Einer war Vorsitzender des größten chinesischen Flugzeugbauers, zwei weitere waren an waffentechnisch nutzbarer Nuklearforschung beteiligt: In China sind weitere ranghohe Funktionäre der Rüstungsindustrie abgesetzt worden. Am Mittwoch beschloss der Ständige Ausschuss des Nationalen Volkskongresses den Ausschluss von Zhou Xinmin, der bis vergangenes Jahr den Luftfahrtkonzern AVIC geführt hatte. Ebenfalls gehen muss Luo Qi, ehemals Chefingenieur der China National Nuclear Corporation. Zudem Liu Cangli, bis 2024 Präsident der Chinesischen Akademie für Ingenieurphysik, zu dessen Eigenbeschreibung der Bereich „Detonation, Stoßwellenphysik und zugehörige Ausrüstung“ gehört. Die Akademie gilt als Chinas wichtigste Einrichtung für die Forschung und Produktion von Kernwaffen. Viele Vorgänger sind verschwunden oder verhaftet Warum die drei Funktionäre gehen müssen, wurde zunächst nicht mitgeteilt. Die Absetzungen fallen in die seit drei Jahren laufende Säuberungswelle im chinesischen Militär und der Rüstungsindustrie. Neben den drei nun abgesetzten Managern sind zahlreiche weitere Schlüsselpositionen chinesischer Verteidigungsfirmen neu besetzt worden. Viele der Vorgänger sind verschwunden oder verhaftet worden. Flugzeugmanager Zhou Xinmin etwa war seit einem halben Jahr nicht mehr öffentlich aufgetaucht. Der jetzt ausgeschlossene Chefingenieur Luo Qi wiederum hatte eine enge Verbindung zum vor zwei Wochen verhafteten ranghöchsten General Zhang Youxia: Liu hatte einst eine Forschungsgruppe für militärische Nuklearantriebstechnologie in der Abteilung für Ausrüstungsentwicklung der Zentralen Militärkommission geleitet – derselben Abteilung, die einst von General Zhang Youxia und später von dem 2023 dann als Verteidigungsminister abgesetzten Li Shangfu geleitet worden war. Staats-, Partei- und Militärchef Xi Jinping hat rund einhundert Offiziere und Generale gefeuert, zudem Dutzende Kader der Rüstungsindustrie. In der Zentralen Militärkommission, dem mächtigsten Gremium der Armee und Schnittstelle zur Kommunistischen Partei, sitzt statt sieben Mitgliedern neben Xi selbst derzeit nur noch ein General. Zudem wurden die Oberkommandeure sowie Politkommissare sämtlicher der fünf Regionalkommandos abgesetzt und bislang lediglich im Osten und dem Zentralkommando neu besetzt. Auch in den Teilstreitkräften sind viele Führungspositionen vakant. Viele Rüstungsaufträge auf Eis Dies zieht sich bis in die Rüstungsindustrie, in der als Folge der Korruptionsermittlungen viele Aufträge auf Eis liegen oder gestrichen wurden. Dies soll Beobachtern zufolge vor allem jene Beschaffungsvorhaben betreffen, die unter abgesetzten Funktionären ins Werk gesetzt worden waren. Nach Angaben des schwedischen Friedensforschungsinstituts SIPRI vom November sind die Umsätze chinesischer Rüstungskonzerne im Vorjahr trotz großer Beschaffungsvorhaben gesunken. So sollen laut SIPRI auch die Umsätze von AVIC gesunken sein, jenem größten Rüstungskonzern, dem der jetzt abgesetzte Zhou Xinmin vorstand. Die Auslieferung von Kampfflugzeugen aus AVIC-Produktion habe sich verlangsamt, hieß es. Erst am 19. Januar wurde zudem gegen eine weitere Person, den ehemaligen Generaldirektor der China National Nuclear Corporation, Gu Jun, ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Gu war 2024 seines Amtes enthoben worden.
