FAZ 24.02.2026
12:58 Uhr

Krieg in der Ukraine: Großbritannien kündigt bisher größtes Sanktionspaket gegen Russland an


London: Zielen auf Öleinnahmen, mehr als 3.000 neue Listungen +++ EU-Spitzen am vierten Jahrestag der Vollinvasion in Kiew +++ Medien: Mehr als 200.000 getötete russische Soldaten +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Krieg in der Ukraine: Großbritannien kündigt bisher größtes Sanktionspaket gegen Russland an

Wie die Ukraine Russland zu einem Friedensschluss bewegen willDie Ukraine hat einen Drei-Punkte-Plan vorgelegt, wie sie Russland auf dem Schlachtfeld weiter unter Druck setzen will. „Jeden Tag denken alle Ukrainer über eine Sache nach: Wann der Krieg enden wird. Wir wollen Frieden mehr als jeder andere auf der Welt\", sagte Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow am Dienstag. Deshalb habe der Präsident sein Ministerium gebeten, neben der Diplomatie die Verteidigung so zu stärken, \"dass der Feind zum Frieden gezwungen wird\", sagte er.Im ersten Punkt \"Den Himmel schließen\" geht es um eine bessere Flugabwehr. Die Ukraine verfolge das Ziel, alle Bedrohungen aus der Luft in Echtzeit zu identifizieren und mindestens 95 Prozent der Raketen und Drohnen abzufangen, erläuterte Fedorow. Derzeit werde ein mehrschichtiges, kompaktes Luftverteidigungssystem entwickelt und die Zahl der Abfangdrohnen erhöht.Das zweite Ziel heißt: \"Den Feind an Land, zur See und im Cyberspace stoppen\". Für jeden Quadratkilometer, den Moskau erobern wolle, müsse die Ukraine mindestens 200 russische Soldaten töten. \"Das ist das Ausmaß an Verlusten, bei dem ein weiteres Vorrücken unmöglich wird\", sagte Fedorow. Zugleich würden die Kommandostrukturen in der Armee reformiert, die militärische Ausbildung und das Beschaffungswesen verbessert. Außerdem würden die Streitkräfte technologisch besser ausgerüstet.Das dritte Ziel sei, Russland die wirtschaftlichen Ressourcen für den Krieg zu entziehen. Man müsse Russlands Einnahmen aus dem Ölhandel senken, sagte Federow. Er forderte neue Sanktionen des Westens gegen Russland. Um diese Ziele zu erreichen, brauche es internationale Partnerschaften, die technologische Überlegenheit gegenüber Russland.

Kreml: Nicht alle Kiegsziele in der Ukraine erreichtDer Kreml hat eingeräumt, dass auch nach vier Jahren Angriffskrieg gegen die Ukraine die anfänglich gesteckten Aufgaben bisher nicht umgesetzt wurden. „Vollkommen, ja, sind die Ziele bisher nicht erreicht, deshalb geht die militärische Spezialoperation weiter“, sagte Sprecher Dmitrij Peskow russischen Staatsagenturen zufolge. Moskau nennt den Krieg gegen die Ukraine offiziell militärische Spezialoperation.Zugleich sagte Peskow, dass Russland bereit sei, eine diplomatische Lösung bei den Verhandlungen mit der Ukraine zu finden. Es hänge alles von den Handlungen Kiews ab. Russland habe seine Bedingungen auf den Tisch gelegt, sie seien hinreichend bekannt, sagte Peskow. Dazu gehören etwa Ansprüche auf Gebiete im Osten der Ukraine, die Moskaus Truppen noch nicht einmal erobert haben.Zum vierten Jahrestag des Kriegsbeginns sagte Peskow, dass aus dem Konflikt mit der Ukraine für Russland inzwischen eine Konfrontation mit dem Westen geworden sei. Der Westen verfolge das „Ziel einer Zerstörung“ Russlands, behauptete er. Moskau wirft dem Westen seit langem vor, er wolle mit seinen Waffenlieferungen an die Ukraine und seinen Sanktionen Russland eine strategische Niederlage zufügen.

