Zugegeben – ein kulinarisches Erlebnis war das Essen in meiner Unimensa nie. Die Teller trist, das Gemüse zu durch, die Schlange an der Kasse lang. Das alles ist aber völlig fein – ich habe noch niemanden sich darüber beklagen gehört. Denn besonders hohe Ansprüche haben Studis an ihr Essen zwischen den Vorlesungen nicht wirklich. Eigentlich nur einen einzigen: sich das Essen überhaupt leisten zu können. In vielen Unimensen wurden die Preise angezogen. Mittlerweile kostet der berühmt-berüchtigte Eintopf meiner Uni mit Brötchen doppelt so viel wie früher. Und, ja – ein Mittagessen für knapp vier Euro ist immer noch stark subventioniert. Aber ich finde: Die Preise für ein Essen in der Unimensa sollten sich nie an der Inflation oder Einkaufspreisen orientieren, sondern an der finanziellen Lage der Studierenden. Jeder muss sich dort zumindest ein kleines Mittagessen leisten können. Und selbst vier Euro sind für viele Studierende mittlerweile einfach nicht mehr drin. Frankreich hat das verstanden Wer Bafög bekommt, erhält monatlich 475 Euro für den Grundbedarf – für Ernährung, Freizeit, Kleidung und Bücher zusammen. Also für alles, was nicht die Miete ist. Wer jeden Tag in der Mensa isst, gibt davon knapp ein Viertel allein fürs Mittagessen aus. Die Schere zwischen dem, was der Staat für ausreichend hält, und dem, was das Leben tatsächlich kostet, wird größer. Studierendenwerke finanzieren sich zu großen Teilen selbst. Bundesmittel gibt es strukturell keine, und Landeszuschüsse stagnieren oder werden gekürzt – je nach Bundesland. Die gestiegenen Preise sind also keine Gier der Betreiber, sondern die Konsequenz einer Finanzierungspolitik mit einem blinden Fleck. Ein Blick nach Frankreich lohnt sich: Jüngst entschied die Regierung dort, das Essen an den Unis stark zu subventionieren. Dort isst nun jeder und jede für einen Euro pro Mahlzeit. Diese Regelung gab es dort vorher schon, aber nur für Stipendiaten und Studierende mit besonders wenig Geld. Nun wurde das Angebot ausgeweitet – auf alle. Die Regierung hat sich das 50 Millionen Euro kosten lassen. Und in Deutschland diskutiert man derweil, ob man sich die bereits versprochene Bafög-Reform noch leisten kann. Die Mensa zu subventionieren, ist keine Sozialromantik – es ist eine Investition. Frankreich hat das verstanden. Es fehlt der politische Wille Besonders hart trifft es in Deutschland diejenigen, die ohnehin wenig Puffer haben: Studierende ohne familiären Rückhalt, internationale Studierende ohne deutsches Sozialnetz, Erstakademiker, die nicht wissen, welche Hilfsangebote es überhaupt gibt. Für sie ist die Mensa oft die einzige Option. Wer nebenbei zwanzig Stunden die Woche arbeitet, um Miete und Lebensmittel zu finanzieren, hat weder Zeit noch Energie zum Kochen. Und wer sich die Mensa trotzdem nicht leisten kann, lässt das Mittagessen manchmal einfach ausfallen. Dass das Folgen hat, liegt auf der Hand. Selbst kochen kann günstiger sein – ist aber auch weniger sozial. Dadurch gehen einem eine Menge schöne Erinnerungen und Gemeinschaft flöten. Gemeinschaft, die wir Studis nach den einsamen Pandemie-Semestern verdient haben. Die Mensa ist Infrastruktur, so wie Bibliothek, Seminarraum oder Busverbindung. Niemand käme auf die Idee, den Zugang zur Unibibliothek vom Kontostand abhängig zu machen. Bei der Mensa tun wir so, als wäre das normal. Dabei wäre die Lösung nicht kompliziert: mehr Landeszuschüsse, ein Bundesprogramm nach französischem Vorbild, eine klare politische Entscheidung, dass warmes Mittagessen zur Grundausstattung eines Studiums gehört. Aber dafür fehlt scheinbar der Wille. Steigende Mensapreise sind deshalb keine Bagatelle. Sie sind ein Signal – dafür, dass Studieren in diesem Land zwar offiziell fast kostenlos ist, aber immer teurer wird. Und auch dafür, dass die, die es sich am wenigsten leisten können, das als Erste zu spüren bekommen.
