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27.11.2025
12:05 Uhr
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Diplomatischer Schlagabtausch zwischen Polen und Russland +++ Kallas will Druck auf Russland erhöhen +++ Selenskyj ruft Soldaten zum Durchhalten auf +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Russland ist nach eigenen Angaben mit seinen Invasionstruppen in der Ostukraine weiter auf dem Vormarsch. Einheiten der 2. Armee seien im Zentrum und im Norden der seit Monaten erbittert umkämpften Stadt Pokrowsk vorgerückt, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zudem seien die Truppen östlich, westlich und südlich der Nachbarstadt Myrnohrad vorangekommen. Auch sei ein Dorf südlich der Stadt Siwersk eingenommen worden. Die ukrainische Armee erklärt hingegen, sie habe am Vortag 57 russische Angriffe auf Pokrowsk abgewehrt. Man sei dabei, russische Einheiten in der Stadt zu zerschlagen. Die Angaben konnten zunächst nicht unabhängig überprüft werden.
Die Verhandlungsdelegationen der Ukraine und der USA werden nach Angaben aus Kiew in Kürze wieder über eine Beendigung des russischen Angriffskriegs beraten. Er erwarte konkrete Ergebnisse, um Fortschritte bei den Friedensvorschlägen zu erzielen, sagt der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha vor Journalisten. Für die Ukraine sei es „äußerst wichtig“, eine Waffenruhe zu erreichen.
Wegen eines Bombenanschlags auf die Krim-Brücke hat ein russisches Gericht acht Männer zu lebenslanger Haft verurteilt. Dies meldet die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass. Bei der Explosion am 8. Oktober 2022 waren fünf Menschen getötet worden. Zudem wurde die für die Versorgung der russischen Truppen auf der annektierten Halbinsel Krim und in der größtenteils besetzten südukrainischen Region Cherson wichtige Brücke mit Straßen- und Zugverkehr erheblich beschädigt. Der ukrainische Inlandsgeheimdienst hatte sich später zu dem Anschlag bekannt. Russland hatte die Krim 2014 völkerrechtswidrig annektiert. Die 19 Kilometer lange Brücke führt über die Straße von Kertsch, eine Meerenge zwischen dem Schwarzen und dem Asowschen Meer. Das Prestigeprojekt des russischen Präsidenten Wladimir Putin war 2018 eröffnet worden.
In Polen ist ein russischer Staatsbürger wegen des Verdachts auf Hackerangriffe auf polnische Firmen festgenommen worden. Der Mann sei in Krakau gefasst und vorläufig inhaftiert worden, teilt Innenminister Marcin Kierwiński auf der Onlineplattform X mit. Er habe die Sicherheitssysteme der Unternehmen durchbrochen, um Zugang zu Datenbanken zu erhalten. Wozu diese dienten, führt Kierwinski nicht aus.
Die Wut in der Ukraine auf den amerikanischen Friedensplan ist groß. Doch kann auch diese Wut nicht darüber hinwegtäuschen, wie viel Vertrauen die Regierung von Präsident Selenskyj in den vergangenen Wochen verspielt hat. Der Korruptionsskandal im Energiebereich ist nicht vergessen – wie mein Kollege Robert Putzbach aus Kiew berichtet:
Russland hat in der Nacht 118 ukrainische Drohnen abgeschossen. Das melden russische Nachrichtenagenturen unter Berufung auf das Verteidigungsministerium in Moskau.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Soldaten für ihre Standhaftigkeit bei der Verteidigung gedankt und zum weiteren Durchhalten aufgerufen. Dies sei die Grundlage dafür, dass die Ukraine bei den Verhandlungen für ihre Interessen einstehen könne, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videobotschaft. Er verwies auf die anhaltenden Kämpfe in Kupjansk, Pokrowsk und Huljajpole.Russland verbreite in der Welt, dass die Ukraine sich nicht verteidigen könne. „Die täglichen Ergebnisse im Kampf sind Argumente dafür, dass es sich lohnt, an der Seite der Ukraine zu stehen und ihr zu helfen, und dass es Drucks für den Frieden nicht auf die Ukraine, sondern auf Russland bedarf“, sagte er. Russland sei der einzige Grund, warum sich der Krieg so lange hinziehe.
Ein russisches Militärgericht hat einen Mann nach Angaben des Inlandsgeheimdienstes FSB wegen angeblicher Kooperation mit der Ukraine zu 24 Jahren Haft verurteilt. Er soll Drohnen gebaut und in der Region Moskau aufsteigen lassen haben, um Schwachstellen der Flugabwehr aufzuspüren, wie der FSB mitteilte. Das Urteil sei mittlerweile rechtskräftig.Der Mann habe 2023 auf eigene Initiative die Zusammenarbeit mit einer in Russland verbotenen Terrororganisation und einem Vertreter des ukrainischen Geheimdienstes aufgenommen, hieß es in der FSB-Mitteilung. Er soll auch den Auftrag bekommen haben, das Luftfahrzeug einer „hochrangigen Person“ des russischen Staates zu sprengen. Vorgeworfen wurden dem Mann aus Rostow am Don im Süden Russlands demnach Landesverrat und Beteiligung an einer terroristischen Organisation. Die Angaben lassen sich nicht unabhängig prüfen.
