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26.01.2026
11:20 Uhr
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Vollständiger Importstopp ab spätestens Ende 2027 +++ Kritik an Schröder-Gastbeitrag zu Russland +++ Kreml-Sprecher Peskow: Gebietsfrage bleibt zentraler Punkt der Verhandlungen +++ alle Neuigkeiten im Liveblog

Außenminister Johann Wadephul (CDU) hat nach den Ukraine-Gesprächen zwischen Vertretern der Ukraine, Russlands und der USA in Abu Dhabi eine fehlende Kompromissbereitschaft Russlands angeprangert. Nach den Verhandlungen am Wochenende habe er hauptsächlich „ein stures Beharren Russlands in der entscheidenden territorialen Frage“ vernommen, sagte Wadephul bei einem Besuch in der lettischen Hauptstadt Riga. Die Voraussetzung für einen belastbaren Friedensschluss zwischen der Ukraine und Russland sei, „dass Russland überhaupt eine Bereitschaft zum Friedensschluss“ zeige, sagte der Außenminister bei einer Pressekonferenz. Wenn von Seiten Russlands „keine Beweglichkeit vorhanden ist, habe ich die Befürchtung, dass die Verhandlungen noch lange dauern können“, fügte er hinzu. „Deswegen müssen wir in Europa uns jetzt darauf einstellen, dass wir weiter gefordert sind, die Ukraine zu unterstützen.“ Das Treffen in Abu Dhabi am Freitag und Samstag war das erste, bei denen Vertreter Moskaus und Kiews direkt miteinander über einen US-Friedensplan zur Beendigung des russischen Angriffskriegs verhandelten. Nach Angaben eines US-Vertreters sollen die Gespräche am kommenden Sonntag in Abu Dhabi fortgesetzt werden.
Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben in der Nacht die Ölraffinerie Slawjansk Eko in der südrussischen Region Krasnodar angegriffen. Kampfdrohnen hätten das Gelände der Anlage getroffen, teilte die Armee über den Kurznachrichtendienst Telegram mit. Im Zielgebiet seien Explosionen zu hören gewesen. Ersten Informationen zufolge seien Teile einer Ölverarbeitungsanlage getroffen worden.
Zum Schutz kritischer Unterwasser-Infrastruktur richtet der finnische Grenzschutz gemeinsam mit anderen Ostsee-Anrainern und der EU-Kommission ein maritimes Überwachungszentrum ein. Dieses Zentrum solle im Finnischen Meerbusen entstehen, teilte die Behörde am Montag mit. Die zuständigen Stellen müssten in der Lage und befugt sein, in den Hoheitsgewässern und der ausschließlichen Wirtschaftszone einzugreifen.Der Ostseeraum ist seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 in erhöhter Alarmbereitschaft. Hintergrund sind mehrere Vorfälle, bei denen Stromkabel, Telekommunikationsverbindungen und Gaspipelines beschädigt wurden. Die NATO hat ihre Präsenz in der Ostsee inzwischen mit Fregatten, Flugzeugen und Drohnen verstärkt.
Die EU hat ein Importverbot für russisches Gas ab 2027 beschlossen. Die Europaminister der 27 Mitgliedstaaten gaben am Montag in Brüssel final grünes Licht für den Plan, nach dem spätestens zum 1. November 2027 kein Gas mehr aus Russland in die EU eingeführt werden darf. Die Umweltorganisation Greenpeace forderte unterdessen den vollständigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Der Zeitplan der EU sieht vor, in einem ersten Schritt den Abschluss neuer Gas-Verträge mit Russland zu verbieten. Das Verbot greift sechs Wochen nach Inkrafttreten des vereinbarten Gesetzes, voraussichtlich also im Frühjahr.Rund ein Drittel ihrer russischen Importe beziehen europäische Abnehmer aus kurzfristigen Verträgen, die einfacher kündbar sind. Diese Lieferungen sollen dem Gesetzentwurf zufolge ebenfalls 2026 enden: zum 25. April für LNG und zum 17. Juni für Pipeline-Gas.
