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10.01.2026
08:51 Uhr
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Kiew meldet russische Angriffe auf zwei Frachtschiffe im Schwarzen Meer +++ Bei russischem Angriff sei ein syrisches Besatzungsmitglied getötet worden +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine dauert inzwischen genauso lange wie der Große Vaterländische Krieg der Sowjetunion gegen Hitler-Deutschland. Auf diese Statistik verwies neben dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj die oppositionelle russische Website „Meduza“. Sowjet-Diktator Stalin hatte nach dem deutschen Überfall 1941 den Großen Vaterländischen Krieg ausgerufen.Die Sowjetarmee habe 1.418 Tage gebraucht, errechnete die Website, um nach den ersten Rückschlägen gegen die Wehrmacht bis nach Berlin vorzustoßen und die Kapitulation Deutschlands zusammen mit den Alliierten zu erzwingen. Dagegen stecke die russische Armee nach 1.418 Tagen Krieg in der Ukraine „seit Jahren in denselben Dörfern und Städten des Donbass fest“. Russland hatte vor fast vier Jahren die benachbarte Ukraine überfallen und erwartet, die Hauptstadt Kiew innerhalb von wenigen Tagen zu erobern. Die Statistik fand in den russischen Staatsmedien keine Erwähnung.Moskau habe den Erfolg von damals wiederholen wollen, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. „Sie haben die Misshandlung von Menschen wiederholt, den Faschismus wiederholt, fast alles wiederholt, was im 20. Jahrhundert das Schlimmste war“, betonte er. „Dennoch versuchen die Russen, denselben Donbass zu erobern wie vor fast vier Jahren, sie wollen erneut lügen, dass sie Kupjansk eingenommen haben.“Selenskyj: Russische Verluste bei 1.000 Toten pro Tag„Das sagt viel über das System aus, das (Kremlchef Wladimir) Putin aufgebaut hat, und einfach über ihn persönlich“, sagte Selenskyj. Die russischen Verluste betragen nach seinen Worten derzeit mindestens 1.000 Tote pro Tag. „Und damit bezahlt Russland faktisch dafür, dass der Krieg nicht endet, das ist Wahnsinn.“ Und dieser „russische Wahnsinn“ könne nur mit vereinten Kräften gestoppt werden.Der Vergleich der beiden Kriege sei nicht ganz korrekt, fügte „Meduza“ hinzu. Ein direkter Vergleich vieler Indikatoren zeige, dass der aktuelle Krieg nur für die Ukraine einen existenziellen Charakter habe. Kiew schaffe es, den Krieg mit westlicher Hilfe fortzusetzen. Der Kreml hingegen sei nicht in der Lage oder nicht willens, sich auf einen existenziellen Kampf einzulassen, und beschränke sich darauf, seine Anstrengungen nur geringfügig zu verstärken.Die ukrainischen Medien vermeldeten an diesem 1.418. Kriegstag kleinere russische Geländegewinne bei Wowtschansk in der Region Charkiw sowie bei Pokrowsk im Donbass. Der militärnahe ukrainische Blog „DeepState“ veröffentlichte dazu auf Telegram entsprechende Karten.
Ukrainische Militärs haben die Beschädigung von drei russischen Ölbohrplattformen im Kaspischen Meer für sich beansprucht. Die Plattformen des russischen Ölgiganten Lukoil dienten der Versorgung der russischen Streitkräfte in der Ukraine, teilte der ukrainische Generalstab in Kiew auf Telegram mit. Die Generalität machte keine Angaben zur Art des Angriffs, sprach aber von „direkten Treffern“, sodass der Einsatz von Langstreckendrohnen möglich schien.Der Bericht über den Angriff konnte von unabhängiger Seite nicht überprüft werden. Das russische Militär macht grundsätzlich keine Angaben zu eventuellen Schäden durch ukrainische Angriffe.Die Ukraine greift wiederholt Objekte der Öl- und Gasindustrie in Russland an, um die Versorgung der russischen Besatzungstruppen zu erschweren.
