FAZ 23.01.2026
20:14 Uhr

Kotré und Sellner: Die AfD auf Irrfahrt


Die AfD weiß nicht, wie sie mit Leuten wie Kotré und Sellner umgehen soll. Distanzierungen sind halbherzig. Das liegt auch am schillernden Volksbegriff, den die Parteiführung nicht klarstellen kann.

Kotré und Sellner: Die AfD auf Irrfahrt

Der Einspruch der AfD-Parteiführung gegen die Veran­staltung der Brandenburger Landtagsabgeordneten Lena Kotré mit dem Rechtsextremisten Martin Sellner war ein halbherziger. Die Veranstaltung fand nun doch statt, wenn auch Sellner nicht von Kotré, sondern Kotré von Sellner eingeladen wurde – solche Manöver gehören zur Rosstäuscherei, mit der die AfD um den heißen Brei, ihre extremistische Ader, tanzt. Sie ist immer wieder dazu gezwungen, weil sie mit einem schillernden Volksbegriff hantiert, der sie dazu zwingt, nicht nur zu Wahlkampfzeiten „echte“ von „kulturfremden“ Deutschen zu trennen. Da unterscheiden sich Chrupalla, Weidel und Sellner allenfalls graduell. Noch immer keine Klarheit über „Remigration“ In welche ideologischen Nöte die Partei dadurch gerät, sieht man daran, dass immer noch nicht klar ist, was denn nun „Remigration“ für die AfD bedeuten soll: Aberkennung der Staatsbürgerschaft für Straftäter? Millionenfache Vergraulung „kultur­fremder“ Deutscher? Rückabwicklung muslimischer Einwanderung? Die Veranstaltung von Kotré und Sellner gab allenfalls darüber Aufschluss, wie weit die Partei dabei gehen könnte - sehr weit. Bis heute konnte die AfD nicht erklären, wann jemand ein „echter“ Deutscher ist, wann er ethnischen Status reklamieren darf, wann er zu  Deutschland gehören darf, wann nicht. Wenn er in der ersten, zweiten, dritten, vierten Generation Staatsbürger ist? Solange sie das nicht kann, wird sie mit ihrem Volksbegriff auf Irrfahrt sein. Ein politischer Nachteil entsteht der AfD daraus vorläufig nicht. Denn die Partei beutet damit das verbreitete Gefühl aus, dass sich Deutschland seinerseits mit der Mi­grationspolitik vergangener Jahre auf eine Odyssee begeben hat.