Estlands Außenminister Margus Tsahkna hat die jüngsten Äußerungen des früheren Bundeskanzlers Gerhard Schröder und Warnungen vor einer „Dämonisierung“ Russlands scharf kritisiert. Aufrufe, ein Land, das den brutalsten Krieg in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg führt, nicht zu dämonisieren, seien „schlichtweg entsetzlich“, schrieb Tsahkna auf der Plattform X. Gleiches gelte für die Andeutungen auf eine erneute Zusammenarbeit im Energiebereich mit Russland.Schröder hatte zuvor Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine in einem Gastbeitrag für die „Berliner Zeitung“ als völkerrechtswidrig bezeichnet, aber zugleich nachgeschoben: „Ich bin aber auch gegen die Dämonisierung Russlands als ewiger Feind.“ Auch plädierte der SPD-Politiker, der seit Jahren wegen seiner langjährigen Freundschaft zum russischen Präsidenten Wladimir Putin und Tätigkeiten für russische Öl- und Gaskonzerne in der Kritik steht, für die Wiederaufnahme von Energielieferungen aus dem Land.In einer weiteren Mitteilung seines Ministeriums bezeichnete Tshakna die Äußerungen Schröders als „heimtückischen Versuch“, Europa zu spalten. Damit solle es vom aktuellen Kurs des Drucks auf Russland abgebracht und zu alten Fehlern zurückgeführt werden. „Russlands umfassende Aggression gegen die Ukraine ist die direkte Folge jahrelanger Beschwichtigungspolitik und jahrzehntelanger Überzeugung, Handel könne Aggressionen eindämmen“, schrieb der estnische Außenminister. „Wandel durch Handel ist gescheitert“. Es gebe kein Zurück.
Lettlands Verfassungsschutz warnt vor einer immer stärkeren Bedrohung durch Russland. Die von Russland ausgehenden Sicherheitsrisiken nähmen in Europa deutlich zu, schreibt die Behörde in ihrem Jahresbericht für 2025. Zugleich stelle Russland derzeit keine direkte militärische Bedrohung für das baltische EU- und Nato-Land dar. Einige Anzeichen wie die russischen Narrative und Propaganda über Lettland deuteten aber auf mögliche langfristige Pläne hin, heißt es weiter. Nach Einschätzung des lettischen Verfassungsschutzes hat sich Moskaus Wahrnehmung des Westens als existenzielle Bedrohung verschärft. Russland sehe sich bereits in einer direkten Konfrontation mit dem Westen - nicht nur in der Ukraine, sondern auch global und ideologisch. Diese Wahrnehmung erhöhe das Risiko von Fehlkalkulationen und bedeute eine deutliche Zunahme der Sicherheitsrisiken für Europa, heißt es im Bericht.Russland hat 2025 nach Angaben des Geheimdienstes nicht nur seine gegen den Westen gerichteten Aktivitäten fortgesetzt und Sabotageakte und Desinformationskampagnen durchgeführt. Auch habe es den Willen und die Bereitschaft gezeigt, Cyberangriffe auf industrielle Steuerungssysteme in Lettland und westlichen Ländern durchzuführen. Dies ziele darauf ab, Unsicherheit und Misstrauen in der Bevölkerung erzeugen und die Einheit des Westens bei der Unterstützung der Ukraine zu untergraben.
Selenskyj wird in dieser Welt keine besseren Freunde mehr finden
Russland hat die Gebietsfrage als zentralen Punkt bei den Friedensgesprächen mit der Ukraine und den USA bezeichnet. Das Thema sei für Russland von grundlegender Bedeutung, sagt Präsidialamtssprecher Dmitri Peskow laut der staatlichen Nachrichtenagentur RIA. Zugleich bewertete er demnach den bisherigen Verlauf der Verhandlungen positiv und sprach von „konstruktiven Gesprächen“. Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte die Gespräche in Abu Dhabi am Freitag und Samstag als konstruktiv bezeichnet und ein baldiges Folgetreffen in Aussicht gestellt. Ein Hauptstreitpunkt ist der russische Anspruch auf Gebiete in der Ostukraine.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja haben sich in der litauischen Hauptstadt Vilnius getroffen. Selenskyj habe sie bei dem Treffen zu einem Besuch nach Kiew eingeladen, schrieb die im Exil lebende Tichanowskaja bei Telegram. Ihren Angaben nach war es das erste bilaterale Treffen der beiden. Tichanowskaja dankte dem ukrainischen Präsidenten für die Aufnahme freigelassener politischer Häftlinge aus Belarus. Selenskyj schrieb zunächst nichts über das Treffen in sozialen Medien.