Der von schweren russischen Drohnenangriffen in der Nacht verursachte vollständige Stromausfall in der südostukrainischen Region Saporischschja ist nach Behördenangaben weitgehend behoben. „Stand 07.00 Uhr (06.00 Uhr MEZ) ist die Stromversorgung in der Region Saporischschja – und das betrifft 382.500 Familien und Firmen – vollständig wiederhergestellt“, sagte der Direktor des örtlichen Energieversorgers Saporischschjaoblenergo, Andrij Stasewskyj laut einem Telegrameintrag des Unternehmens.Demnach ist die Stromversorgung in der Region gegen 2 Uhr nachts völlig zusammengebrochen. „In dieser Nacht um 02:11 Uhr kam es in der Region Saporischschja zu einem Stromausfall; die Region war komplett ohne Strom“, heißt es. Die schnellen Reparaturarbeiten hätten die Wiederaufnahme des Betriebs ermöglicht, lobte Stasewskyj seine Mitarbeiter.Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe hat Russland in der Nacht 154 Kampfdrohnen gestartet. 125 seien abgefangen worden, es habe aber auch mehr als 20 Einschläge gegeben, gestand die Flugabwehr ein. Seit Kriegsbeginn vor mehr als vier Jahren attackiert Russland systematisch die Energieversorgung der Ukraine. Inzwischen ist das ukrainische Netz so geschwächt, dass die Stromversorgung in vielen Landstrichen beschränkt oder sogar ganz zusammengebrochen ist. Angesichts der Frosttemperaturen ist die Lage für viele Ukrainer katastrophal.
Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die südrussische Stadt Woronesch werden nach Angaben des dortigen Gouverneurs mindestens vier Menschen verletzt. Ein Gebäude des Rettungsdienstes, sieben Mehrfamilienhäuser und sechs Einfamilienhäuser seien beschädigt, schreibt Gouverneur Alexander Gussew auf dem Kurznachrichtendienst Telegram. Eine unabhängige Überprüfung der Angaben ist zunächst nicht möglich, eine ukrainische Stellungnahme liegt nicht vor.
Bei einem Bombenangriff auf die ostukrainische Stadt Slowjansk sind nach Behördenangaben sieben Zivilisten verletzt worden. Wie die ukrainische Staatsanwaltschaft der Region Donezk mitteilte, warf das russische Militär eine schwere gelenkte Fliegerbombe vom Typ Fab-250 auf die Stadt ab. Der Ballungsraum Slowjansk/Kramatorsk ist die letzte Bastion im Gebiet Donezk, die die ukrainischen Kräfte noch kontrollieren. Russland beansprucht die Region für sich.In der Großstadt Charkiw haben die Behörden einen Raketeneinschlag vermeldet. Ein Objekt der Infrastruktur und ein Mehrfamilienhaus seien getroffen worden, teilte Bürgermeister Ihor Terechow auf Telegram mit. Das Ausmaß der Schäden war demnach zunächst unklar.
Nach einem ukrainischen Drohnenangriff sind in der russischen Oblast Belgorod nach Angaben des Gouverneurs 600.000 Menschen ohne Strom. An der Wiederherstellung werde gearbeitet, die Lage sei jedoch äußerst schwierig, schreibt Wjatscheslaw Gladkow auf Telegram. Aufnahmen von Reuters in der Stadt Belgorod zeigen, dass die Straßenbeleuchtung ausgeschaltet war und die Anwohner sich mit Taschenlampen und Autoscheinwerfern den Weg suchten.
