Einer der größten Kreditkartenanbieter Deutschlands wird zum Februar Geschichte sein: Die Barclayscard wird nach rund 35 Jahren aus Deutschland verschwinden. Das betrifft rund 2,5 Millionen Kunden, von denen 1,5 Millionen eine Kreditkarte hatten. Die übrigen rund eine Million Kunden verteilten sich auf Ratenkredite und Tagesgeldkonten. Schon 2024 verkaufte die britische Großbank Barclays ihr Deutschland-Geschäft an die österreichische Bawag Group . Die Kunden werden nun im Februar alle in die Marke Easybank überführt, die zur Bawag gehört und in Österreich schon aktiv und bekannt ist. „Wir möchten einfaches Banking für alle ermöglichen“, sagt dazu Tobias Griess, verantwortlich für Easybank in Deutschland. Für jetzige Barclayscard-Kunden ändert sich vorerst nicht viel. Das Produktsortiment sowie die Konditionen sollen unverändert bleiben. Die vorhandenen Kreditkarten sind weiterhin nutzbar. Auch die Zugangsdaten für das Onlinebanking und die App ändern sich nicht. Lediglich das Design der App wird angepasst und erscheint künftig im hellgrünen Easybank-Look. Beim Bezahlen mit Google Pay oder Apple Pay kann es dagegen noch bis zu einem Monat dauern, bis das neue Design angezeigt wird. Schrittweiser Umtausch der Karten Von März an beginnt der schrittweise Austausch der Karten: Zunächst erhalten Kunden mit ablaufenden Karten neue Exemplare, danach folgen die übrigen Karteninhaber. Der ganze Prozess soll bis Mitte 2027 abgeschlossen werden. Mögliche Neukunden erhalten direkt das neue Kartendesign. Hinter den Kulissen läuft inzwischen die technische Migration der Systeme auf die Infrastruktur der Bawag. Diese soll dann Anfang des Jahres 2027 abgeschlossen sein. Zukünftig soll die Produktpalette ausgebaut werden, die Rede ist etwa vom Aktienhandel. „Wir wechseln nicht nur den Namen, sondern optimieren und erweitern kontinuierlich unsere Produkt- und Servicepalette und gehen noch stärker auf Kundenwünsche ein“, sagt Griess. Easybank selbst warnt vor Betrugsversuchen, die gerade in solchen Übergangsphasen häufiger vorkämen. Die Betrüger nutzen dabei gezielt das unbekannte Branding, um die Bankkunden in die Falle zu locken. Die Kunden sollten verstärkt auf verdächtige E-Mails und Nachrichten achten und keinesfalls Dateien oder persönliche Daten weitergeben, heißt es. Die Bank wird niemals nach persönlichen Daten fragen. Wer den Verdacht hat, dass seine Karte missbraucht wurde, kann sie auch direkt in der App temporär sperren. Auch sonst steht der Kundenservice zur Verfügung. Easybank in Österreich bereits bekannt Easybank selbst ist in Österreich eine etablierte Direktbank. Dort hat das Institut mehr als 500.000 Kunden. Das Meinungsbild zur Bank ist in Österreich gemischt. Während sich die Easybank offiziell als moderne Direktbank positioniert, berichten viele Kunden von Serviceproblemen seit System- und Markenänderungen. Sollte das Institut die Migration von Barclays-Kunden dieses Mal besser bewältigen, wäre das ein positives Signal. „Die Voraussetzungen sind exzellent, um auch in Deutschland unter diesem Dach das erfolgreiche Geschäft auszubauen“, sagt Sat Shah, Digitalvorstand bei der Bawag: „Die Entwicklung seit der Übernahme verläuft bereits besser als erwartet.“ Zuvor hatten Barclays und die Bawag allerdings den Zorn seiner Kunden auf sich gezogen. Barclays hatte eine der beliebtesten kostenlosen Kreditkarten. Vielen Kunden drohte die Bawag im Herbst mit Kündigung, sollten sie ihre kostenlose Kreditkarte nicht auf das Modell mit 99 Euro Jahresgebühr umstellen. Damals erklärte das Unternehmen: „Wir analysieren laufend unser Angebot und passen es an aktuelle Gegebenheiten an. Daher haben wir uns entschieden, bestimmte Konditionen nicht mehr anzubieten.“ Die kostenlose Kreditkarte wolle man aber weiter anbieten. Warum trotzdem älteren Kunden mit Kündigung gedroht wurde, erklärte das Unternehmen nicht. Auch waren einige Premiumkunden zuletzt nicht mehr zufrieden. Sie zahlen 99 Euro im Jahr, haben aber zum Beispiel nur einen Verfügungsrahmen von 500 Euro. Zu wenig, um etwa einen Mietwagen länger im Urlaub zu buchen. Die Hotline empfiehlt in dem Fall, einfach selbst Geld auf das Kreditkartenkonto zu überweisen. Für viele Kunden ist das angesichts der hohen Gebühren ein bisschen zu wenig . Hier wird es für die Kunden spannend, ob das Versprechen nach besserem Service auch in der Realität Einzug findet.
