FAZ 27.12.2025
05:15 Uhr

Krieg in der Ukraine: Landesweite Angriffe in der Ukraine


Selenskyj will Ukraine über Friedensplan abstimmen lassen +++ EVP-Chef will Einsatz deutscher Soldaten für Friedenssicherung +++  alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Landesweite Angriffe in der Ukraine

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will diesen Samstag an einer Telefonkonferenz mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und US-Präsident Donald Trump teilnehmen. An dem Gespräch nehmen zudem weitere europäische Staats- und Regierungschefs teil, wie ein Sprecher der Kommission der Nachrichtenagentur Reuters mitteilt.

Die polnische Flugsicherungsagentur teilt auf X mit, die Flughäfen Rzeszow und Lublin im Südosten Polens seien wegen der schweren russischen Luftangriffe auf die benachbarte Ukraine vorübergehend geschlossen worden. Das polnische Militär habe Kampfflugzeuge aufsteigen lassen.

US-Präsident Donald Trump empfängt am Sonntag den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Palm Beach im US-Bundesstaat Florida. Das Weiße Haus kündigte das bilaterale Treffen für Sonntagnachmittag 15.00 Uhr Ortszeit (21.00 Uhr MEZ) an.

Laut einer Mitteilung des russischen Verteidigungsministeriums auf Telegram hat Russland die Ortschaft Kossiwzewe ​in der südostukrainischen Region Saporischschja eingenommen. Zudem seien mehr als 23 Quadratkilometer Territorium besetzt worden. Dies diene ​den russischen Truppen als Basis für weitere Offensiven. Das ukrainische Militär räumt im Radio einen „unglücklichen Vorfall“ ein. Eine ukrainische Einheit sei nun ⁠dabei, die russischen Soldaten aus ​dem Dorf zu vertreiben.

​Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj ist ein Sicherheitsabkommen zwischen ​der Ukraine und den USA „fast fertig“. Der Entwurf eines 20-Punkte-Plans sei zu 90 Prozent ⁠fertiggestellt, schreibt Selenskyj in ​einem WhatsApp-Chat mit Reportern. „Er hat gar nichts, solange ich ⁠es nicht absegne“, sagt ‍US-Präsident Donald Trump dagegen ‍einem am Freitag (Ortszeit) veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Politico“ zufolge. „Wir werden also sehen, was er ⁠hat.“ Selenskyj hatte zuvor dem Nachrichtenportal „Axios“ gesagt, ​die ​USA hätten ein 15-jähriges Abkommen ‌über Sicherheitsgarantien angeboten, das ‍verlängert werden könne. Kiew wünsche sich ‍jedoch eine längere ⁠Laufzeit.

Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat vor einem geplanten Treffen mit US-Präsident Donald Trump das weitere Vorgehen mit Bundeskanzler Friedrich Merz besprochen. „Wir stimmen unsere Positionen ab, und alle in Europa müssen an einem Strang ziehen, um unsere europäische Lebensweise, die Unabhängigkeit unserer Staaten und den Frieden in Europa zu verteidigen. Es muss Frieden geben“, schrieb Selenskyj auf der Plattform X. Merz (CDU) antworte auf X mit den Worten: „Wir stehen unerschütterlich an Ihrer Seite. Ein starkes, koordiniertes Vorgehen Europas ist nach wie vor unverzichtbar für Frieden, Freiheit und Sicherheit.“ Die „Berliner Gruppe“ sei bereit zu helfen – in enger Abstimmung mit den US-Partnern.Selenskyi dankte Deutschland „für seine unerschütterliche“ und konkrete Unterstützung. „Dank unserer Zusammenarbeit mit Deutschland konnten bereits Tausende Menschenleben in der Ukraine vor russischen Angriffen gerettet werden, und wir halten unsere Verteidigungspositionen aufrecht, um die Stärke unserer diplomatischen Positionen zu gewährleisten. Friedrich, vielen Dank!“, schrieb der ukrainische Staatschef an die Adresse von Merz.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will einem Medienbericht zufolge am Sonntag mit seinem US-Kollegen Donald Trump über Gebietsfragen sprechen. Vor dem neuen Jahr könne noch vieles entschieden werden, sagt Selenskyj dem Nachrichtenportal Axios. Sollte er Trump nicht dazu bringen können, den Vorschlag eines kompletten Abzugs der ukrainischen Streitkräfte aus der Donbas-Region aufzugeben, stehe er einem Referendum über den US-20-Punkte-Plan für einen Frieden offen gegenüber. Dazu müsse jedoch Russland einer 60-tägigen Feuerpause ​zustimmen, damit die Ukraine eine Abstimmung vorbereiten und abhalten könne, zitiert Axios Selenskyj weiter.