Ein ukrainischer Drohnenangriff hat nach russischen Angaben ein Feuer in einem Öldepot im Bezirk Oktjabrski verursacht. Opfer habe es keine gegeben, teilt der Gouverneur der Oblast Wolgograd, in deren Süden das Depot liegt, auf Telegram mit. Anwohner müssten sich aber möglicherweise in Sicherheit bringen. In der Nacht seien 67 ukrainische Drohnen zerstört worden, behauptet das russische Verteidigungsministerium. Russland hat auch in der Nacht auf Samstag die Angriffe auf ukrainische Städte auch abseits der Front fortgesetzt. In der südostukrainischen Region Dnipropetrowsk wurden nach Angaben von Gouverneur Olexandr Hanscha drei Menschen verletzt – ein Mann in der Gebietshauptstadt Dnipro sowie ein Mann und eine Frau in der Großstadt Krywyj Rih. Dort seien wegen der Attacke Brände ausgebrochen, schrieb er bei Telegram. „Die Infrastruktur wurde beschädigt. Es gab Stromabschaltungen.“Auch in Dnipro selbst gebe es Schäden an Energieanlagen und dementsprechend Probleme mit der Stromversorgung. Eine Garagenanlage sei in Mitleidenschaft gezogen worden. 27 Drohnen habe die Flugabwehr dabei abfangen können, schrieb Hanscha.
Nach massiven russischen Angriffen auf Kiew kommt der UN-Sicherheitsrat am Montag zu einer Dringlichkeitssitzung zur Ukraine zusammen. „Russland hat mit seinen Angriffen auf Zivilisten und zivile Infrastruktur in der Ukraine ein neues erschreckendes Ausmaß an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erreicht“, erklärte der ukrainische UN-Botschafter Andrij Jermak am Freitag in einem Schreiben, in dem er um die Einberufung der Sitzung bittet und das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt.Der Antrag der Ukraine wurde von sechs Mitgliedern des Sicherheitsrates unterstützt, wie AFP aus Diplomatenkreisen erfuhr. Dabei handelt es sich demnach um Frankreich, Großbritannien, Lettland, Dänemark, Griechenland und Liberia.Bei russischen Angriffen waren in der Nacht zum Freitag nach ukrainischen Angaben vier Menschen getötet worden. In tausenden Wohnhäusern in Kiew fiel zudem bei Minusgraden die Heizung aus.
Bei bis zu -17 Grad und Frost wird die Lage in Kiew und anderen ukrainischen Städten wegen der Ausfälle von Heizung, Strom und Wasser noch schwieriger. Russland wolle mit schweren Luftangriffen mitten im Winter die großen Städte unbewohnbar machen, sagte Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Videobotschaft. „Die Russen nutzen das Wetter – die Kältewelle – und versuchen, so viele unserer Energieanlagen wie möglich zu treffen.“ Zuletzt sei die Hauptstadt beschossen worden, davor Dnipro, Saporischschja und Krywyj Rih, wiederum davor Odessa. „Die Haupttaktik Russlands besteht darin, zu versuchen, Städte vollständig auszuschalten.“ Der Präsident verlangte von allen Stadtverwaltungen, vorbereitet zu sein und die Bürger zu schützen.
Großbritannien stellt 200 Millionen Pfund (etwa 230 Millionen Euro) für die Vorbereitung einer möglichen Truppenentsendung in die Ukraine bereit. Mit dem Geld sollen unter anderem Fahrzeuge und Kommunikationssysteme modernisiert sowie der Schutz vor Drohnen verbessert werden, sagte Verteidigungsminister John Healey bei einem Besuch in Kiew. Die britischen Soldaten sollen Teil einer multinationalen Truppe sein, die im Falle eines Waffenstillstands zum Einsatz kommen soll. Die Ankündigung erfolgt kurz nach einem russischen Angriff mit einer Hyperschallrakete auf die Ukraine.
