FAZ 01.01.2026
11:17 Uhr

Kreative Jobvorschläge: Das sind die Traumjobs für das Jahr 2026


Die WM-Ergebnisse vorhersagen, Drohnen in den Wahnsinn treiben und Lösungsvorschläge aus Taylor Swift-Songs ableiten: Sieben spannende Jobs für das neue Jahr. Ist für Sie etwas dabei?

Kreative Jobvorschläge: Das sind die Traumjobs für das Jahr 2026

1. Ausgewogenheitskoordinator Sollten Sie beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten, können Sie sich eine Schlagseite allenfalls noch nach der Geburtstagsfeier im Kollegenkreis erlauben. Ansonsten gilt jetzt von ARD bis ZDF eine strikte Neutralitätspflicht: Schließlich zahlen wir unsere Zwangsgebühren nicht, um uns von protofaschistischen Klartextmoderatorinnen/grün-woken Politclowns (Nicht­­zutreffendes je nach persönlicher Überzeugung bitte streichen) manipulieren zu lassen! Nutzen Sie die neue Linie für einen Karrieresprung, bewerben Sie sich als Ausgewogenheitskoordinator: Zählen Sie für jede Sendung nach, wie oft darin die Worte „links“, „rechts“, „Gender“, „Remigration“, „Döner“ und „Kartoffel“ vorkommen, berufen Sie bei jeder Unwucht den Rundfunkrat ein und verlangen Sie die Entlassung des verantwortlichen Redakteurs. Kassieren Sie dafür ein Gehalt wie Patricia Schlesinger, genießen Sie das ausgewogene Fahrwerk Ihres A8, aber verlieren Sie nicht die Balance, wenn der Massagesitz rüttelt. 2. Stadtbildpfleger Gut, dass unser Kanzler es offen ausgesprochen hat: Es gibt Leute, die passen nicht ins Stadtbild, und es gibt Städte (Belém, Ludwigshafen, Kaiserslautern), in die passt kein Mensch mit Sinn für gesunde Sozialarchitektur. Das politische Momentum ist also auf Ihrer Seite, wenn Sie nun durch die eigene Kommune ziehen und alles ins Visier nehmen, was Ihr ästhetisches Empfinden beleidigt. Empfehlen Sie Passanten, deren Gesicht Ihnen nicht passt, einen Ortswechsel („Geh doch nach Belém/Ludwigshafen/Kaiserslautern!“), tadeln Sie jede Abweichung von der ortsüblichen Hochsprache („Mer sinn hier in Frankford, da werd Deutsch geredd!“). Bringen Sie Ihr Missfallen über die ökonomische Inkompetenz Ihrer Mitbürger zum Ausdruck, indem Sie sich neben der Schlange vor der Essensausgabe positionieren und verkünden: „Ey Leute, eure Armut kotzt mich echt an.“ Ermuntern Sie auch gerne den Pitbull-Besitzer, seine Töle zum „World’s Ugliest Dog Contest“ anzumelden. Danach können Sie sich im Krankenhaus mit dem plastischen Chirurgen über zeitgemäße Gesichtsarchitektur austauschen. 3. Fußballorakel Erinnern Sie sich noch an Paul, das Fußball-O-Krakel aus Oberhausen, das mit erstaunlichem Erfolg die Resultate des deutschen Teams bei den Turnieren 2008 und 2010 vorhersagte? Toppen Sie die Trefferquote des hellsichtigen Weichtiers und verblüffen Sie die Nation mit präzisen Prognosen über den Ausgang der WM-Spiele im Sommer – obwohl die wechselhaften Leistungen der Nagelsmann-Truppe zuletzt schwerer vorauszusehen waren als die Lottozahlen. Setzen Sie sich vor jedem Gruppenspieltag in die Badewanne, in die Sie zwei Boxen mit Miesmuscheln versenkt haben, eine für Deutschland, eine für den Gruppengegner. Tauchen Sie, lassen Sie Ihre Intuition fließen und fischen Sie eine Muschel aus der Box des Siegerteams. Wenn Sie sich nicht entscheiden können, behalten Sie Ihre Tentakeln bei sich. Prognostizieren Sie so die Auftaktpleite gegen Curaçao, den Kantersieg über die Elfenbeinküste und das zähe Unentschieden gegen Ecuador. Zur Würdigung Ihres Könnens zeichnet Donald Trump Sie im neuen Wettbewerb „FIFA-Molluske des Jahres“ mit dem zweiten Preis aus; der erste geht an Gianni Infantino. 