Nach mehreren Verhandlungsrunden im Bemühen um ein Ende des Ukraine-Krieges werden sich US-Präsident Donald Trump und der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Angaben aus Kiew am Sonntag in Florida treffen. Selenskyjs bestätigte am Freitag in einer Botschaft an Journalisten das geplante Treffen. Zuvor hatte der ukrainische Präsident Einzelheiten eines 20-Punkte-Plans für ein mögliches Kriegsende vorgestellt und nach eigenen Angaben ein „sehr gutes“ Telefonat mit dem US-Sondergesandten Steve Witkoff geführt.Selenskyj führte weiter aus, bei seinem persönlichen Gespräch mit Trump würden sensible Themen wie der Donbass oder die Zukunft des Atomkraftwerks Saporischschja zur Sprache kommen. Außerdem werde es um mögliche bilaterale Abkommen zwischen Washington und Kiew etwa zu Sicherheitsgarantien gehen. 

Vertreter Russlands und der USA haben nach Angaben von Kremlsprecher Dmitri Peskow am Telefon über einen Friedensplan für die Ukraine gesprochen. Vonseiten des russischen Präsidialamtes habe der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow, teilgenommen, sagte Peskow der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass zufolge in Moskau.  Auch der russische Sondergesandte Kirill Dmitrijew soll demnach an den Gesprächen mit der US-Regierung teilnehmen. Peskow hatte zuvor bestätigt, dass Moskau US-Vorschläge für ein mögliches Waffenstillstandsabkommen für die Ukraine erhalten habe.  

Der Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), hat sich für einen Einsatz deutscher Soldatinnen und Soldaten unter europäischer Flagge in der Ukraine ausgesprochen. „Ich wünsche mir Soldaten mit der europäischen Flagge auf der Uniform, die gemeinsam mit unseren ukrainischen Freunden den Frieden sichern“, sagte er den Feiertagsausgaben der Funke-Zeitungen. Wenn über europäische Truppen geredet werde, „kann Deutschland nicht außen vor bleiben“.Es sei ebenfalls keine Lösung, dass US-Präsident Donald Trump „eine Friedenslösung allein mit amerikanischen GIs absichert“, fuhr Weber fort. Europa müsse Verantwortung für die Sicherheit der Ukraine übernehmen. Dass Kremlchef Wladimir Putin den „Weg des Friedens“ gehe, könne er indes nicht erkennen. „Putin führt uns an der Nase herum. Bis heute sitzt er im Kreml und freut sich, wie der Westen sich streitet und spaltet.“Der EVP-Chef äußerte sich auch zur Abkehr Washingtons von Europa und forderte, darauf mit einer neuen EU-Sicherheitsstrategie zu reagieren. Das zu Ende gehende Jahr sei „ein Wendejahr in der Geschichte“, das zeige auch Trumps Sicherheitsstrategie. „Europa steht nackt in einer kalten Welt voller Stürme.“ Daraus ergebe sich nur eine Konsequenz: „Wir müssen unsere eigene Sicherheitsstrategie schreiben, die Architektur Europas auf den Prüfstand stellen und endlich selbstbewusst handeln.“

Russische Drohnenangriffe haben in den ukrainischen Regionen Odessa und Mykolajiw mehrere Schiffe beschädigt. Betroffen seien Schiffe ​unter der Flagge der Slowakei, Palaus und Liberias, teilte der stellvertretende Ministerpräsident Oleksij Kuleba mit. Verletzte gebe es nicht. ​Die Angriffe hätten zudem zu Stromausfällen in der Region Odessa geführt.

