FAZ 24.01.2026
07:56 Uhr

Krieg in der Ukraine: Mindestens ein Toter und 23 Verletzte bei Angriffen auf Kiew und Charkiw


Erste Runde der Ukraine-Verhandlungen in Abu Dhabi beendet +++ Moskau bekräftigt Maximalforderung zu Beginn der Gespräche +++ Bundesregierung dämpft Erwartungen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Mindestens ein Toter und 23 Verletzte bei Angriffen auf Kiew und Charkiw

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert nach den schweren russischen Angriffen auf Energieanlagen die vollständige Umsetzung der ​mit US-Präsident Donald Trump getroffenen Absprachen zur Luftverteidigung. Die in Davos vereinbarten Maßnahmen müssten „vollständig umgesetzt“ werden, sagte Selenskyj. Er und ​Trump hatten sich am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum getroffen und über Unterstützung bei der Flugabwehr gesprochen, ohne jedoch Details zu nennen. 

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder nennt den russischen Angriffskrieg in der Ukraine zwar völkerrechtswidrig, warnt aber vor einer „Dämonisierung“ Russlands. „Natürlich ist der Krieg in der Ukraine nicht zu respektieren, auch nicht zu relativieren. Er ist völkerrechtswidrig, eine Verletzung der Menschenrechte“, schreibt der 81 Jahre alte Altkanzler in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“. Es müssten alle diplomatischen Mittel genutzt werden, um den Krieg zu stoppen. „Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind“, schob der SPD-Politiker nach, der seit Jahren wegen seiner langjährigen Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik steht. „Russland, das ist nicht das Land der Barbaren, sondern ein Land mit einer großen Kultur und vielfältigen historischen Verbindungen zu Deutschland“, schreibt Schröder in dem Gastbeitrag. Es bleibe die „deutsche Schande“, dass dieses Land in zwei Weltkriegen von deutschen Soldaten brutal überfallen wurde. 

Die direkten Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien über ein Ende des russischen Feldzugs gegen die Ukraine sind nach monatelanger Pause wieder angelaufen. Nach dem Auftakt der Gespräche am Vorabend in Abu Dhabi werden heute ranghohe Militärvertreter beider Seiten unter Vermittlung der USA aufeinandertreffen. Ziel des diplomatischen Ringens in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate sei ein würdiger und dauerhafter Frieden, teilte der ukrainische Verhandlungsführer Rustem Umjerow nach der ersten Runde mit. Kurz darauf nahmen die russischen Angreifer in der Nacht wieder ukrainische Großstädte schwer unter Beschuss.Bei den Gesprächen auf der Arabischen Halbinsel werden heute nach ukrainischen Angaben auch Generalstabschef Andrij Hnatow und der stellvertretende Chef des Militärgeheimdienstes, Generalleutnant Wadym Skibizkyj, dazustoßen. Die russische Verhandlungsdelegation wird angeführt vom Chef des Militärgeheimdienstes, Igor Kostjukow. Von US-Seite ist unter anderem der fürs Heer zuständige Staatssekretär Daniel Driscoll dabei. „Wir sind bereit, je nach Verlauf des Dialogs in verschiedenen Formaten zu arbeiten“, sagte Umjerow. Die Erfolgsaussichten der Gespräche sind unklar. Konkrete Ergebnisse drangen bislang nicht nach außen. Russische Staatsmedien berichteten von Verhandlungen unter kompletter Abschottung von der Öffentlichkeit. 

Die erste Runde direkter Verhandlungen zwischen der Ukraine, Russland und den USA über den US-Plan für ein Ende des Krieges in der Ukraine ist abgeschlossen. Die Gespräche seien „für heute beendet“, erklärte das ukrainische Präsidialamt am Freitagabend. Thema bei dem ersten Treffen in Abu Dhabi seien „die bestimmenden Faktoren“ gewesen, die ein Ende des Krieges möglich machen könnten, erklärte der ukrainische Chefunterhändler Rustem Umerow im Onlinedienst X.Zudem sei es um die „weitere Logik des Verhandlungsprozesses“ gegangen. Weitere Treffen sind laut Umerow am Samstag geplant.Auf der Plattform X schrieb der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj am Abend: „Entscheidend ist, dass Russland bereit sein muss, den Krieg zu beenden, den es begonnen hat.“ Es sei noch zu früh, um Schlussfolgerungen bezüglich der Inhalte der Gespräche zu ziehen.