Polen erhält aus dem SAFE-Programm der Europäischen Union 44 Milliarden Euro zur Stärkung seiner Streitkräfte. Das sagte Ministerpräsident Donald Tusk am Mittwoch. Ein Teil der Mittel werde für den Kauf von Drohnenausrüstung für den „Östlichen Schutzschild“ der EU an der Grenze zu Russland und Belarus verwendet. Das SAFE-Programm stellt EU-Mitgliedstaaten günstige Kredite für Investitionen in die Verteidigungsfähigkeiten zur Verfügung.
Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas will die Erfolgsaussichten der laufenden US-Initiative für ein Ende des Ukrainekrieges durch zusätzlichen Druck auf Russland erhöhen. Um das bestmögliche Ergebnis für die Ukraine und für Europa zu sichern, müsse man in dieser Richtung das Tempo erhöhen, sagte sie nach einer Videoschalte mit den Außenministern der EU-Staaten und deren ukrainischen Amtskollegen Andrij Sybiha. Dies bedeute: „Mehr Sanktionen, um Russland die Mittel zur Fortsetzung des Krieges zu entziehen, und mehr militärische sowie finanzielle Unterstützung für die Ukraine“.
Der Kreml kritisiert die Veröffentlichung abgehörter angeblicher Telefonate zwischen Unterhändlern aus Russland und den USA zum Ukrainekrieg als Versuch, die Friedensbemühungen zu untergraben. „Es ist eindeutig, dass es viele Leute in verschiedenen Ländern, die USA eingeschlossen, gibt, die die Tendenz einer Entwicklung zum Frieden stoppen wollen“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge in Kirgistan. Zugleich maß er dem Leak keine große Bedeutung bei.
Die Ukraine erhält nach den Worten des stellvertretenden russischen Außenministers Sergej Rjabkow trotz Annäherungssignalen aus Washington weiterhin Waffen und Geheimdienstinformationen aus den USA. Die Arbeit an der Normalisierung der diplomatischen Beziehungen zwischen Russland und den USA werde fortgesetzt, sagt Rjabkow. Bei der Wiederaufnahme von Direktflügen habe es jedoch keine nennenswerten Fortschritte gegeben. Mit Blick auf die Ukraine sagt Rjabkow, Moskau stehe in engem Kontakt zu China bei der Suche nach einer Friedenslösung. Bezüglich Trumps Friedensplans sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow laut der Nachrichtenagentur Interfax, der Kreml halte es für verfrüht, über ein baldiges Friedensabkommen für die Ukraine zu sprechen.
Die EU-Kommission arbeitet weiter darauf hin, dass eingefrorene russische Vermögenswerte der Ukraine zugutekommen. „Ich kann mir kein Szenario vorstellen, in dem die europäischen Steuerzahler allein für die Kosten aufkommen werden“, sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Mittwoch im Europäischen Parlament in Straßburg. Sie erinnerte daran, dass dies eine von drei Optionen sei, welche die Kommission den Staaten präsentiert habe. Demnach soll die Ukraine ein zinsloses Darlehen in Höhe von 140 Milliarden Euro erhalten, das mit den eingefrorenen Vermögenswerten besichert wird. Die meisten Staaten dringen darauf, dass die Kommission rasch einen konkreten Rechtstext vorlegt, um bis zum Europäischen Rat Mitte Dezember eine Einigung mit dem skeptischen Belgien zu erzielen. Sie halten dies nun für umso dringlicher, um einem Zugriff der USA auf das Geld zuvorzukommen. Laut dem ursprünglichen amerikanischen 28-Punkte-Plan sollte 100 Milliarden Euro aus den eingefrorenen Mitteln von US-Unternehmen in den Wiederaufbau der Ukraine investiert werden; diese sollten demnach auch die Hälfte der Gewinne einstreichen.Von der Leyen „begrüßte die Bemühungen von Präsident Trump“, obwohl diese von vielen EU-Staaten massiv kritisiert werden. Es sei wichtig, „dass nach monatelangen Diskussionen jetzt die Arbeit an einem konkreten Text begonnen hat“, sagte sie. Damit revidierte sie ihre bisherige Position, dass Friedensverhandlungen mit Russland erst nach einem Waffenstillstand in der Ukraine beginnen könnten. Dieses Zugeständnis hängt offenbar damit zusammen, dass die Europäer in den vorigen Tagen wichtige Änderungen an Trumps Plan durchsetzen konnten, auch wenn Details dazu bisher nicht bekannt sind. Die Kommissionspräsidentin hob hervor, dass es nun um eine „solide und dauerhafte Sicherheitsarchitektur für unseren Kontinent“ gehe. So dürfe die Ukraine keinen Beschränkungen ihrer Streitkräfte unterworfen werden, „die das Land anfällig für künftige Angriffe machen würden“. Außerdem dürfe es „keine einseitige Aufteilung einer souveränen europäischen Nation geben“. Sie schloss aus, dass besetzte Gebiete als russisches Territorium anerkannt würden: „Wenn wir heute die Aufweichung von Grenzen legitimieren und formalisieren, öffnen wir damit die Türen für weitere künftige Kriege.“