Vier Jahre vollumfänglicher russischer Angriffskrieg sind vier Jahre Zerstörung. Und Millionen Tote, Verletzte und Vertriebene. Doch die Ukrainer verlieren nicht den Mut. Eine deutliche Mehrheit will den Krieg ertragen, solange es eben nötig ist. In unserer Bilderstrecke zeigen wir Ihnen Aufnahmen aus den vergangenen Jahren, die tragische Momente, aber auch Augenblicke der Erleichterung und Freude zeigen. 

Grüne fordern mehr Ukraine-Unterstützung, Kritik am Eigenlob der KoalitionDie Grünen haben im Bundestag beantragt, die Unterstützung der Ukraine massiv auszuweiten und russische Aktivitäten konsequenter zu unterbinden. Die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Agnieszka Brugger sagte der F.A.Z.: „Irgendwann muss man nach dem letzten Jahr doch zum offensichtlichen Schluss kommen, dass Europa aus seiner passiven und reaktiven Rolle rausmuss.“ Das gehe nicht mit dem „too little, too late der letzten Jahre, sondern indem man mit Wucht den Druck auf Putin erhöht“.  Es reiche nicht, dem „Verhandlungsschauspiel zuzuschauen“. Die Worte von Mitleid und Bewunderung klängen schal, besonders „das Eigenlob, das auch immer wieder aus Regierung und Koalition zu hören ist\", sagte Brugger.  „Denn wenn es nicht genug ist, ist es nicht genug.“ Die Grünen fordern mit ihrem Entschließungsantrag, es müsse das Ziel sein, „dass die Ukraine ihre volle territoriale Integrität und Souveränität wiedererlangen“ könne. Die enge Anbindung der Ukraine an die EU solle beschleunigt werden, „etwa im Rahmen einer Energie- und Verteidigungsunion“. Deutschland solle, so der Antrag, „die Einrichtung des Sondertribunals für das Verbrechen der Aggression gegen die Ukraine umfassend vorantreiben“. Die Sanktionen gegen Russland müssten erheblich verschärft werden, „unter anderem durch ein vollständiges Importverbot für sämtliche Arten von Öl, Gas und Kernbrennstoffen sowie für Agrarprodukte, Holz und Düngemittel“. Der russischen Schattenflotte müsste härter begegnet werden. Die Ukraine solle, Stichwort „Taurus“, die Fähigkeit bekommen, „zur Zerstörung von tief auf russischem Gebiet befindlichen Kommandoposten, Abschussvorrichtungen, Militärflugplätzen, Munitionsdepots, Treibstofflagern und militärischen Produktionsstätten“. Zudem seien „im Licht der transnationalen Repression gegen deutsche NGOs, TV-Sender, Stiftungen und Wissenschaftsinstitutionen die deutsch-russischen Kulturabkommen vorerst zu kündigen und das Russische Haus in Berlin zu schließen“, so die grüne Bundestagsfraktion.

Von der Slowakei fließt weiter Strom in die UkraineDer vom slowakischen Ministerpräsidenten Robert Fico angekündigte Stopp der Notstromlieferungen hat bisher keine realen Auswirkungen auf die Stromlieferungen von der Slowakei in die Ukraine. Die kommerziellen Lieferungen liefen weiter, teilte der ukrainische Netzbetreiber Ukrenergo am Montagabend mit.Die Ukraine bezog nach Angaben der slowakischen Zeitung „Sme“ im vergangenen Jahr 2,9 Terrawattstunden Strom aus dem Netz der Slowakei. Dabei handelte es sich überwiegend um Strom, der in der Tschechischen Republik und in Polen erzeugt wurde. Über diesen Transitstrom kann der slowakische Staat nicht frei verfügen.Der von Fico angekündigte Stopp betrifft ausschließlich Notfalllieferungen, welche die Ukraine bei Engpässen in ihrem Netz bei der Regierung in Bratislava beantragt. Das letzte Mal richtete Kiew eine entsprechende Anfrage im Januar an das Nachbarland.  Am Mittwoch soll der ukrainische Transit russischen Öls durch die von russischen Angriffen beschädigte Druschba-Pipeline wieder aufgenommen werden. In der Frage der Stromlieferungen ist daher mit baldiger Entspannung zu rechnen.

