Die Europäische Staatsanwaltschaft (EPPO) hat ein Strafverfahren gegen die frühere EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini, den EU-Spitzendiplomaten Stefano Sannino und einen leitenden Mitarbeiter der Europakollegs Brügge eingeleitet. Sie wirft den drei Personen, die alle Italiener sind, Betrug bei einer Beschaffung, Korruption, Interessenkonflikte und Verletzung des Berufsgeheimnisses vor, wie die Behörde am Mittwoch mitteilte. Sie waren am Vortag von der belgischen Polizei festgenommen und bis Mitternacht verhört worden. Anschließend wurden sie wieder auf freien Fuß gesetzt, weil keine Fluchtgefahr besteht. Es geht bei den Vorwürfen um ein Programm zur Ausbildung junger Diplomaten am Europakolleg Brügge, das 2022 begann und vom Europäischen Auswärtigen Dienst (EAD) mit einer Anschubfinanzierung von 654.000 Euro gefördert worden war und danach eine Million Euro zugesagt bekam. Die Ermittler gehen dem Verdacht nach, dass der EAD dem Kolleg, einer Kaderschmiede für EU-Beamte, einen unlauteren Wettbewerbsvorteil bei seiner Ausschreibung für das Diplomatenprogramm verschaffte. Das Kolleg hatte vor seiner Bewerbung ein Gebäude für 3,2 Millionen Euro erworben und umgebaut, wo die Teilnehmer der Diplomatenakademie untergebracht werden sollten – das war eine Bedingung. Möglicherweise hatte es vorab schon eine informelle Zusage vom EAD gegeben. Mogherini hatte den EAD von 2014 bis 2019 als EU-Außenbeauftragte geleitet, anschließend wurde sie zur Rektorin des Europakollegs gewählt. Sannino wurde 2021 zum Generalsekretär des EAD ernannt, das ist der höchste Beamtenposten. Anfang 2025 wechselte er auf einen neu geschaffenen Generaldirektor-Posten in der EU-Kommission.
