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15.12.2025
09:43 Uhr
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Claudia Major: Bisherige Verhandlungen immer an Russland gescheitert +++ Europäer schlagen multinationale Truppe für die Ukraine vor +++ Selenskyj und Merz plädieren für Waffenruhe zu Weihnachten +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Im Gebiet Odessa im Süden der Ukraine sind den Behörden zufolge nach den jüngsten russischen Angriffen mehr als 280.000 Haushalte noch immer ohne Strom. Gebietsgouverneur Oleh Kiper erklärt weiter, dass in den vergangenen drei Tagen die Stromversorgung für fast 330.000 Haushalte in dem Gebiet wiederhergestellt worden sei. Die an der Küste des Schwarzen Meeres gelegene Region erlebte am Wochenende einen der schwersten russischen Angriffe auf das Stromnetz während des fast vier Jahre dauernden Krieges.
Die Ukraine hat eigenen Angaben zufolge erstmals ein russisches U-Boot mit einer Unterwasserdrohne zerstört. Wie der ukrainische Geheimdienst SBU am Montag mitteilte, habe er ein U-Boot vom Typ Projekt 636 Warschawjanka so schwer beschädigt, dass es praktisch funktionsunfähig sei. Das U-Boot liege nun im Hafen von Noworossijsk.Der Angriff sei mit einer Drohne vom Typ „Sub Sea Baby“ durchgeführt worden. Nach Angaben des Geheimdienstes waren auf dem U-Boot vier Startrampen für Kalibr-Marschflugkörper, die Russland für Angriffe auf die Ukraine einsetzt. „Die Kosten für ein U-Boot der Warschawjanka-Klasse belaufen sich auf etwa 400 Millionen Dollar. Aufgrund der verhängten internationalen Sanktionen könnten die Baukosten für ein vergleichbares U-Boot nun bis zu 500 Millionen US-Dollar betragen. Diese U-Boot-Klasse wird aufgrund der Fähigkeit ihres Rumpfes, Schall zu absorbieren und für Sonargeräte unsichtbar zu bleiben, auch als Schwarzes Loch bezeichnet“, heißt es in einer Mitteilung des SBU.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterstützt den Vorschlag von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) für eine Waffenruhe im Krieg mit Russland über Weihnachten. Merz habe diese Idee offiziell am Montag in die Gespräche in Berlin eingebracht, sagte Selenskyj der Nachrichtenagentur Ukrinform zufolge am Abend zu ukrainischen Journalisten. Er unterstütze diesen Vorschlag und „jeden Waffenstillstand\", so das Staatsoberhaupt. Auch die USA seien dafür.Merz hatte kurz zuvor bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Selenskyj im Kanzleramt an den russischen Präsidenten Wladimir Putin appelliert, „das ukrainische Volk wenigstens über Weihnachten von weiteren Bombenangriffen und Raketenangriffen unbehelligt zu lassen\". Russland habe in den letzten Wochen und Monaten fast ausnahmslos die zivile Infrastruktur, Kindergärten, Krankenhäuser und Energieversorgungseinrichtungen angegriffen. „Vielleicht hat die russische Staatsführung einen Rest an menschlichem Anstand und lässt die Bevölkerung wenigstens über Weihnachten mit diesem Terror für ein paar Tage in Ruhe\", so der Kanzler.
Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hat nach eigenen Angaben einen Anschlag auf einen Abschnitt der Druschba-Ölpipeline vereitelt. Vier Minderjährige seien wegen der Vorbereitung eines Sabotageakts festgenommen worden, teilt der FSB russischen Nachrichtenagenturen zufolge mit. Die Druschba-Pipeline transportiert russisches und kasachisches Öl nach Ungarn, in die Slowakei und nach Deutschland.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben des Bürgermeisters von Moskau eine Drohne mit Kurs auf Russlands Hauptstadt abgefangen und zerstört. „Die Rettungskräfte sind an der Stelle im Einsatz, an der die Trümmer niedergingen\", teilte Bürgermeister Sergej Sobjanin auf Telegram mit. Das ukrainische Militär greift immer wieder Ziele weit hinter der Grenze zu Russland an, darunter auch Moskau. Russland teilt stets nur mit, wie viele feindliche Drohnen abgefangen wurden, nicht wie viele entdeckt wurden oder wie viele ihre Ziele getroffen haben.
