FAZ 16.02.2026
10:07 Uhr

Kommunalwahl in Frankfurt: Nur scheinbar witzig


Ob Wahlplakate zur Meinungsbildung beitragen, ist unklar. Manche buhlen geradezu um Aufmerksamkeit. Manchmal ist das ärgerlich, manchmal ist das lächerlich, und wenn das so ist, haben Parteien eine Chance vertan.

Kommunalwahl in Frankfurt: Nur scheinbar witzig

Ist es wichtig, was auf Wahlplakaten steht? Einige jedenfalls, die in Frankfurt um Aufmerksamkeit gebuhlt haben und buhlen, sind bemerkenswert. „Kalte Schulklos sind für’n Arsch“, glaubten die Grünen der Welt mitteilen zu müssen. Die Frankfurter FDP pries ihre Spitzenkandidatin Stephanie Wüst als Mann an, wie es die Liberalen in Hamburg schon mit Katja Suding getan hatten. Die satirebetonte Kleinstpartei „Die Partei“ serviert auf einer regenbogenbunten Pyramide die Aufforderung: „Fickt euch doch alle.“ Wahlergebnisse sollte man nicht versuchen vorherzusagen; damit hat, wer das von Berufs wegen tut, genug zu tun. Man muss aber auch nicht Meinungsforscher sein, um zu wissen: Nach dem 15. März wird in Hessen und der Region vieles anders sein als zuvor. In welchem Maße Wahlplakate dazu beigetragen haben werden, ist unklar. Wie und ob sie in Zeiten der visuellen und inhaltlichen Überfrachtung durch Online- und soziale Medien noch sind, hat viele Wissenschaftler beschäftigt. Mit dem Ergebnis, dass heute wie vor 50 Jahren in jedem Wahlkampf Pappe in jeder Größe gehängt und gestellt wird. Eine vertane Chance Aufmerksamkeit ist immer schwerer zu erringen. Die Versuche werden immer drastischer, Fehlgriffe sind geradezu folgerichtig. Die Alle-Geschlechter-und-Identitäten-Ansprache der „Partei“ etwa könnte ein halbwegs witziger Beitrag in einem Karnevalszug sein, lässt sich aber auch wie eine Beleidigung derer lesen, die das Wählen ernst nehmen. Die Schultoiletten-Aussage wirkt nicht wie ein Beitrag zu irgendeiner Debatte, und die Riesen-Plakate der FDP mit Stephanie Wüst darauf und dem Spruch „Unser Mann für starke Wirtschaft“ darauf bleiben einem im Gedächtnis als Beispiel für gar nichts, was sich aus ihnen lesen ließe, das beleidigt die Intelligenz. Inzwischen haben die Liberalen sie ausgetauscht, immerhin. Es ist schade und im Grunde auch eine vertane Chance, wenn Wahlwerbung nicht eine verständliche Botschaft transportiert. Die Zeiten dafür sind ernst genug, und die Themen liegen offen dar. Bürgerbefragungen etwa in Frankfurt haben klare Schwerpunkte des Bürgerinteresses gezeigt. Wer hier lebt, beklagt zum Beispiel mangelnde Sauberkeit. Mit gutem Recht, wie wohl jeder bestätigen wird, der sich schon einmal nicht gefreut hat über den Anblick wild abgestellten Sperrmülls, über Plastikbecher und Pizzakartons in Grünanlagen, über taubenkotbedeckte Gehwege. Dass seit ein paar Monaten für Müllsünden die Bußgelder drastisch erhöht worden sind, hat daran noch nichts geändert. Gesprächsstoff genug für die vielen Diskussionen und den Straßenwahlkampf in den Wochen bis zum 15. März.