FAZ 19.11.2025
07:41 Uhr

Krieg in der Ukraine: Polen schließt nach Angriffen auf Westukraine vorübergehend zwei Flughäfen


Für Bewegungsfreiheit des Militärs im Luftraum +++ Tusk: Zwei Verantwortliche für Sabotage an Gleisen identifiziert +++ Selenskyj will Friedensgespräche in der Türkei wiederbeleben +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Polen schließt nach Angriffen auf Westukraine vorübergehend zwei Flughäfen

Bei einem schweren russischen Luftangriff sind in der Stadt Ternopil im Westen der Ukraine nach Behördenangaben mindestens 19 Menschen getötet worden. Es gebe nach den Angriffen auf Wohnviertel in der Stadt auch mindestens 66 Verletzte, darunter 16 Kinder, wie der Zivilschutzdienst bei Telegram mitteilte. Es seien zwei neunstöckige Gebäude getroffen und beschädigt worden.

Großbritannien informiert über einen Zwischenfall mit einem russischen Spionageschiff. Auf britische Piloten, die die „Jantar“ beobachten sollten, seien von dem Schiff aus Laser gerichtet worden. Für den Fall, dass die „Jantar“ zu einer Bedrohung werden sollte, halte Großbritannien „militärische Optionen“ bereit, warnt Verteidigungsminister John Healey. Das Schiff, das Unterseekabel kartiere, befinde sich derzeit am Rande britischer Gewässer nördlich von Schottland. Der Einsatz von Laserstrahlen gegen Piloten dient oft deren Blendung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj ist zu Gesprächen über eine Wiederbelebung der diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs in der Türkei eingetroffen. Dies teilte sein Präsidialamtschef Andrij Jermak am Mittwoch mit. 

Die Ukraine ist dem Stabschef von Präsident Wolodymyr Selenskyj zufolge in ständigem Kontakt mit der US-Regierung und dem Sondergesandten Steve Witkoff über einen möglichen Frieden. „Alle geplanten Treffen finden planmäßig und in einer sachlichen Atmosphäre statt“, teilt Andrij Jermak mit. Er bezog sich auf seinen Besuch in der Türkei als Teil der ukrainischen Delegation, die die Gespräche mit Russland über die Beendigung des Krieges wiederaufleben lassen will.

Russland hat nach eigenen Angaben einen ukrainischen Angriff mit Raketen des US-Typs ATACMS auf die Stadt Woronesch abgewehrt. Alle vier anfliegenden Raketen seien von den russischen Flugabwehrsystemen abgefangen worden, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Herabfallende Trümmer hätten die Dächer eines Altenheims und eines Waisenhauses sowie ein Wohnhaus beschädigt. Es habe aber keine Verletzten gegeben. Als Reaktion habe Russland zwei ukrainische Mehrfachraketenwerfer mit Iskander-M-Raketen beschossen. Das ukrainische Militär hatte am Dienstag mitgeteilt, Ziele in Russland mit von den USA gelieferten ATACMS angegriffen zu haben. Dies sei eine „bedeutende Entwicklung“.

Nach Strom- und Fernwärmeausfällen infolge ukrainischer Drohnenangriffe auf zwei Wärmekraftwerke ist im russisch besetzten Teil des Gebietes Donezk der regionale Notstand erklärt worden. Ein entsprechendes Dekret veröffentlichte der von Moskau eingesetzte Chef der Donezker Besatzungsverwaltung, Denis Puschilin. Mit der Maßnahme sollen die erforderlichen Reparaturen erleichtert werden.In der Nacht zum Dienstag waren die Wärmekraftwerke bei Starobeschewe und Suhres von ukrainischen Drohnen attackiert worden. Gut 65 Prozent der Verbraucher im russisch besetzten Teil der Region Donezk sollen ohne Strom sein. Schulen und Kindergärten sind den Anordnungen der Behörden zufolge nur bei funktionierender Fernwärmeversorgung geöffnet. In der Ostukraine sinken die Temperaturen in der Nacht in den einstelligen Bereich.