4. Drohnenbekämpfer Was fliegt denn da über der Bundeswehrkaserne? Ein Späher von einem Schattenflottentanker oder nur ein Mi­krokopter der Media-Markt-Army, gelenkt von einem fünfzehnjährigen Low-Level Agent? Egal – überall dort, wo Feldjäger und Polizisten der surrenden Provokation mangels geeigneter Abfangtechnik nur hilflos hinterherstarren können, kommen Sie zum Einsatz: Als kreativer Drohnen-Terminator werden Sie in Zeiten des grassierenden Lufthoheitsverlusts zur wandelnden Sicherheitsgarantie. Bringen Sie lästiges Kleinfluggerät mit Konfettikanonen zur Strecke, bewerfen Sie größere Modelle mit Neuköllner Kugelbomben. Hightechvarianten setzen Sie mit Störsignalen außer Gefecht, die der sensiblen Elektronik irreparable Schäden zufügen: Spielen Sie ukrainische Volksmusik, eine Rede von Boris Pistorius oder einen Mitschnitt des letzten Auftritts von Pussy Riot ab. Oder Sie hacken sich in die KI des Flugkörpers und erteilen ihr den Auftrag: „Finde drei Eisenbahnbrücken, die technisch auf dem neuesten Stand sind.“ Ergebnis: Die Drohne irrt ziellos umher und stürzt schließlich wegen Erschöpfung ab. 5. KI-Lügendetektor Der Papst zu Besuch im Swingerclub, Selenskyj küsst Putins Ring, Cem Özdemir wird als nächster baden-württembergischer Ministerpräsident vereidigt: Kein Szenario ist so absurd, dass es sich nicht mithilfe Künstlicher Intelligenz ins Bild setzen ließe. Was tun, wenn den eigenen Augen nicht mehr zu trauen ist? Hier hilft nur konsequente Fortbildung: Qualifizieren Sie sich im neuen Jahr zum menschlichen KI-Lügendetektor. Der Kurs beginnt mit einer vergleichsweise einfachen Aufgabe: Sie betrachten aktuelle im Internet kursierende Katzenvideos und stellen sich die Frage, ob ein aufgerichteter Maine-Co­one-Kater die Höhe einer erwachsenen Frau erreichen kann. Lautet Ihre Antwort Nein, so sind Sie bereit für größere Herausforderungen: Halten Sie beispielsweise das Foto für echt, auf dem Robert Habeck als Testimonial für einen Wärmepumpenhersteller posiert? Das Video, in dem Angela Merkel zehn Fehler zugibt, die sie als Kanzlerin gemacht hat? Oder jenes, das zeigt, wie ein AfD-Delegierter eine Rede im Hitler-Stil hält? Nein, das letzte Beispiel ziehen wir zurück, das ist nun wirklich völlig undenkbar. 6. Rentenreformer Bismarck, Blüm, Riester, Rürup: Die größten Geister der deutschen Geschichte haben sich Gedanken über die Rente gemacht. Herausgekommen ist dabei im Lauf der Jahrzehnte ein System, das heute so auskömmlich finanziert erscheint wie die Immobilienprojekte von René Benko. Nun gilt es zu verhindern, dass der notdürftig geflickte Versorgungsbau zusammenbricht und kommende Generationen unter der Last der Altersarmut begräbt. Da die amtierende Gerontokratie offenkundig außerstande ist, die Bedürfnisse junger Gruppen angemessen zu berücksichtigen, kommt es nun auf Sie an: Bringen Sie Ihre Kompetenz in die Reformkommission ein und erfrischen Sie die Köpfe der Professoren mit originellen Vorschlägen. Bringen Sie eine Aktiv-Plus-Rente ins Gespräch, die anhaltende Leistungsbereitschaft im Alter mit attraktiven Vergünstigungen belohnt: Wer bereit ist, trotz Erreichens der Ruhestandsgrenze weiter auf dem Bau oder in der Pflege zu schuften, kann nach zehn Jahren zwischen einer Gratis-Hüft-OP und der Übernahme der Beerdigungskosten wählen. 7. Swiftologe Wir zweifeln keine Sekunde daran, dass Taylor Swift im neuen Jahr der Aufforderung des hessischen Kunstministers Folge leisten und das Museum Wiesbaden besichtigen wird: Dort hängt das kleinmeisterliche Ophelia-Gemälde, das mutmaßlich als Inspiration für ein Video der Popgöttin diente und seither kultische Verehrung erfährt. Gerüchten zufolge haben sich schon Fans im Mobiliar der Jugendstilabteilung versteckt, um in einer günstigen Ausgangsposition zu sein, wenn Miss Swift bei ihrem Besuch ein Spontankonzert gibt. Zollen auch Sie der neuen Religion Ihren Tribut, und beweisen Sie Ihre Kompetenz als Swiftologe: Leiten Sie aus den Liedtexten Lösungsvorschläge für die größten Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel, Ukrainekrieg und Haarspliss ab. Folgen Sie den Spuren Ihres Idols, praktizieren Sie dabei die Kunst des Storytellings ex negativo, schreiben Sie ein Buch mit dem Titel „Warum Taylor Swift auf meine E-Mails nicht antwortet“. Haben Sie sich intellektuell hinreichend verausgabt, vollziehen Sie den Swift, äh, Shift zur nächsten Musik-Ikone. Aber versuchen Sie bloß nicht, Haftbefehl zu verstehen.