Zum Jahrestag sind nicht nur die EU-Spitzen nach Kiew gereist, sondern auch mehrere Staats- und Regierungschefs aus den nordischen und baltischen Staaten, unter anderem die dänische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen (3. v. l.). Zusammen nahmen sie am Vormittag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj an einer Gedenkfeier für gefallene Soldaten auf dem Maidan-Platz in Kiew teil.

Rutte: Ukraine benötigt wirksame SicherheitsgarantienNATO-Generalsekretär Mark Rutte hat zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine wirksame Sicherheitsgarantien für einen dauerhaften Frieden gefordert. „Wenn die Kämpfe endlich aufhören, muss der Frieden Bestand haben“, sagte Rutte im Hauptquartier der Allianz in Brüssel. Dafür brauche es starke ukrainische Streitkräfte und Sicherheitsgarantien von Europa, Kanada und den Vereinigten Staaten, fügte der Niederländer hinzu. Rutte lobte den Mut der ukrainischen Bevölkerung und Soldaten. „Die Ukraine ist eine Nation stiller Helden.“ Es sei unerlässlich, dass die Ukraine weiterhin die militärische, finanzielle und humanitäre Hilfe erhalte, die sie benötige. Die Ukraine brauche mehr Unterstützung. „Denn ein Versprechen von Hilfe beendet keinen Krieg.“ 

Selenskyj fordert konkretes Datum für EU-Beitritt der UkraineWährend die EU-Spitzen in Brüssel sind, hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj per Video zum Europäischen Parlament gesprochen. In seiner Rede forderte er abermals ein konkretes Datum für einen EU-Beitritt seines Landes. Ohne eine verbindliche Zusage werde Russlands Präsident Wladimir Putin einen Beitritt der Ukraine „auf Jahrzehnte blockieren, indem er Europa spaltet“, sagte Wolodymyr Selenskyj am Dienstag in einer Videoansprache vor dem Europaparlament. Ein konkretes Datum sei deshalb „sehr wichtig“ für die diplomatischen Bemühungen um ein Ende des Kriegs.Selenskyj rief die Europäer auf, geplante Hilfen für die Ukraine und neue Sanktionen rasch zu beschließen. „Es darf in der freien Welt keinen Platz geben für russisches Öl, russische Tanker, russische Banken“, sagte er vor dem Europaparlament. Ungarn blockiert derzeit das 20. EU-Sanktionspaket gegen Russland sowie ein Darlehen für die Ukraine in Höhe von 90 Milliarden Euro.Die EU müsse für die Unterstützung der Ukraine mit den USA zusammenarbeiten, betonte Selenskyj. Es sei „keine einfache Aufgabe, unter den aktuellen Bedingungen die transatlantische Zusammenarbeit zu erhalten“, sagte er. Sanktionen und Hilfen seien nur wirksam, wenn die USA an Bord seien.

Medien: Mehr als 200.000 getötete russische Soldaten Die Zahl der getöteten russischen Soldaten in der Ukraine ist Medienrecherchen zufolge auf mehr als 200.000 gestiegen. Wie der russischsprachige Dienst der BBC und das exilrussische Medium Mediasona meldeten, ist es ihnen gelungen, die Namen von 200.186 russischen Soldaten zu ermitteln, die im Krieg ums Leben gekommen sind. Die Journalisten durchsuchen dafür Datenbanken und andere öffentliche Quellen wie etwa Todesanzeigen. Dabei ist die Zahl im vergangenen Monat um 35.000 Personen gestiegen.„Mit hoher Sicherheit“ kann demnach gesagt werden, dass das Jahr 2025 das blutigste für die russische Armee war. BBC und Mediasona haben die Namen von 49.935 russischen Soldaten bestätigt, die im vergangenen Jahr ums Leben gekommen sind. Laut Mediasona kommt ein Großteil der Toten aus Kleinstädten. „Eine detaillierte Analyse unserer Daten zeigt, dass Verträge am häufigsten von Einwohnern kleiner Städte und Dörfer unterzeichnet werden, wo es an stabilen und gut bezahlten Arbeitsplätzen mangelt und die Werbung der lokalen Behörden möglicherweise aggressiver ist als in Großstädten. Bei der Verteilung der Todesfälle nach Regionen lässt sich meist ein Muster erkennen: Je höher die Armutsquote, desto höher in der Regel auch die Verlustquote“, schreibt die BBC.Ein Demograph (der anonym bleiben möchte) hat die Daten von BBC und Mediasona analysiert und festgestellt, dass die Liste der Regionen mit hohen Verlusten weitgehend mit der Liste der Regionen mit niedriger Lebenserwartung übereinstimmt. „Mit anderen Worten: Menschen aus Gebieten, in denen die Wahrscheinlichkeit, eines gewaltsamen Todes zu sterben, von vornherein hoch ist, gehen eher in den Krieg. Nach Einschätzung des Experten ist es weniger die Armut als vielmehr die Perspektivlosigkeit und das Gefühl, ohnehin nichts zu verlieren zu haben, die die Menschen dazu bewegen, jetzt einen Vertrag zu unterschreiben“, heißt es in dem Artikel.