Nach zwei mutmaßlichen Sabotageakten an einer polnischen Bahnstrecke in Richtung Ukraine hat Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) die Vermutungen der polnischen Regierung mit Blick auf eine Verantwortung Russlands bekräftigt. „Es gibt ja einige Hinweise darauf, in wessen Interesse ein solcher Anschlag liegen könnte, und da hat die polnische Regierung mit ihren Vermutungen vermutlich recht“, sagte Merz am Dienstag in Berlin. Die Vorfälle stünden im Zusammenhang mit „einer ganze Reihe von Sabotageakten, die wir auch in Deutschland gesehen haben“, sagte Merz. Er verwies auf Überflüge von Drohnen, die „auch Ausspähversuche von Russland aus“ seien. Die russische Regierung habe selbst zugegeben, solche Drohnenüberflüge zu organisieren. Er wolle in den kommenden Tagen noch einmal mit der polnischen Regierung über die Vorfälle sprechen, sagte Merz.Der polnische Regierungschef Donald Tusk hatte zuvor zwei von Moskau beauftragte ukrainische Staatsbürger, die „seit langem mit russischen Diensten zusammenarbeiten“, für die beiden Sabotageakte in den vergangenen Tagen verantwortlich gemacht. Der Kreml warf den polnischen Behörden daraufhin „Russenfeindlichkeit“ vor. 

Die spanische Regierung hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj insgesamt 817 Millionen Euro zugesagt: 615 Millionen Militärhilfe und 202 Millionen für den Wiederaufbau. 100 Millionen Euro sind für Rüstungskäufe in den USA vorgesehen. Ministerpräsident Pedro Sánchez und König Felipe Vl. versicherten ihm in Madrid die Unterstützung Spaniens. Am Mittwoch wird Selenskyj in der Türkei erwartet.

Die Ukraine fordert von Russland 43 Milliarden US-Dollar Schadenersatz für während des Angriffskriegs erlittene Klimaschäden. Damit soll ein umweltfreundlicher Wiederaufbau nach dem Krieg finanziert werden, sagte der stellvertretende Wirtschafts- und Umweltminister Pawlo Kartaschow auf der UN-Klimakonferenz in Brasilien. Als Beispiele nannte er die enormen Mengen an Kerosin, Öl und Diesel, die Jets, Schiffe und Panzer verbrennen, sowie abgebrannte Wälder und zerstörte Gebäude. „In vielerlei Hinsicht führt Russland einen schmutzigen Krieg — und unser Klima ist ebenfalls ein Opfer.“Die Forderung basiert auf Berechnungen der Initiative zur Treibhausgasbilanzierung von Kriegen (IGGAW). Im Oktober hatte sie mitgeteilt, dass seit der russischen Invasion im Februar 2022 wegen des Kriegs so viel klimaschädliche Treibhausgase ausgestoßen wurden wie Österreich, Ungarn, Tschechien und die Slowakei gemeinsam in einem Jahr freisetzen. Ein Drittel der Treibhausgase wurde demnach durch den Krieg selbst freigesetzt, etwa durch Panzer und Jets. Ein weiterer wichtiger Faktor sind vom Krieg entfachte Wald- und Buschbrände. Sie wüteten mehrheitlich an oder nahe der Frontlinien oder in Grenzgebieten.

Die ukrainischen Truppen benötigen nach den Worten eines ranghohen Kommandeurs angesichts des bevorstehenden Winters mehr Drohnen und technologische Innovationen. Damit sollen die territorialen Gewinne Moskaus gestoppt werden, sagt der Chef der Nationalgarde, Olexandr Piwnenko, der Nachrichtenagentur Reuters. Russland habe weiterhin einen personellen Vorteil. In wichtigen Kampfgebieten herrsche bei Drohnen jedoch ein Gleichstand zwischen Kiew und Moskau. 

Spanien sichert der Ukraine ein „substantielles\" Hilfspaket zu. Das teilte der Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten, Diego Martinez Belio, anlässlich eines Madrid-Besuchs des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj mit. Details nennt der Staatssekretär jedoch nicht. Selenskyj geht es vor allem darum, die Luftverteidigung seines Landes gegen den russischen Angriffskrieg zu stärken. Er besuchte die Firmenzentrale des Radar- und Anti-Drohnen-Spezialisten Indra. Im Laufe des Tages soll er auch mit Ministerpräsident Pedro Sánchez zusammenkommen. 

