FAZ 22.11.2025
19:01 Uhr

Krieg in Nahost: Weitere Tote bei gewaltsamen Vorfällen in Gaza


Krieg in Nahost 2024: Aktuelle News & Nachrichten zum Israel-Krieg ► Lesen Sie die neuesten Berichte & Meldungen im Liveblog der FAZ

Krieg in Nahost: Weitere Tote bei gewaltsamen Vorfällen in Gaza

Die israelische Armee hat nach eigenen Angaben erneut Stellungen der proiranischen Hizbullah-Miliz im Libanon angegriffen. Nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA wurde bei zwei verschiedenen Angriffen jeweils ein Mensch getötet. Ziel seien Raketenabschussrampen und Militärgelände in der Bekaa-Ebene im Osten des Landes sowie im Süden gewesen, hieß es in der Mitteilung der Armee. „Die Präsenz der Abschussvorrichtungen und die militärische Aktivität an diesen Standorten stellen eine Verletzung der Vereinbarungen zwischen Israel und dem Libanon dar“, lautete es weiter in der Stellungnahme. 

US-Präsident Donald Trump hat 17 ehemalige Geisel der Terrororganisation Hamas im Weißen Haus empfangen. Am Donnerstag reisten sie nach Washington, um dort unter anderem Trump und seinen Schwiegersohn Jared Kushner zu treffen. „Der Kampf ist noch nicht vorbei. Wir sind hier in Washington, D.C., um unser eigenes Kapitel abzuschließen, aber es gibt Familien, die immer noch unter dem Schmerz leiden, den unsere Familien ertragen mussten. Das wird erst vorbei sein, wenn alle nach Hause kommen“, hieß es unter einem Video der Gruppe, das der Account „Bringhomenow“ auf Instagram teilte. In einer Rede lobte Trump die ehemaligen Geisel. Unter anderem sagte er über den IDF-Soldaten Matan Angrest, er sei ein „lebendiges Zeugnis für die Widerstandsfähigkeit des jüdischen Volkes“ und eine Inspiration. 

Die israelische Friedensorganisation Peace Now hat die Bildung einer neuen jüdischen Siedlung im Westjordanland kritisiert. Ziel der Gründung sei es, die Entwicklung der palästinensischen Stadt Beit Sahur zu behindern, kritisierte Peace Now am Donnerstag. Die „Dreistigkeit der Siedler bei der Gründung von Siedlungen und dem Schaffen von Tatsachen vor Ort kennt keine Grenzen“, erklärte die Friedensgruppe. Dabei würden staatliche Mittel genutzt, um „Israels Aussicht auf Frieden und eine Zweistaatenlösung zu untergraben“.Der Rat der Region Gusch Etzion im Süden des israelisch besetzten Westjordanlands hatte am Morgen die Gründung einer neuen Siedlung in Schdema bei Bethlehem verkündet. Laut dem Regionalrat wurden dort drei Wohncontainer aufgestellt, die am Wochenende von Siedlerfamilien bezogen werden sollen.In der Region Gusch Etzion hatte es in jüngster Zeit mehrere Fälle von Gewalt zwischen Siedlern und palästinensischen Einwohnern gegeben. 

Israelische Menschenrechtsgruppen verlangen für Patienten aus dem Gazastreifen, die lebensrettende Behandlungen benötigen, unverzügliche Verlegungen in Kliniken in Ostjerusalem und im besetzten Westjordanland. Eine entsprechende Petition reichten fünf Organisationen am Donnerstag beim obersten israelischen Gericht ein. Das Gesundheitssystem in Gaza sei zusammengebrochen, rund 16.500 Menschen seien durch die Versorgungslücke in Lebensgefahr. Es gehe um die \"grundlegende Verpflichtung, Menschenleben zu retten\".Die israelischen Menschenrechtsaktivisten werfen dem Staat vor, mit seiner Handhabung der Grenzkontrollen am Gazastreifen den Zugang zu lebenswichtigen Behandlungen zu blockieren. Insbesondere seit der Schließung des Übergangs Rafah nach Ägypten im Mai 2024 sei die Verlegung von Patienten in Drittländer „fast unmöglich\" geworden. Israel ist nach nationalem wie internationalem Recht verpflichtet, Zugang zu medizinischer Versorgung zu gewährleisten. 

Das Lenkungsgremium der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) fordert von Teheran, weitreichende Kontrollen des iranischen Atomprogramms zu erlauben. Der Gouverneursrat der IAEA stimmte in Wien für eine entsprechende Resolution, die von Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten initiiert worden war.Im Juni hatten Israel und die USA wichtige iranische Atomanlagen angegriffen, um der Islamischen Republik die Möglichkeit zu nehmen, Nuklearwaffen zu entwickeln. Teheran bestreitet, solche Ziele zu verfolgen.Bereits vor den Attacken hatte Teheran die Kontrollmöglichkeiten der IAEA stark eingeschränkt. In den vergangenen Monaten durften IAEA-Inspektoren nur mehr unbeschädigte Anlagen besichtigen, aber nicht die zerstörten Anreicherungsstätten, in denen Uran mit einem beinahe atomwaffentauglichen Reinheitsgrad hergestellt worden war.Der Gouverneursrat forderte nun unverzüglichen Zugang zu den restlichen Atomanlagen und dem Uran. Außerdem müsse der Iran das sogenannte Zusatzprotokoll zu seinem Inspektionsabkommen mit der IAEA umsetzen, hieß es. Damit könnte die Atomenergiebehörde unter anderem Anlagen ohne lange Vorwarnung besuchen und auch außerhalb der bekannten Nuklear-Standorte nach Spuren von geheimen Aktivitäten suchen.