Selenskyj: „Es ist heute genau vier Jahre her, dass Putin Kiew in drei Tagen einnehmen wollte“Zum Jahrestag des russischen Angriffs auf sein Land schaut der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einem Video auf vier Jahre Krieg zurück. „Wenn wir uns an den Beginn der Invasion erinnern und auf den heutigen Tag blicken, haben wir das uneingeschränkte Recht zu sagen: Wir haben unsere Unabhängigkeit verteidigt, wir haben unsere Staatlichkeit nicht verloren“, sagt Selenskyj darin. „Die Ukraine existiert, und zwar nicht nur auf der Landkarte.“„Heute ist es genau vier Jahre her, dass Putin Kiew in drei Tagen einnehmen wollte.“ Das sage viel über den Widerstand des Landes aus und darüber, wie die Ukraine all diese Zeit gekämpft habe. „Unsere Leute haben nicht die weiße Flagge gehisst, sondern die blau-gelbe verteidigt“, lobte der Präsident. Der russische Präsident Wladimir Putin verstehe, dass er die Ukraine auf dem Schlachtfeld nicht besiegen könne. 

Die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Polen betonen in einem Gastbeitrag für die F.A.Z. ihren Willen, die Ukraine weiter zu unterstützen. Dieser sei unerschütterlich. Den gesamten Beitrag lesen Sie hier:  

Merz: „Krieg ist zurück in Europa\"Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat zum vierten Jahrestag des russischen Angriffs auf die Ukraine erneut den Zusammenhalt der Europäer beschworen. „Seit vier Jahren ist jeder Tag und jede Nacht für die Ukrainerinnen und Ukrainer ein Albtraum. Und nicht nur für sie, sondern für uns alle. Denn der Krieg ist zurück in Europa“, schrieb Merz auf der Plattform X. „Nur mit gemeinsamer Stärke werden wir ihn beenden. Denn das Schicksal der Ukraine ist unser Schicksal.“

Von der Leyen: Deutliche Botschaft an den Aggressor sendenZum zehnten Mal schon ist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen seit der russischen Großinvasion in die Ukraine nach Kiew gekommen. Sie sei in der ukrainischen Hauptstadt, um „unseren anhaltenden Einsatz für den gerechten Kampf der Ukraine zu unterstreichen“, schrieb sie am Dienstagmorgen auf der Plattform X. Sie wolle „dem ukrainischen Volk wie dem Aggressor“ eine „deutliche Botschaft“ senden: „Wir werden nicht nachgeben, bis der Frieden wiederhergestellt ist. Frieden zu den Bedingungen der Ukraine.“

Vierter Jahrestag des russischen Überfalls: EU-Führung in der Ukraine angekommenZum vierten Jahrestag der russischen Invasion in die Ukraine sind EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Ratspräsident António Costa zu einem Solidaritätsbesuch nach Kiew gereist. Die beiden EU-Spitzen wollen mit mehreren europäischen Staats- und Regierungschefs an einer Gedenkzeremonie teilnehmen und ihre Unterstützung für die Ukraine bekunden. Zudem ist geplant, dass sie sich vor Ort ein Bild von der Zerstörung ukrainischer Energieinfrastruktur durch russische Raketenangriffe machen. Allerdings kommen die EU-Spitzen mit leeren Händen nach Kiew, da sich zwei östliche EU-Mitgliedstaaten gegen die benachbarte Ukraine stellen.