Erstmals verhandeln Vertreter der Ukraine, Russlands und der USA direkt über den US-Plan für ein Ende des Krieges in der Ukraine: Delegationen der drei Staaten trafen am Freitag in Abu Dhabi zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche dürften Territorialfragen stehen. Kurz vor Verhandlungsbeginn bekräftigte Moskau seine Maximalforderung, wonach die ukrainische Armee sich aus der gesamten Region Donbass einschließlich bisher nicht von Russland kontrollierter Gebiete zurückziehen soll. Die Zukunft des Donbass im Osten des Landes werde im Mittelpunkt der Gespräche stehen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Reportern. ​Die Verhandlungen in den Vereinigten Arabischen Emiraten sollen einem Berater Selenskyjs zufolge am Samstagmorgen fortgesetzt werden. In der Ukraine wird die Lage der Bevölkerung in Ballungsräumen immer ​schwieriger, da russische Angriffe die Strom- und Wärmeversorgung in Großstädten wie Kiew bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt lahmgelegt haben.Hauptstreitpunkt ist die Forderung des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass die Ukraine die unter ihrer Kontrolle verbliebenen 20 ⁠Prozent der Region Donezk im Donbass abtritt. ​Dies entspricht einer Fläche von rund 5000 Quadratkilometern. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete dies am Freitag als sehr wichtige ⁠Bedingung. Kiew steht unter wachsendem Druck der USA, einem Friedensabkommen zuzustimmen. Selenskyj lehnt die Abtretung von Gebieten ‍jedoch ab, ‍die Russland nicht erobern konnte. Umfragen zufolge gibt es auch in der ukrainischen Bevölkerung kaum Bereitschaft zu territorialen Zugeständnissen.Hinter den Kulissen wird über verschiedene Lösungsmodelle diskutiert. Einem Insider zufolge betrachtet Moskau die sogenannte „Anchorage-Formel“, die ⁠Putin und US-Präsident Donald Trump im August vereinbart haben sollen, als Basis. Diese sehe vor, dass ​Russland den gesamten ​Donbass kontrollieren und die Frontlinien im Süden ‌und Osten der Ukraine eingefroren werden sollen. Selenskyj erklärte ‍seinerseits, ein Abkommen über US-Sicherheitsgarantien sei fertig ausgehandelt. Er warte lediglich auf einen Termin von Trump ‍zur Unterzeichnung.

Die Bundesregierung hat sich zurückhaltend zu den Erwartungen an Gespräche über die Beendigung des Ukraine-Kriegs zwischen der Ukraine, den USA und Russland in Abu Dhabi geäußert. Grundsätzlich begrüße man es, wenn es jetzt zu trilateralen Zusammenkünften komme, sagte der stellvertretende Regierungssprecher, Steffen Meyer, am Freitag in Berlin. Berichte über mögliche Fortschritte nach Gesprächen beim Weltwirtschaftsforum in Davos habe man zur Kenntnis genommen, so Meyer. „Wir sehen gleichzeitig, dass es weiterhin große Fragen darüber gibt, inwieweit Russland bereit ist, von Maximalforderungen wirklich Abstand zu nehmen.“Der stellvertretende Regierungssprecher sagte, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) habe in den vergangenen Monaten viel dafür getan, dass es zu einer geeinten europäisch-amerikanisch-ukrainischen Position komme. „Insofern sind wir nicht (...) im Raum, aber wir sind natürlich politisch durch die Gespräche der vergangenen Wochen und den fortlaufenden Austausch sehr, sehr eng beteiligt“, sagte er zu einer Frage, warum die Europäer von den Gesprächen in Abu Dhabi ausgeschlossen seien. Der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Armin Laschet (CDU), die EU sei „selbst schuld“, wenn sie bei Gesprächen nicht involviert sei. Europa rede selbst nicht mit Russland, „und deshalb muss man sich nicht wundern, wenn man nicht am Tisch sitzt“. 

 Mit fast 450 Notstromgeneratoren will die EU die Not in der Ukraine nach russischen Angriffen auf die Energieinfrastruktur lindern. Die Geräte im Wert von 3,7 Millionen Euro sollen Krankenhäuser, Unterkünfte und kritische Dienste wieder mit Strom versorgen, wie die Europäische Kommission mitteilte. Seit Beginn der russischen Invasion vor fast vier Jahren hat die EU schon mehr als 9.500 Generatoren in die Ukraine gesendet.