Im Ringen um eine Friedenslösung für die Ukraine hat Staatschef Wolodymyr Selenskyj für die kommenden Tage einen Besuch bei US-Präsident Donald Trump angekündigt. „Bis Neujahr kann noch viel entschieden werden“, schrieb Selenskyj in den Netzwerken Telegram und X. Einen genauen Termin nannte er nicht.Sein Chefunterhändler Rustem Umjerow habe ihn über die jüngsten Kontakte mit den Amerikanern unterrichtet. „Wir verlieren keinen einzigen Tag. Wir haben ein Treffen auf höchster Ebene mit Präsident Trump in nächster Zukunft vereinbart“, schrieb Selenskyj.Die Kiewer Zeitung „Kyiv Post“ berichtete unter Berufung auf diplomatische Quellen, dass das Treffen am 28. Dezember in Trumps Residenz Mar-a-Lago in Florida stattfinden könnte. Auch Axios berichtete,  dass sich Trump am Sonntag mit Selenskyj in Florida treffen wolle.

Der linksgerichtete russische Kremlkritiker Sergej Udalzow ist wegen angeblicher Rechtfertigung von Terrorismus von einem Gericht in Moskau zu sechs Jahren in einer Strafkolonie verurteilt worden. Das Gericht blieb damit um ein Jahr unter den von der Staatsanwaltschaft geforderten sieben Jahren für Udalzow. Dieser hatte kurz zuvor erklärt, er werde im Falle einer Verurteilung „einen unbefristeten Hungerstreik bis zum Tod“ beginnen.„Eine schändliche Entscheidung. Alle, die sie getroffen haben, werden dafür zur Verantwortung gezogen werden, hoffe ich. Seid verdammt, ihr Hunde. Das wünsche ich euch von ganzem Herzen“, wurde er von der oppositionellen Website „Meduza“ nach der Urteilsverkündung zitiert.Udalzow ist ein Befürworter des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Er gilt allerdings als Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin. Grund für die Verfolgung Udalzows war, so „Meduza“, sein Artikel „Wie Marxisten zu Terroristen gemacht wurden“. Udalzows Veröffentlichungen widmeten sich dem Fall einer „terroristischen Vereinigung“, der nach Dafürhalten des Inlandsgeheimdienstes FSB Mitglieder eines marxistischen Kreises in Ufa angehörten. Diese waren Mitte Dezember vom Zentralen Militärgericht zu Haftstrafen zwischen 16 und 22 Jahren in einer Strafkolonie verurteilt worden. 

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach eigenen Angaben ein „sehr gutes“ Telefongespräch mit dem amerikanischen Sondergesandten Steve Witkoff und dem Präsidentenberater Jared Kushner geführt. „Wir haben einige wichtige Details der laufenden Arbeit besprochen“, erklärte Selenskyj am Donnerstag in Onlinediensten. „Es gibt gute Ideen, die zu einem gemeinsamen Ergebnis und zu dauerhaftem Frieden beitragen können“, fügte er hinzu.Selenskyj bedankte sich bei Witkoff und Kushner für ihren „konstruktiven Ansatz, die intensive Arbeit und die freundlichen Worte“. Der ukrainische Präsident betonte: „Wir arbeiten wirklich rund um die Uhr daran, das Ende dieses brutalen Krieges Russlands gegen die Ukraine näher zu bringen und sicherzustellen, dass alle Dokumente und Schritte realistisch, wirksam und zuverlässig sind.“Am Mittwoch hatte Selenskyj erklärt, die Ukraine habe in dem jüngsten Entwurf eines zwischen Washington und Kiew vereinbarten Plans zur Beendigung des Krieges einige Zugeständnisse erreichen können. Der Entwurf werde derzeit von Moskau geprüft. Der von Selenskyj erstmals vorgestellte 20-Punkte-Plan sieht ein Einfrieren der aktuellen Frontlinie vor, ebnet zugleich aber auch den Weg für den Abzug ukrainischer Truppen und entmilitarisierte Zonen.