FAZ 04.03.2026
15:05 Uhr

Konkurrenzkampf im Angriff: Gedränge im Sturm bei den deutschen Fußballfrauen


Beim 5:0 in der WM-Qualifikation gegen Slowenien sammeln vor allem DFB-Spielerinnen Argumente für sich, die zuletzt am Rand standen. Für Bundestrainer Christian Wück ist das eine gute Nachricht.

Konkurrenzkampf im Angriff: Gedränge im Sturm bei den deutschen Fußballfrauen

Mit einem 5:0-Sieg gegen Slowenien haben die deutschen Fußballerinnen den ersten Schritt in Richtung Brasilien getan. Vor allem aber hat das erste Spiel in der WM-Qualifikation eine Entwicklung sichtbar gemacht, die Bundestrainer Christian Wück dringend braucht: Die Offensive wird breiter, und sie wird bissiger. Ohne die verletzte Klara Bühl, die sonst diejenige ist, die mit ihren Einzelaktionen für Torgefahr sorgt, sammelten vor allem Spielerinnen, die zuletzt am Rand standen – oder gerade erst bei den DFB-Frauen anklopfen –, Argumente für sich. Larissa Mühlhaus traf gleich bei ihrem Debüt. Shekiera Martinez belohnte sich zwar nicht mit einem Tor, aber tat dem Spiel bei ihrem ersten Startelfeinsatz gut. Und Vivien Endemann, die ein Jahr nicht mehr nominiert worden war, kam auf einen Treffer und zwei Vorlagen. Dazu sendeten auch Linda Dallmann und Lea Schüller Signale, dass sie sich nach schwierigen Monaten in der DFB-Auswahl zurückkämpfen wollen. Die Effizienz vor dem Tor war und ist bei den DFB-Frauen ein Thema. Im Nations-League-Finale gegen Spanien (0:0, 0:3) hatten die DFB-Frauen trotz bester Chancen im Hin- und Rückspiel kein einziges Mal getroffen. Insofern konnte die Partie gegen Slowenien auch als ein erster Test verstanden werden, wer im Sturm als Dauerlösung taugt. Bei Martinez ist es die Mischung aus Beweglichkeit und Robustheit, die Wück schon länger im Blick hat. Und auch wenn sie den Aufwand noch nicht in Ertrag ummünzen konnte, blieb der Eindruck: Sie bringt Tempo in Zonen, in denen die DFB-Frauen zu statisch waren. An Mühlhaus schätzt Wück den Instinkt im Abschluss. Andere Spielerinnen seien in ihren Aktionen oftmals zu überhastet oder müssten vor dem Tor erst nachdenken. Mühlhaus fackelt nicht lange und erzwingt den Moment, statt auf ihn zu warten. Dagegen spielt Vanessa Fudalla in Wücks Plänen bisher keine Rolle, obwohl sie mit zwölf Treffern (und fünf Vorlagen) die beste Torschützin der Bundesliga ist. Wück ist skeptisch, ob sich die 24-Jährige auch auf höchstem Niveau durchsetzen kann. „Sie spielt auf einer Position mit einer gewissen Leistungsdichte, und ich habe gerade meine Zweifel, ob sie international genauso in Abschlusssituationen kommt“, hatte Wück zuletzt in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. Endemann, Martinez, Mühlhaus, dazu Dallmann und Schüller heizen den Konkurrenzkampf in der Offensive an. Für den Bundestrainer bedeutet das mehr Auswahl, mehr taktische Möglichkeiten, mehr Reaktionsfähigkeit. Und für alle anderen: weniger Schonfrist. Das ist vor dem Spiel gegen Norwegen am Samstag (18 Uhr, ZDF) eine gute Nachricht. Nicht, weil das Abschlussproblem damit gelöst wäre. Sondern weil darin eine Chance liegt: Wenn viele treffen können, hängt nicht mehr alles an einer einzigen Spielerin.