungen Mann und einer jungen Frau, die beide 18 Jahre alt waren. Außerdem seien acht Menschen verletzt worden.Die ukrainische Luftwaffe verzeichnete nachmittags sowohl Drohnenattacken wie den Abwurf von Lenkbomben auf Saporischschja. Der Angriff ereignete sich, bevor Vertreter der Ukraine und Russlands am Mittwoch unter US-Vermittlung in Abu Dhabi über Wege zu einem Kriegsende sprechen wollen.Auf russischer Seite verursachte ukrainischer Raketenbeschuss laut Medienberichten einen Stromausfall in der grenznahen Großstadt Belgorod. Demnach wurden zwei Umspannwerke getroffen. Gouverneur Wjatscheslaw Gladkow sprach auf Telegram von Schäden an Infrastrukturobjekten. Die Ukraine verteidigt sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion und beschießt dabei auch Ziele im Land des Angreifers. 

Europäischer Menschengerichtshof verurteilt Russland wegen Behandlung Nawalnyjs Zwei Jahre nach dem Tod des Kreml-Kritikers Alexej Nawalnyj in einem russischen Straflager hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) Russland wegen \"rechtswidriger Inhaftierung\" und \"unmenschlicher Behandlung\" verurteilt. Die Straßburger Richter verurteilten Russland am Dienstag zu einer Entschädigungszahlung in Höhe von 26.000 Euro, was voraussichtlich keine Folgen haben wird, da Russland Entscheidungen des Gerichts ignoriert.Nawalnyj war im Januar 2021 bei seiner Ankunft in Russland festgenommen worden. Er befand sich auf der Rückreise aus Deutschland, wo er nach einer mutmaßlichen Vergiftung behandelt worden war. Während seiner Haft im Straflager in Russland sei Nawalnyj \"gleichzeitig mehreren Formen der Misshandlung ausgesetzt\" gewesen, erklärten die Richter. Seine Gesundheit und seine Würde seien systematisch missachtet worden. Nawalnyj hatte unter anderem berichtet, dass ihm der Kopf rasiert wurde, dass er ständig von Videokameras überwacht und durch nächtliche Kontrollen seines Schlafs beraubt wurde. Er hatte kurz nach seiner Inhaftierung den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angerufen. Nach seinem Tod setzte seine Witwe Julia Nawalnaja das Verfahren fort. Nawalny war am 16. Februar 2024 im Alter von 47 Jahren unter ungeklärten Umständen in einem entlegenen Straflager am Polarkreis ums Leben gekommen. Der EGMR hatte Russland bereits im Dezember wegen der Unterdrückung von Organisationen im Umfeld Nawalnys verurteilt. Russland war nach dem Beginn seines Angriffskriegs gegen die Ukraine vor vier Jahren aus dem Europarat ausgeschlossen worden, zu dem der EGMR gehört. Das Gericht befasst sich jedoch weiter mit den bis dahin eingereichten Fällen. 

Luftalarm während Besuch von Rutte in KiewWährend des Besuches von NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Kiew ist für die ukrainische Hauptstadt Luftalarm wegen eines möglichen russischen Raketenangriffs ausgelöst worden. Dies berichteten am Dienstag Korrespondenten der Nachrichtenagentur AFP. Während die Sirenen heulten, warnte die Armee vor der \"Gefahr einer ballistischen\" Rakete. 

Selenskyj: Überdenken Ansatz des Verhandlungsteams in Abu DhabiNach den neuen ​russischen Angriffen auf die Energieversorgung wird die Ukraine wird den Ansatz ihres Verhandlungsteams anpassen. Das kündigte Präsident Wolodymyr Selenskyj an. Es habe sich bei den Angriffen in der Nacht um einen gezielten Schlag mit einer Rekordzahl an ballistischen Raketen gehandelt. Russland habe den US-Vorschlag für eine Feuerpause missbraucht, um Raketen zu horten und auf die kältesten Tage des Jahres mit Temperaturen unter minus 20 Grad zu warten. In Abu Dhabi soll am Mittwoch die nächste Runde der Friedensgespräche beginnen. 

Rutte in Kiew eingetroffenVor der Fortsetzung der Gespräche zwischen der Ukraine und Russland über ein Kriegsende ist am Dienstag NATO-Generalsekretär Mark Rutte in Kiew eingetroffen. Dort sprach er unter anderem im Parlament, der Werchowna Rada. Ein Abkommen zur Beendigung des ​Krieges werde harte Entscheidungen erfordern, sagte Rutte. Weiter führte er aus, dass 90 Prozent der ukrainischen Flugabwehrraketen aus dem von der NATO ins Leben gerufene Beschaffungsprogramm PURL stammten.Wie ein vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj veröffentlichtes Video zeigte, legten Rutte und Selenskyj Blumen an einem Mahnmal in Kiew nieder, das an die während des russischen Angriffskrieges getöteten ukrainischen Soldaten erinnert.