Die Türkei hat nach eigenen Angaben eine unkontrollierte Drohne abgeschossen, die sich vom Schwarzen Meer her kommend ihrem Luftraum genähert hat. Kampfflugzeuge seien nach der Entdeckung der Drohne in Alarmbereitschaft versetzt worden, um die Sicherheit des türkischen Luftraums zu gewährleisten, teilt das Verteidigungsministerium des NATO-Staates mit. Die Drohne sei außer Kontrolle geraten und in einem sicheren Gebiet abgeschossen worden. Über Typ oder Herkunft der Drohne macht das Ministerium keine Angaben. Erst vergangene Woche hat die Türkei vor einer Eskalation im Schwarzen Meer gewarnt, weil bei russischen Angriffen auf ukrainische Häfen drei türkische Frachtschiffe beschädigt wurden. Wenige Tage zuvor hatte Russland damit gedroht, die Ukraine vom Schwarzen Meer abzuschneiden, nachdem das ukrainische Militär drei Tanker der sogenannten Schattenflotte beschädigt hatte, die auf dem Weg nach Russland waren, um von dort Öl zu exportieren und so die Sanktionen zu umgehen.
Eine Einigung zur Beendigung des Ukrainekriegs ist US-Präsident Donald Trump zufolge näher als je zuvor. Sein Team habe nach Gesprächen in Berlin Fortschritte gemeldet, sagt Trump bei einer Veranstaltung im Weißen Haus. Zuvor hatten die US-Gesandten Steve Witkoff und Jared Kushner in Berlin mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und europäischen Politikern beraten. Trump schaltete sich beim anschließenden Essen zu. Nach den Berliner Verhandlungen sieht Trump ein Friedensabkommen in Reichweite. „Ich denke, wir sind jetzt näher dran als je zuvor“, sagte Trump am Montag in Washington. Darüber habe er „sehr lange und sehr gute Gespräche“ mit Selensky, Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und weiteren europäischen Politikern geführt. Trump zollte den Europäern Anerkennung für ihre „enorme Unterstützung“ in den Bemühungen um einen Waffenstillstand. Dafür müssten Russland und die Ukraine „auf eine Linie“ kommen, sagte er weiter. „Aber ich denke, das läuft gut – sehr gute Gespräche“, betonte er mit Blick auf die Berliner Verhandlungen.Trump telefonierte nach eigenen Angaben mit den Staats- und Regierungschefs von Deutschland, Italien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Norwegen, Dänemark und den Niederlanden sowie mit der NATO-Führung.Die USA boten bei den Berliner Gesprächen nach Angaben aus Washington Sicherheitsgarantien für die Ukraine an, die dem Beistandsversprechen der NATO gleichkommen. Keine Einigung gab es laut Selenskyj bisher bei der Frage der Gebietsabtretungen der Ukraine an Russland, die die USA in ihrem ursprünglichen Plan gefordert hatten.