Der Kreml hat vor dem Hintergrund der Suche nach einer diplomatischen Lösung des Ukraine-Kriegs die politische Führung der EU als inkompetent kritisiert und Verhandlungen mit der EU-Außenbeauftragten Kaja Kallas ausgeschlossen. Der EU-Führung fehle es an vorausschauenden Visionären, beklagte Kremlsprecher Dmitri Peskow im russischen Staatsfernsehen. „Das sind irgendwelche ungebildeten inkompetenten Funktionäre, die nicht in Zukunft schauen und das heute existierende Koordinatensystem verstehen können.“ Darunter leide das gesamte System der internationalen Beziehungen, sagte er.So habe sich die EU von einer ausgedachten Abhängigkeit von russischem Öl und Gas nun in die Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten begeben, argumentierte er. Bei dem Rundumschlag gegen die EU-Funktionäre musste insbesondere die aus Estland stammende Außenbeauftragte Kallas Kritik einstecken. „Mit ihr werden wir nie auch nur irgendetwas besprechen, auch die Amerikaner werden das nicht tun“, behauptete Peskow. Moskau werde einfach abwarten, bis sie ihren Posten räume.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Verbündeten seines Landes aufgefordert, weitere Munition für die Luftverteidigung bereitzustellen. Es würden „jeden Tag Raketen für Luftverteidigungssysteme benötigt“, sagte Selenskyj am Sonntag bei seiner Ankunft in der litauischen Hauptstadt Vilnius. Die Ukraine arbeite weiterhin mit den USA und Europa zusammen, „um einen besseren Schutz unseres Luftraums zu gewährleisten“.„Allein in dieser Woche haben die Russen mehr als 1700 Angriffsdrohnen, mehr als 1380 Lenkbomben und 69 Raketen verschiedener Typen abgefeuert“, sagte Selenskyj. Der ukrainische Präsident nimmt in Litauen an den Gedenkfeierlichkeiten zum Aufstand von 1863 teil, der sich gegen das russische Kaiserreich richtete.Russland greift die Kraftwerke und das Stromnetz der Ukraine in seinem seit fast vier Jahren andauernden Angriffskrieg fast ununterbrochen an. In der Folge sind aktuell hunderttausende Ukrainer mitten im Winter ohne Strom und Heizung. In der vergangenen Woche hatte Selenskyj deshalb den Notstand für den Energiesektor erklärt.In der ukrainischen Hauptstadt Kiew, dem Hauptziel russischer Angriffe, ist die Lage besonders schwierig. Etwa eine halbe Million Einwohner haben die Stadt bislang verlassen. Nach den russischen Angriffen vom Samstag seien 1676 Hochhäuser ohne Heizung, erklärte Kiews Bürgermeister Vitali Klitschko. Teams arbeiten rund um die Uhr daran, die Heizung und die Stromversorgung wiederherzustellen, doch die Kälte und weitere Luftangriffe behindern die Bemühungen.
Trotz der Verhandlungen über ein Ende des Kriegs in der Ukraine hat Russland das Land abermals mit Drohnen und Raketen beschossen. Zum Einsatz gekommen seien 102 Kampfdrohnen und zwei Iskander-Raketen, teilte die ukrainische Luftwaffe mit. 87 Drohnen wurden demnach abgewehrt, es gab aber auch Einschläge an zehn unterschiedlichen Orten.Unterdessen bleibt die Lage in der Hauptstadt Kiew infolge vorangegangener russischer Attacken schwierig. Zwar sei der größte Teil der am Samstag in 6.000 Wohnblocks ausgefallenen Heizungen wieder an das Wärmenetz angeschlossen worden, doch 1.676 Wohnblocks seien immer noch ohne Wärmeversorgung, teilte Bürgermeister Vitali Klitschko mit. In der Nacht lagen die Temperaturen in Kiew im zweistelligen Frostbereich.Auf der Gegenseite meldete auch Russland ukrainischen Beschuss. 52 Drohnen sind nach Angaben des Verteidigungsministeriums in Moskau abgewehrt worden. Der Gouverneur von Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, teilte mit, dass durch Raketenbeschuss in der Nacht Energieobjekte beschädigt worden seien. Zu den Folgen machte er keine Angaben. Die Region kämpft seit Wochen mit Problemen bei der Energieversorgung.
Die westrussische Großstadt Belgorod nahe der Grenze zur Ukraine ist nach Behördenangaben von einem schweren Raketenangriff getroffen worden. „Unseren Informationen nach war es der massivste Raketenbeschuss Belgorods (seit Kriegsbeginn)“, schrieb der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, bei Telegram. Demnach wurden Energieanlagen getroffen. Tote und Verletzte habe es ersten Informationen nach aber nicht gegeben, fügte er hinzu.
Die Dreiergespräche zwischen der Ukraine, Russland und den USA zur Beendigung des Ukrainekrieges sollen nach US-Angaben am 01. Februar fortgesetzt werden. „Wir haben uns darauf verständig, dass die nächste Runde am nächsten Sonntag wieder in Abu Dhabi beginnt“, sagte ein US-Regierungsvertreter am Samstag zu Journalisten. Die Einigung auf weitere Gespräche sei ein „gutes Zeichen“.Bei den jetzigen Gesprächen vom Freitag und Samstag sei bereits „viel Arbeit“ erledigt worden, sagte der US-Vertreter weiter. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor von „konstruktiven“ Gespräche gesprochen und erklärt, „möglicherweise“ würden kommende Woche weitere Treffen stattfinden.