Trüffel – da denken viele an Gourmetgerichte, Luxusrestaurants und sehr hohe Preise. Seit Jahrhunderten gelten Trüffel als eines der edelsten und begehrtesten Lebensmittel der Welt. Oft werden sie mit Frankreich und Italien assoziiert. Doch Trüffel wachsen auch in Deutschland, in den kalkhaltigen Böden Thüringens und anderer Regionen. Die Thüringer Freilandpilze GmbH aus Roßleben-Wiehe hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Trüffelanbau in Deutschland weiter zu etablieren. Man verkauft rund 20.000 Trüffelbäume im Jahr. Gemeinsam mit dem Konkurrenten Deutsche Trüffelbäume am Bodensee liegt man vorne. Gegründet hat das Unternehmen 2015 die Pilzfachfrau Anja Kolbe-Nelde, sie war damals Mitte dreißig. Was als kleines Nebenprojekt begann, hat sich mittlerweile zu einem Unternehmen mit neun Mitarbeitern entwickelt, das sich auf den Anbau und die Vermarktung von Trüffeln spezialisiert hat. Die Gründerin ist Bankkauffrau und hat 20 Jahre in der Sparkasse in Halle gearbeitet. Andere Arten für die private Zucht Schon in der Kindheit sei sie von der Vielfalt der Pilze fasziniert gewesen, erzählt Kolbe-Nelde. Sie besuchte Pilzkurse, nahm an Lehrwanderungen teil und ließ sich schließlich zur Pilzsachverständigen ausbilden. Regelmäßig seien pilzbegeisterte Menschen zu ihr in die Sparkasse gekommen, um sich ihre gesammelten Pilze begutachten zu lassen. Und Kolbe-Nelde befasste sich immer wieder mit Trüffeln, einer Pilzart, die hierzulande lange Zeit im Hintergrund stand – die Gründerin setzte sich mit den Möglichkeiten des Trüffelanbaus in Deutschland auseinander. Unterstützt wird sie von ihrem Mentor Dieter Honstraß. Er gilt in der Branche als Pionier, der den Trüffelanbau in Deutschland entscheidend mitgeprägt hat. Kolbe-Nelde bezeichnet ihn als den Pilz-Papst. Er ist ihr Kooperationspartner und betreibt die Internetseiten „trüffelschule.de“ und „trüffelanbau.eu“. Sie gelten eigenen Angaben zufolge als maßgebend für den Trüffelanbau in Deutschland. Neben dem Trüffelanbau hat sich Thüringer Freilandpilze auf die Zucht und den Verkauf anderer Pilzarten spezialisiert, die auf Holzstämmen gezüchtet werden. Diese Pilze werden laut Kolbe-Nelde in der Form von sogenannten Pilzhölzern verkauft, die Kunden für den Garten oder zur privaten Pilzzucht erwerben. Darüber hinaus bietet das Unternehmen Pilzkurse an, in denen man lernt, wie man Pilze findet, bestimmt und sicher unterscheidet. Ein weiteres Angebot ist der Anbau und Verkauf von Heilpilzen, zum Beispiel der Löwenmähne. Trüffelsuchkurse und Verkauf an Restaurants Das Kerngeschäft sei aber der Trüffelanbau, sagt Kolbe-Nelde. Auf diesem Feld bietet das Unternehmen Dienstleistungen an, die den gesamten Prozess von der Pflanzung bis zur Ernte und Vermarktung abdecken. Ein weiteres Angebot sind Trüffelsuchkurse, man lernt, wie man mit speziell ausgebildeten Hunden Trüffel findet. Das Unternehmen verkauft zudem frische Trüffel an Restaurants und Privatkunden, auch im Ausland. Thüringer Freilandpilze produziert und verkauft Trüffelbäume, die mit den Sporen der gewünschten Trüffelart geimpft sind. Sie werden auf geeigneten Plantagen gepflanzt, um Trüffel zu produzieren. Kunden sind oft Privatpersonen, die die Plantagen als Wertanlage sehen. Für diejenigen, die sich intensiver mit dem Thema beschäftigen möchten, bietet das Unternehmen eine Ausbildung zum Erntehelfer an, die Teilnehmer lernen alles über die Ernte, Lagerung und Verarbeitung von Trüffeln. In Deutschland gibt es laut Honstraß 13 Trüffelbaumschulen, die meisten würden von ehemaligen Schülern betrieben. Ein Teil stellt jedoch die Trüffelbäume nicht selbst her, sondern handelt nur mit ihnen. Dann mangele es oft an fundiertem Wissen. Was Thüringer Freilandpilze von anderen Unternehmen in der Branche abhebe, sei das sogenannte Thüringer Modell. „Wenn ich Erfolg haben will, brauche ich fundiertes Wissen und praktische Erfahrung“, erklärt Honstraß dazu. Jahrelange Forschung verkürzt Anbauzeit Das Anbauverfahren beruhe auf jahrelanger Forschung und sei über die Jahre verfeinert worden. Thüringer Freilandpilze verkaufe nicht nur Trüffelbäume, sondern betreue die Kunden umfassend, von der Vorbereitung des Bodens bis zur Vermarktung der Trüffel. Die Kunden schafften so die besten Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ernte. Mit dem Anbauverfahren kann die Wartezeit von den sonst üblichen sieben bis zehn Jahren auf fünf Jahre verkürzt werden. „Das ist kein Geheimrezept, sondern harte Forschungsarbeit“, betont Honstraß. Ein zentraler Bestandteil des Thüringer Modells ist die Wissensvermittlung. Kunden erhalten Zugang zu Schulungen und Modulen, in denen sie alles über den Trüffelanbau lernen. Das Unternehmen bleibt auch nach dem Pflanzen der Trüffelbäume mit den Kunden in Kontakt und unterstützt sie bei der Pflege ihrer Plantagen. Diese ganzheitliche Herangehensweise sei einzigartig in Deutschland. Die Trüffelsetzlinge, die das Unternehmen produziert und mit den Sporen impft, sind der Kern des Trüffelanbaus. Ein Trüffelbaum kostet zwischen 20 und 35 Euro. Für eine Trüffelplantage benötigt man rund 1000 Bäume je Hektar. Die Preise für eine Trüffelplantage hängen davon ab, wie viele Setzlinge der Kunde haben möchte und ob er ein Bewässerungssystem wünscht. Laut Kolbe-Nelde liegt der Preis für einen Hektar zwischen 20.000 und 50.000 Euro. Diese Investition zahle sich langfristig aus, weil eine gut gepflegte Plantage durch das Thüringer Modell schon ab dem fünften bis siebten Jahr Erträge liefere. Bei einer durchschnittlichen Ernte von 50 bis 100 Kilogramm Trüffeln je Hektar und einem Verkaufspreis von 300 bis 1300 Euro je Kilogramm können die Einnahmen relativ schnell die Investitionen übersteigen. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz laut Kolbe-Nelde bei einer halben Million Euro. Laut Honstraß will man in den nächsten zehn Jahren eine Million Trüffelbäume pflanzen; dazu will man auch einen Onlineshop einrichten. Kolbe-Nelde plant zudem touristische Angebote wie Ferienwohnungen und einen Trüffelmarkt. Der Artikel stammt aus „Jugend und Wirtschaft“ – ein Schulprojekt der FAZIT-Stiftung mit Unterstützung der Brost-Stiftung.
