2022 machte Superstar Tom Brady den Anfang: Vor drei Jahren schickte die National Football League (NFL) erstmals zwei ihrer Mannschaften für ein Saisonspiel nach Deutschland, um hierzulande den Sportmarkt und die Menschen noch mehr für sich zu gewinnen. Das Experiment gelang und wurde zu einem regelrechten Coup: Vor einer in Sekundenschnelle ausverkauften Münchner Arena triumphierte Brady mit den Tampa Bay Buccaneers in seiner letzten Saison als NFL-Profi über die Seattle Seahawks und legte gleichzeitig den Grundstein für eine Entwicklung, die NFL-Deutschlandchef Alexander Steinforth im Gespräch mit der F.A.Z. als eine „wunderbare Erfolgsgeschichte“ beschrieb. Vier NFL-Saisonspiele mit Hunderttausenden begeisterten Fans in deutschen Städten und ausverkauften Stadien – zwei in Frankfurt, ein weiteres in München und zuletzt im November eines in Berlin – später, kehrt die stärkste Footballliga der Welt in den kommenden Jahren zurück in die bayerische Landeshauptstadt. Das gab die NFL an diesem Mittwoch bekannt. „Nach langen und guten Gesprächen sind wir sehr froh, in den kommenden Jahren in die Stadt, wo für uns in Deutschland alles angefangen hat, zurückzukehren“, sagte Steinforth. „München ist für uns ein ganz emotionaler Ort.“ Weitere Optionen wurden geprüft Dass es 2027 und 2029 weitere NFL-Partien im Berliner Olympiastadion geben soll, war bereits zuvor kommuniziert worden. Die Spielorte für die dazwischenliegenden Jahre allerdings hielt die NFL bislang unter Verschluss, nach F.A.Z.-Informationen auch deshalb, weil sich nach dem Erfolg der vergangenen Jahre weitere deutsche Städte und Regionen für eine Austragung eines Footballspiels interessierten und diese Optionen geprüft, bewertet und abgewogen werden mussten. Nun herrscht jedoch Klarheit. Welche Teams für das sechste Deutschlandspiel anreisen werden und wann dieses genau stattfinden wird, werde zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert, so Steinforth. Wie die NFL mitteilte, sei neben der Stadt München auch der Fußball-Bundesligaklub FC Bayern einer der Partner, der mit seinem Team der Allianz Arena in die Organisation und Durchführung des NFL-Spiels sowie des umfangreichen Begleitprogramms in der Region eingebunden wird. NFL-Manager Steinforth zufolge soll sich die Kooperation mit dem FC Bayern auch auf gemeinsame Marketingaktivitäten fokussieren. Ein erstes Projekt im Rahmen des Super Bowls am 8. Februar sei bereits in Planung. Ziel sei es, die „Strahlkraft der Marken“ in den jeweiligen Märkten, also in Deutschland, wo die NFL weiter wachsen möchte, und in den USA, wo der FC Bayern noch Potential für sich sieht, zu erhöhen. Mit der nun kommunizierten Entscheidung für 2026 und 2028 steht auch fest, dass Frankfurt, wo 2023 gleich zwei NFL-Saisonspiele an zwei aufeinanderfolgenden Wochenenden ausgetragen wurden – darunter das mit rund zehn Millionen TV-Zuschauern weltweit bislang erfolgreichste „NFL International Game“ zwischen den Kansas City Chiefs und den Miami Dolphins – leer ausgehen wird. Oberbürgermeister Mike Josef und Vertreter des Fußball-Bundesligaklubs Eintracht Frankfurt hatten immer wieder betont, dass sie sich über eine Rückkehr der NFL an den Main freuen würden, dass sie jedoch in kein Wettbieten mit anderen Standorten treten würden. Gerade im Hinblick auf eine potentielle Bewerbung Münchens für Olympische Sommerspiele darf angenommen werden, dass dort die Bemühungen zuletzt weiter verstärkt wurden, die NFL von einem Gastspiel in den Jahren 2026 und 2028 zu überzeugen. Wohl auch, um für sich als Standort zu werben, wo Großveranstaltungen erfolgreich umgesetzt werden können. Schließlich etabliert sich die NFL mit Blick auf die Sommerspiele 2028, bei denen die kontaktarme Variante Flag Football erstmals Teil des Olympiaprogramms sein wird, derzeit ohnehin mehr und mehr als einflussreicher Akteur auf der olympischen Bühne.