Bei neuerlichen israelischen Angriffen im Gazastreifen sind nach Angaben des Nasser-Krankenhauses in Khan Yunis im Süden des Palästinensergebiets vier Menschen getötet worden. Drei Menschen, darunter ein einjähriges Mädchen, seien bei einem Angriff auf ein Haus östlich von  Khan Yunis getötet worden, teilte das Krankenhaus mit. Ein weiteres Todesopfer habe es bei einem Angriff in dem Dorf Abasan al-Kabira gegeben.Weitere 18 Menschen wurden nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Zivilschutzes bei israelischen Angriffen verletzt. Aus dem von der Hamas kontrollierten Innenministerium im Gazastreifen hieß es, im Gebiet um Khan Yunis halte der Artilleriebeschuss an.Die israelische Armee bestätigte die Angriffe im Gazastreifen. Ein Angriff sei erfolgt, „um Terrorinfrastrukturen zu zerstören\", hieß es. „Wir wissen nichts von den berichteten Todesfällen\", fügte die Armee hinzu.

Die EU richtet am Donnerstag eine Geberkonferenz für die palästinensischen Gebiete aus. Bei dem Treffen von rund 60 Delegationen, unter anderem arabischer Staaten, soll es unter anderem um die finanzielle Stabilität der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), deren Fortschritte bei ihren Reformplänen und die jüngsten Entwicklungen im Gazastreifen gehen. Für Deutschland wird Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan (SPD) teilnehmen.Brüssel ist Hauptfinanzier der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die EU knüpft jedoch künftige Auszahlungen an Reformen, die sie für notwendig hält, damit diese Behörde ihre Rolle im Rahmen der Zweistaatenlösung ausfüllen kann. Zusagen für neue Finanzhilfen für den Gazastreifen werden bei der Konferenz nicht erwartet. Zu diesem Zweck soll es eine internationale Wiederaufbaukonferenz in Ägypten geben.

Deutschland hat erstmals einer Mandatsverlängerung für das UN-Palästinenserhilfswerk (UNRWA) nicht zugestimmt. Bei einer Vorab-Abstimmung im zuständigen Unterausschuss der UN-Generalversammlung in New York enthielt sich der deutsche Vertreter. Außenminister Johann Wadephul (CDU) begründete dies in Berlin damit, dass die Bundesregierung zunächst „konsequente und überprüfbare Reformen innerhalb der UNRWA“ erwarte. Dies sei auch im schwarz-roten Koalitionsvertrag vereinbart. Die Resolution wurde mit 144 Stimmen dafür, 11 Stimmen dagegen und 16 Enthaltungen angenommen. Die endgültige Abstimmung über die Verlängerung des Mandats von UNRWA, das derzeit bis Mitte 2026 läuft und bis Mitte 2029 verlängert werden soll, ist für Dezember in der kompletten UN-Generalversammlung geplant. 

Trotz der geltenden Waffenruhe hat Israels Armee eigenen Angaben zufolge mit Angriffen auf Ziele der Hamas im gesamten Gazastreifen begonnen. Dies sei eine Reaktion darauf, dass mehrere Terroristen das Feuer auf ein Gebiet in der Stadt Khan Yunis eröffnet hätten, in dem israelische Soldaten im Einsatz seien. „Diese Aktion stellt einen Verstoß gegen das Waffenruheabkommen dar“, teilte das Militär mit. Israelische Soldaten seien nicht verletzt worden. Khan Yunis ist die größte Stadt im südlichen Gazastreifen. Israels Armee äußerte sich auf Anfrage zunächst nicht dazu, ob die Angriffe am Abend noch andauerten. Laut dem von der Hamas kontrollierten Zivilschutz gab es seit dem Nachmittag rund zehn Tote bei israelischen Angriffen in dem Küstengebiet. In der Stadt Gaza sei das Gebäude einer von der Hamas kontrollierten Behörde getroffen worden. Allein dabei sollen den Angaben zufolge fünf Menschen ums Leben gekommen sein. Die Angaben beider Seiten lassen sich derzeit nicht unabhängig überprüfen. Seit Beginn der Waffenruhe am 10. Oktober ist es bereits mehrfach zu gewaltsamen Zwischenfällen gekommen. 

