FAZ 05.01.2026
17:11 Uhr

Konflikt mit Regierung: Separatisten im Jemen geben nach


Mit großer Härte drängt Saudi-Arabien die südjemenitischen Separatisten zurück. Damit trifft Riad indirekt auch die Vereinigten Arabischen Emirate, die die Separatisten gefördert haben.

Konflikt mit Regierung: Separatisten im Jemen geben nach

Für die südjemenitischen Separatisten sind es Tage der Rückschläge. Anfang Dezember hatten die Truppen des süd­lichen Übergangsrates (STC) durch ei­nen unerwarteten Vormarsch die Kon­trolle über ihr Stammland übernommen und ihre Hoffnung auf einen unabhängigen Südjemen bestärkt. Der von den Emiraten unterstützte STC gehört zwar formal zur international anerkannten Regierung, strebt aber einen unabhän­gigen Staat im Südjemen an, wie es ihn von 1967 bis 1990 gab. Aber nun mussten die Separatisten dem militärischen Druck der international anerkannten Regierung und vor allem Saudi-Arabiens nachgeben. Die STC-Einheiten zogen sich am Wochenende aus den Provinzen Hadramaut, wo wichtige Ölvorkommen liegen, und Mahra wieder zurück. Nicht zuletzt weil die saudische Luftwaffe ihnen zusetzte. „Wir mussten Verluste vermeiden“, erklärte ein STC-Vertreter gegenüber der F.A.Z., der zugleich Vorwürfe erhob, es seien auch Zivilisten durch die Angriffe zu Schaden gekommen. „Wir hatten gehofft, das Problem mit politischen Mitteln lösen zu können, aber wir mussten Gewalt anwenden“, erklärte der Gouverneur von Hadramaut am Sonntag. Die Rückeroberung sei „in Rekordzeit“ verlaufen. Die Geländegewinne des STC sind damit wieder zunichte gemacht worden. Es gibt schon Drohgebärden, die international anerkannte Regierung und Saudi-Arabien wollten es nicht dabei bewenden lassen. Die südjemenitische Hafenstadt Aden, der Sitz der Regierung und andere Gegenden im Süden sind noch unter der Kontrolle des STC. Jemenitische Beobachter halten es allerdings für unwahrscheinlich, dass es in der Großstadt Aden zu einer militärischen Konfrontation kommt. Eine Konferenz in Riad zur Lösung der Südjemen-Frage Zugleich gibt es auch Versuche, die Konfrontation zu entschärfen. Saudi-Arabien hat angeboten, in der Hauptstadt Riad eine Konferenz abzuhalten, um die Südjemen-Frage zu erörtern. Im Dialog solle eine umfassende Vision für „gerechte Lösungen“ entwickelt werden, die „den legitimen Bestrebungen der Bevölkerung im Süden“ gerecht werden, erklärte die Führung in Riad. Der STC hat das gutgeheißen. Er hatte eine zwei Jahre umfassende Übergangsphase angekündigt, an deren Ende ein Unabhängigkeitsreferendum stehen soll. Aus einer gut unterrichteten jemenitischen Quelle heißt es, STC-Chef Aidarus al-Zubaidi habe sich am Ende entschieden, nicht nach Riad zu fahren, weil er fürchte, dort festgehalten zu werden. Gespalten ist der Jemen schon länger. Die von Iran unterstützen Huthi-Rebellen beherrschen seit etwa zehn Jahren die Hauptstadt Sanaa und weite Teile des Nordjemen. Inzwischen gibt es zwei Zentralbanken, der Wert der Landeswährung ist in beiden Landesteilen unterschiedlich. Der Konflikt zwischen STC, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten gefördert werden, und der Aden-Regierung, an deren Seite Saudi-Arabien steht, hat nun die Ge­gensätze innerhalb des Anti-Huthi-Lagers noch einmal verstärkt. Die beiden ölreichen und mächtigen Golfmonarchien hatten sich im Kampf gegen die Huthi und ihre iranischen Sponsoren zusammengetan, verfolgen aber im Jemen unterschiedliche Eigeninteressen. Darüber hatten sie sich in der Vergangenheit immer wieder überworfen. Saudi-Arabien hatte erst ge­zögert, aber nun massiv eingegriffen und in dem Konflikt erstmals STC-Ziele bombardiert, unter anderem eine Waffenlieferung, die den Emiraten zugeschrieben wird. Das emiratische Außenministerium äußerte am Samstag „tiefe Besorgnis“ über die Entwicklungen im Jemen und forderte, Dialog müsse Vorrang vor Konfrontation haben. Die jemenitischen Akteure haben Übung darin, einen diskreten Ausweg aus solchen Konflikten zu finden. Die Führungen in Abu Dhabi und Riad, so fürchten Beobachter, könnten sich damit schwerer tun.