Die deutsche Automarke Opel soll für den Stellantis-Konzern zum Versuchsträger werden für eine engere Kooperation mit dem chinesischen Partner Leapmotor. In nur zwei Jahren will Opel zusammen mit den Chinesen eine große Lücke in der Modellpalette schließen. Das Projekt wurde in dieser Form von Opel-Chef Florian Huettl angekündigt. Der will so bald wie möglich ein kompaktes SUV mit etwa 4,50 Meter Länge auf den Markt bringen. Denn zwischen dem günstigen Familientransporter Frontera mit 4,38 Meter Länge und einem Einstandspreis von 24.200 Euro einerseits und dem Mittelklasse-SUV Grandland, mit 4,65 Metern Länge und 38.000 Euro klafft derzeit im Opel-Angebot eine Lücke, in der besonders viele Autos verkauft werden und in der sich die Marken des Volkswagen-Konzerns breitmachen. Der Volkswagen T-Roc, in der erneuerten Version nun 4,37 Meter lang, erreichte 2025 alleine in Deutschland 78.000 Neuzulassungen. Der billigere Opel Frontera kam auf 10.700, der größere Opel Grandland auf 18.500. Zugang zu Lieferketten mit chinesischen Preisen Für die Entwicklung will Opel nach den Worten von Huettl „neue Wege gehen“ und mit Leapmotor kooperieren. „Wir versprechen uns viel von der Zusammenarbeit, die das Beste aus zwei Welten zusammenführen soll“, sagte Huettl. Vom chinesischen Partner Leapmotor sollen die Komponenten der elektrischen Antriebsarchitektur des Autos kommen, also Batterien und Elektroantrieb. Zugleich versprechen sich Huettl und Opel durch die Kooperation mit Leapmotor Zugang zu Zulieferketten mit günstigen chinesischen Preisen, die Opel sonst nicht nutzen könnte. Opel will zugleich die eigenen Stärken einbringen. „Das neue Modell soll alles enthalten, was einen Opel ausmacht“, sagte Florian Huettl über das geplante Modell. Das betrifft dann das Design innen und außen, Straßenlage, Sitzen, Bedienungskonzept oder Fahrleistungen. Leapmotor, das 2015 gegründete chinesische Start-up für Elektroautos, ist ein naheliegender Kooperationspartner. Seit 2023 ist der Opel-Mutterkonzern Stellantis eng mit Leapmotor verbunden. Stellantis übernahm 20 Prozent der Anteile am chinesischen Konzern, zugleich 51 Prozent an einer neuen Vertriebsgesellschaft namens Leapmotor International. Opel-Chef Florian Huettl, zugleich Deutschland-Chef für das gesamte Stellantis-Geschäft, hat sich dabei für den Marktstart der chinesischen Marke in Deutschland engagiert. In einem Jahr habe Leapmotor im deutschen Händlernetz von Stellantis 150 Stützpunkte für den Vertrieb erhalten, berichtet der Opel-Chef. Die Zulassungszahlen von Leapmotor erreichten 2025 mit drei Modelle allerdings nur den Wert von 7280, was einem Marktanteil von 0,3 Prozent entsprach. Opel sieht Florian Huettl auf vielerlei Weise prädestiniert als Vorreiter des Stellantis-Konzerns für eine vertiefte Zusammenarbeit mit den Chinesen. Die Marke Opel erreiche mit 40 Prozent den größten Anteil von Elektroautos im Stellantis-Konzern. Zudem sei Deutschland der bei weitem größte Automarkt in Europa. Produziert werden soll das künftige neue Modell aber nicht in Deutschland wie die Opel-Modelle Astra und Grandland, sondern in der Stellantis-Fabrik in Saragossa, wo unter anderem der Kleinwagen Opel Corsa gebaut wird, und wo von Ende 2026 an das kompakte Elektro-SUV Leapmotor B10 produziert werden soll. Den Gedanken, dass auch wegen des Produktionsstandorts das geplante Opel-Modell eigentlich ein Leapmotor mit Opel-Emblem sein könnte, weist der Opel-Chef allerdings weit von sich. Opel kann in der Kooperation lernen Schon für das erste Halbjahr 2028 kündigte Florian Hüttl die Präsentation des gemeinsam mit Leapmotor entwickelten Opel an. Die Entwicklung würde also doppelt so schnell vor sich gehen wie sonst in Deutschland in der Branche üblich. Ob das Projekt am Ende im Kosten- und Zeitplan bleiben werde, müsse man aber noch sehen. Noch sei es zu früh für Details. Auf jeden Fall gilt für Huettl: „Opel lernt über diese Zusammenarbeit.“ Die Kooperation mit den Chinesen für die Entwicklung eines Elektroautos bringt aber andererseits keine Hoffnung für den einst mit einem Batteriewerk geplanten Opel-Standort Kaiserslautern. Das Gemeinschaftsunternehmen ACC, das ursprünglich in Kaiserslautern Batterien bauen sollte und diese Pläne nun gestoppt hat, sollte Batterien mit anderer Chemie herstellen als diejenigen, die nun Leapmotor für das neue Opel-Modell mitbringt.