In seinen Gesprächen in Peking ist Vize-Kanzler Lars Klingbeil zu dem Schluss gekommen, dass Deutschland und China in der Russland-Politik auch weiterhin nicht an einem Strang ziehen. Klingbeil sagte in der chinesischen Hauptstadt, er habe sich mit der chinesischen Regierung über den russischen Angriff auf die Ukraine ausgetauscht. „Man kommt dort nicht zwingend zu einer gemeinsamen Position.“ Er habe die Erwartung deutlich gemacht, dass China seinen Einfluss auf Russland geltend machen müsse, um den Krieg zu stoppen. 

Polen hat nach Regierungsangaben zwei Personen identifiziert, die für die Sabotage an Bahnstrecken verantwortlich sein sollen. Die beiden seien Ukrainer und hätten mit dem russischen Geheimdienst zusammengearbeitet, sagte Polens Ministerpräsident Donald Tusk vor Abgeordneten. Sie hätten sich nach Belarus abgesetzt.Tusk kündigte auch an, dass Polen für bestimmte Bahnstrecken die Alarmstufe erhöhen werde. Zum Schutz wichtiger Infrastruktur werde das Militär eingesetzt. „Der Chef des Inlandsgeheimdienstes und der Innenminister haben mich aufgrund terroristischer Bedrohungen gebeten, die dritte Terrorwarnstufe 'Charlie' einzuführen\", sagte Tusk. „Diese Stufe gilt für bestimmte Bahnstrecken, während im Rest des Landes die zweite Warnstufe verbleibt.\"  Zuvor hatte Polen Russland für den Sprengstoffanschlag auf eine strategisch wichtige Bahnlinie verantwortlich gemacht. Alles deute darauf hin, dass die Auftraggeber des Sabotageaktes die russischen Geheimdienste seien, sagte der Sprecher des Geheimdienstkoordinators in Warschau, Jacek Dobrzynski. „Die russischen Dienste wollen unsere Gesellschaft destabilisieren, sie wollen Angst verbreiten.\"Dobrzynski sagte weiter, dass die Behörden derzeit dabei seien, Beweise zu sichern, Informationen zu sammeln und bislang vorliegende Informationen zu überprüfen. „Sie wissen, dass diejenigen, die (die Sabotage) in Auftrag gegeben haben – und alles deutet darauf hin, dass es sich um russische Geheimdienste handelt – sehr gerne wissen würden, in welche Richtung die von der Polizei und den inneren Sicherheitsbehörden durchgeführten Ermittlungen gehen\", sagte er.

Wolodymyr Selenskyj hat sich zum Auftakt eines Besuchs in Spanien mit Parlamentspräsidentin Francina Armengol und Senatspräsident Pedro Rollán getroffen. Nach dem Besuch des Madrider „Congreso de los Diputados“ und einem anschließenden Treffen mit Vertretern der spanischen Rüstungsindustrie wird der Präsident der Ukraine zunächst von König Felipe VI. und am späten Nachmittag auch von Ministerpräsident Pedro Sánchez empfangen.Eine Unterzeichnung von Abkommen ist im Rahmen des dritten Spanien-Besuchs von Selenskyj nicht vorgesehen. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs werde es aber „eine Gelegenheit sein, Spaniens Verpflichtung gegenüber der Ukraine in allen Bereichen zu bekräftigen“, teilte die Regierung in Madrid mit. Nach dem Treffen zwischen Sánchez und Selenskyj steht am frühen Abend eine gemeinsame Pressekonferenz auf dem Programm.Außenminister José Manuel Albares versicherte in einem Radiointerview, das Engagement Spaniens für die Ukraine sei „langfristig“. Sein Land unterstütze die Souveränität, die territoriale Integrität und die Verteidigung des ukrainischen Volkes „solange dieser Angriffskrieg dauert“. Voriges Jahr habe man eine Milliarde Euro für die militärische Ausrüstung der Ukraine bereitgestellt, dieses Jahr wolle man erneut mindestens diese Summe erreichen.„Heute werde ich in Spanien Gespräche führen, die schon seit geraumer Zeit vorbereitet werden. Wir hoffen, dass ein weiteres starkes Land seine Unterstützung ausweitet, um uns zu helfen, Leben zu retten und dem Ende des Krieges näherzukommen“, schrieb Selenskyj vor dem Besuch auf der Plattform X.