Israel hat am Mittwoch seine Angriffe im Libanon fortgesetzt und zwei Dörfer aus der Luft angegriffen. Zuvor hatte die israelische Armee dazu aufgerufen, bestimmte Gebäude in Deir Kifa und Chehur im Süden des Landes zu verlassen und vor bevorstehenden Angriffen gewarnt. Augenzeugen berichteten von heftigen Bombardierungen in beiden Dörfern. Das israelische Militär teilte mit, es habe „mehrere Standorte der terroristischen Infrastruktur der Hisbollah“ in der Region angegriffen. Zunächst gab es keine Hinweise auf Opfer bei den Angriffen.

Namhafte Kirchenvertreter haben den Gaza-Friedensplan des UN-Sicherheitsrats kritisiert. Die Resolution enthalte einen kolonialistischen Ton und blende die Realität der israelischen Besatzung aus, heißt es in der am Mittwoch in Jerusalem verbreiteten Stellungnahme von teils hochrangigen Geistlichen christlicher Konfessionen. Unterzeichnet ist sie unter anderem vom emeritierten Lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Michel Sabbah.Die Initiative bemängelt unter anderem, die Resolution 2803 übersehe die „wahre Entstehungsgeschichte des Konflikts“ vor dem Angriff der Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023 sowie die allgemeine Situation in Palästina und Israel. Problematisch sei auch, dass das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser an Bedingungen geknüpft werde, noch dazu „von denen, die diese Selbstbestimmung seit Jahrzehnten verhindern“.Juden seien zwar „mit diesem Land verbunden und nicht einfach koloniale Siedler“, heißt es in Abgrenzung zu anderen palästinensischen Sichtweisen. Sie könnten diese Verbundenheit aber nicht exklusiv beanspruchen und hätten „nicht das Recht, andere zu enteignen und zu vertreiben, zu unterdrücken und zu besetzen, zu zerstören und Völkermord zu begehen“. An die Stelle eines „Systems aus Ethnozentrik, Diskriminierung und Besatzung“ müsse eine multikulturelle und pluralistische Gesellschaft treten.Neben Sabbah unterzeichneten auch der frühere Patriarchalvikar für die hebräischsprachigen Katholiken im Heiligen Land, David Neuhaus, der emeritierte evangelisch-lutherische Bischof und frühere Präsident des Lutherischen Weltbunds Munib Younan sowie der palästinensische griechisch-orthodoxe Erzbischof Attallah Hanna die Stellungnahme.

Berichten zufolge könnte der israelische Angriff auf ein Lager in Libanon am Dienstagabend einer Zusammenkunft von Anführern der islamistischen Hamas gegolten haben. Die Hamas teilte jedoch mit, es gebe dort gar kein Trainingslager der Palästinenserorganisation.

Bei einem Messerangriff durch zwei Palästinenser im Süden des Westjordanlandes ist ein israelischer Zivilist getötet worden. Drei weitere israelische Staatsbürger wurden verletzt, wie die israelische Armee am Dienstag mitteilte. Den Angaben zufolge wurden die bewaffneten Angreifer von Soldaten erschossen. Auch der israelische Rettungsdienst Magen David Adom meldete ein Todesopfer. Bei dem Toten handelt es sich demnach um Aaron Cohen, einen Bewohner der Siedlung Kiriat Arba nahe Hebron, wie das Rathaus bekanntgab.Der Vorfall ereignete sich den Angaben zufolge an der Kreuzung Gusch Etzion zwischen Hebron und Bethlehem im Süden des Westjordanlands. Israel hält das Palästinensergebiet seit 1967 besetzt. Israels Außenminister Gideon Saar kritisierte, dass „die Palästinensische Autonomiebehörde diesen abscheulichen Terroranschlag nicht verurteilt“ habe, welcher einen „71-jährigen Mann“ das Leben gekostet habe. 

Bei einem israelischen Angriff auf das größte Flüchtlingslager für Palästinenser in Libanon sind nach libanesischen Behördenangaben mindestens 13 Menschen getötet worden. Es habe weitere Verletzte bei dem Angriff auf Ain al-Hilwah bei der Küstenstadt Sidon gegeben, teilte das Gesundheitsministerium in Beirut mit. Quellen innerhalb des von Palästinensern bewohnten Viertels meldeten, die Opferzahl könnte weit darüber liegen. Der Angriff habe den Rand des Lagers getroffen. Ein israelischer Armeesprecher teilte auf Arabisch mit, das Militär habe „terroristische Elemente“ angegriffen, die in einem „palästinensischen Trainingslager“ operiert hätten. Ersten Berichten zufolge könnte der Angriff eine Zusammenkunft von Anführern der islamistischen Hamas getroffen haben.Ain al-Hilwah im Süden des Landes ist mit rund 80.000 Einwohnern das größte palästinensische Flüchtlingslager in Libanon. Die meisten Bewohner sind Flüchtlinge des ersten arabisch-israelischen Krieges im Jahr 1948 sowie deren Nachkommen. Andere palästinensische Bewohner wurden im libanesischen Bürgerkrieg (1975-1990) dorthin vertrieben. In den vergangenen Jahren kamen außerdem Palästinenser aus Syrien wegen des dortigen Bürgerkriegs hinzu.