Frankreich will Unterstützung für das ukrainische Stromnetz ​mit den G-7-Staaten sowie nordischen und baltischen Ländern koordinieren. Dazu sei für Freitag eine Telefonkonferenz geplant, teilt Außenminister Jean-Noel Barrot dem Sender BFM TV mit. Frankreich werde der Ukraine 13 Megawatt Elektrizität und rund 100 Generatoren liefern. Auch andere Teilnehmer dürften bei dem Gespräch Unterstützung zusagen, erklärt Barrot. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärt, dass bei dem geplanten Treffen mit Vertretern Russlands und der USA in Abu Dhabi auch über Gebietsfragen im Krieg mit Russland gesprochen werden solle.  „Die Frage des Donbass ist eine Schlüsselfrage“, teilte Selenskyj mit. Er warte ​auf den amerikanischen Präsidenten Donald Trump sowie auf ein Datum und einen Ort für die Unterzeichnung des Abkommens über amerikanische Sicherheitsgarantien, teilt Selenskyj laut der Nachrichtenagentur Reuters in einem Whatsapp-Chat mit Journalisten mit. Zudem habe er mit Trump über zusätzliche Raketen für die Luftabwehr und eine freie Wirtschaftszone gesprochen. Außerdem wies Selenskyjs Moskaus Vorschlag, im Westen eingefrorene russische Vermögenswerte für den Wiederaufbau auf eigenem Gebiet wie der Region Kursk zu verwenden, als „Unsinn“ zurück. Die Ukraine werde darum kämpfen, alle eingefrorenen russischen Gelder für den Wiederaufbau in der Ukraine nutzen zu können, teilte Selenskyj in jenem Chat mit. Russland bekräftigte vor dem Treffen in Abu Dhabi indes seine Forderung nach einem Rückzug der ukrainischen Truppen aus dem gesamten Donbass-Gebiet im Osten des Landes. Moskaus Position sei bekannt, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Freitag. „Die ukrainischen Streitkräfte müssen das Gebiet des Donbass verlassen. Sie müssen sich von dort zurückziehen“. Für Russland sei dies eine „sehr wichtige Bedingung“, betonte Peskow. Solange diese nicht erfüllt werde, sei es „sinnlos, auf den Abschluss eines langfristigen Abkommens zu hoffen“. 

Taiwan hat der Ukraine Gespräche zur Bekämpfung der Sanktionsumgehung angeboten. Hintergrund sind Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, wonach Russland unerlaubt Raketenkomponenten aus Taiwan bezieht. Der taiwanische Präsident Lai Ching-te schrieb auf der Plattform X, man begrüße einen weiteren Informationsaustausch, um illegale Lieferungen über Drittländer und die verschleierte Endverwendung zu unterbinden. Eine Stellungnahme aus ​Kiew lag zunächst nicht vor.

Dem Kreml-Berater Juri Uschakow zufolge hat der russische Präsident Wladimir Putin nach dem Treffen mit US-Gesandten unterstrichen, dass Russland an einer diplomatischen Lösung „aufrichtig interessiert“ sei. „Bis dies erreicht ist, wird Russland weiterhin konsequent die Ziele der speziellen Militäroperation verfolgen. Dies gilt besonders ​auf dem Schlachtfeld (...)“, sagte Uschakow. Die Gespräche mit Gesandten der USA bezeichnete er als „substanziell, konstruktiv und sehr offen“. Sie hätten kurz vor Mitternacht am Donnerstag begonnen und dauerten etwa vier Stunden, erklärte ​er gegenüber Reportern.

Russland hat nach Gesprächen des US-Sondergesandten Steve Witkoff mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin im Kreml erstmals seine Teilnahme an Verhandlungen mit der Ukraine heute in Abu Dhabi bestätigt. Die russische Delegation werde angeführt vom Chef des Militärgeheimdienstes GRU, Igor Kostjukow, sagte Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow Nachrichtenagenturen in Moskau zufolge. Zuvor hatte bereits der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sein Team für die Gespräche in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate benannt. Die USA sind als Vermittler mit dabei.

Die Arbeiten an einem milliardenschweren Aufbauplan für die Ukraine sind nach Angaben von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen weitestgehend abgeschlossen. Die Europäische Union, die Vereinigten Staaten und die Ukraine stünden kurz vor einer Einigung, sagte die deutsche Spitzenpolitikerin nach einem EU-Sondergipfel in Brüssel. Der Plan zeige auf, wie der Wohlstand der Ukraine direkt nach einem Waffenstillstand oder Frieden gesteigert werden könne.„Wir sprechen über ein einzelnes Dokument, das die gemeinsame Vision der Ukrainer, der Amerikaner und Europas für die Zukunft der Ukraine nach dem Krieg darstellt“, erklärte von der Leyen. Es stütze sich auf die Bedarfsanalyse der Weltbank und schlage eine Antwort vor, die auf fünf verschiedenen Säulen beruhe.

Nach mehr als 3,5 Stunden sind in der Nacht die Verhandlungen in Moskau über ein Ende des Kriegs in der Ukraine zu Ende gegangen. Das teilte der Pressedienst des Kremls nach dem Treffen zwischen Russlands Präsident Wladimir Putin und dem US-Sondergesandten Steve Witkoff mit. Über Ergebnisse wurde zunächst nichts bekannt. Bei dem Treffen ging es auch um die weitere Verwendung der in den USA wegen des russischen Angriffskriegs in der Ukraine eingefrorenen Vermögenswerte und um die Einladung Russlands in den von der US-Regierung gegründeten „Friedensrat“.An den erst kurz vor Mitternacht Ortszeit begonnenen Verhandlungen nahmen von amerikanischer Seite neben Witkoff auch der Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, Jared Kushner, sowie Regierungsberater Josh Gruenbaum teil. Auf russischer Seite waren Putin, dessen Sondergesandter Kirill Dmitrijew und der außenpolitische Berater des Präsidenten, Juri Uschakow, dabei.