Großbritannien hat 200 Millionen Pfund (rund 230 Millionen Euro) zur Vorbereitung eines Einsatzes britischer Truppen in der Ukraine im Falle einer Waffenruhe bereitgestellt. Mit dem Geld sollten die britischen Streitkräfte mit neuer Ausrüstung ausgestattet werden, damit sie im Rahmen einer multinationalen Truppe für die Ukraine einsatzbereit seien, erklärte das britische Verteidigungsministerium am Freitag. Dazu gehörten die Aufrüstung von Fahrzeugen, Kommunikationssysteme und Schutz vor Drohnen.Großbritannien, Frankreich und die Ukraine hatten in dieser Woche eine Absichtserklärung unterzeichnet, die die Entsendung von Truppen auf ukrainischem Territorium nach einer Waffenruhe vorsieht. Die britischen Abgeordneten sollen über die Anzahl der Truppen, die im Falle einer Waffenruhe entsandt würden, noch debattieren und abstimmen.
Lettland will als Reaktion auf den jüngsten schweren russischen Angriffe auf die Ukraine eine außerordentliche Sitzung des UN-Sicherheitsrats beantragen. Dies kündigte Außenministerin Baiba Braze auf der Plattform X an. Russland hatte zuvor die Ukraine erneut mit massiven Schlägen aus der Luft überzogen. Dabei setzte Russland nach eigenen Angaben zum zweiten Mal seit Kriegsbeginn auch seine neue Mittelstreckenrakete Oreschnik ein.Lettland hat am 1. Januar erstmals einen befristeten Sitz als nichtständiges Mitglied im UN-Sicherheitsrat übernommen und wird für zwei Jahre im mächtigsten UN-Gremium sitzen. Das an Russland grenzende baltische EU- und Nato-Land ist ein enger Partner und Unterstützer der Ukraine, die sich seit fast vier Jahren gegen eine russische Invasion wehrt.
Die russischen Streitkräfte haben nach Angaben aus Kiew zwei Frachtschiffe im Schwarzen Meer angegriffen. Ein Schiff sei auf dem Weg zum südukrainischen Hafen Tschornomorsk gewesen, während das andere nahe des Hafens von Odessa getroffen worden sei, erklärte der ukrainische Wiederaufbauminister Oleksij Kuleba am Freitag im Onlinedienst Telegram. Bei dem Angriff sei ein syrisches Besatzungsmitglied getötet worden.„Dies ist ein weiteres Beispiel dafür, dass Russland bewusst zivile Objekte, internationale Schifffahrt und Lebensmittellogistik ins Visier nimmt“, fügte Kuleba hinzu. Das eine Schiff sei für eine Getreideladung vorgesehen gewesen, das andere sei beim Transport von Sojabohnen getroffen worden.Im Dezember war nach ukrainischen Angaben ein türkisches Schiff kurz nach dem Anlegen im ukrainischen Schwarzmeerhafen Tschornomorsk bei einem russischen Raketenangriff in Brand geraten. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte daraufhin bei einem Gespräch mit Kreml-Chef Wladimir Putin eine Waffenruhe für Energieanlagen und Häfen. Die Türkei hatte bereits zuvor Angriffe auf Schiffe im Schwarzen Meer kritisiert.
Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA verhandelt mit Russland und der Ukraine über eine begrenzte Feuerpause am AKW Saporischschja zur Reparatur einer Stromleitung. Bei Kämpfen am 2. Januar sei die letzte 330-Kilovolt-Notfallleitung beschädigt worden, teilte IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi in Wien mit.Das von russischen Truppen besetzte Kernkraftwerk im Süden der Ukraine werde derzeit nur über die 750-Kilovolt-Hauptleitung versorgt. Nötig sei eine Kampfpause etwa zehn Kilometer vom Werk entfernt, damit ukrainische Techniker die Leitung reparieren könnten, sagte Grossi. Die IAEA habe in den vergangenen Monaten schon drei Mal solche Feuerpausen ausgehandelt.Die sechs Reaktoren des größten Atomkraftwerks in Europa sind abgeschaltet, sie müssen aber weiter gekühlt werden. In der Nähe des Werks hätten IAEA-Beobachter in den vergangenen Wochen verstärkte Kämpfe wahrgenommen, teilte Grossi mit. Der langjährige Chef der UN-Behörde strebt die Nachfolge von António Guterres als Generalsekretär der Vereinten Nationen an.