Die europäischen Verbündeten der Ukraine haben eine „multinationale Truppe“ zur Sicherung eines möglichen Friedensabkommens vorgeschlagen. „Sowohl die USA als auch die Staats- und Regierungschefs Europas sprachen sich dafür aus, zusammenzuarbeiten, um der Ukraine im Kontext einer Vereinbarung zur Beendigung des Krieges robuste Sicherheitsgarantien und Unterstützungsmaßnahmen für den wirtschaftlichen Wiederaufbau zur Verfügung zu stellen“, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung mehrerer europäischer Länder und der EU anlässlich eines Treffens mit den US-Gesandten in Berlin. An dem abendlichen Treffen im Kanzleramt nahmen auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sowie Vertreter der US-Delegation teil. Die von Europa angeführte Truppe, die von den USA unterstützt werden solle, werde „bei der Regeneration der Streitkräfte der Ukraine, der Sicherung des Luftraums der Ukraine und der Gewährleistung sichererer Meere helfen, auch durch Operationen innerhalb der Ukraine“. Russland lehnt den Einsatz von Truppen zur Überwachung eines Waffenstillstands bisher kategorisch ab und erklärt, Truppen aus NATO-Staaten würden klar als militärisches Ziel gesehen und vernichtet. Die Erklärung wurde außer von Merz von seinen Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich, Großbritannien, Polen, Italien, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Norwegen und Schweden sowie von EU-Ratspräsident António Costa und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterzeichnet.Die Vereinbarung würde laut der Erklärung neben der multinationalen Truppe weitere Zusagen enthalten.
Eine geplante Videoschalte zwischen in Brüssel tagenden EU-Außenministern und den für Ukraine-Gespräche nach Berlin gereisten US-Unterhändlern Steve Witkoff und Jared Kushner ist wegen Verbindungsproblemen nicht zustande gekommen. EU-Chefdiplomatin Kaja Kallas erklärte in Brüssel, sie wisse nicht, ob es einen Cyberangriff gegeben habe. Klar sei aber, dass die Technik nicht richtig funktioniert habe. Es sollte in dem Gespräch um die Umsetzung des US-Friedensplans für den Gazastreifen gehen.Auch der Bundestag hatte am Nachmittag mit einem Ausfall des Internets zu kämpfen. Wie ein Sprecher mitteilte, war die Ursache zunächst unklar. Es sei auch offen, ob es einen Zusammenhang mit dem Besuch von Selenskyj bei Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) am Nachmittag gab.
Selenskyj sagt, er sei nicht der Meinung, dass die USA etwas verlangt habe. Er sehe die Amerikaner als strategische Partner. Es gebe Forderungen der russischen Seite, die vonseiten der USA übermittelt worden seien. Er selbst habe den ukrainischen Standpunkt dargelegt. „Ich bin froh darüber, dass wir gehört werden“, sagt der ukrainische Präsident. Mit Sicherheitsgarantien etwa sehe es derzeit nicht schlecht aus, führt er aus, aber dies sei nur ein erster Schritt. Militärische Details zu einer möglichen Kontaktlinie aber seien noch offen.Abschließend sagt Merz über einen Waffenstillstand: „Wir werden die Fehler von Minsk nicht wiederholen.“ Was dies im Einzelnen bedeute, werde noch zu besprechen seien, aber Amerikaner und Europäer würden an einem Beschluss beteiligt sein. Damit endet die Pressekonferenz.
Gefragt nach Details aus den Gesprächen mit den Amerikanern kommt Selenskyj abermals auf Gebietsfragen zu sprechen. „Unsere Position ist sehr klar, ohne Punkt und Komma“, sagt er. Es sei wichtig, dass man diese Position darlegen konnte. Er gehe davon aus, dass die USA als Mediator Kompromisse vorschlagen werde. Diese aber müssten „wahrhaftige“ Kompromisse sein, damit sie für die Ukraine akzeptabel seien.
Selenskyj lobt die Position Deutschlands zum Einfrieren russischer Vermögenswerte. „Es ist gut, dass Deutschland hier eine rationale Position bezieht“, so der ukrainische Präsident. Am meisten müsse derjenige leiden, der einen Krieg beginnt.
Selenskyj sagt, es habe am Sonntag fünfstündige Verhandlungen gegeben, am Montag seien die Gespräche fortgesetzt worden. Weitere Gespräche seien geplant. „Es gibt sehr schwierige Fragen, insbesondere territoriale Fragen“, so Selenskyj: „Bisher gibt es noch unterschiedliche Positionen, aber es ist wichtig, dass ich unsere Position persönlich darlegen konnte“. Auch die Amerikaner seien bemüht, Lösungen zu finden und dabei die Würde der Ukraine zu wahren.