FAZ 19.11.2025
14:41 Uhr

Kolumne „Nine to five“: Wo die Liebe hinführt


Der Azubi hat die Schule vorzeitig verlassen und ein Handwerk erlernt. Nun drückt er wieder die Schulbank. Der Freundin sei dank.

Kolumne „Nine to five“: Wo die Liebe hinführt

Max heißt Max, ist aber kein Mustermann. Jedenfalls aktuell nicht in der Wahrnehmung seiner Freundin und seit den Pubertätswirren nicht in den Augen seiner Eltern. Die haben eine harte Zeit hinter sich. In den entscheidenden Mittelstufe-Jahren war ihr Sohn so ungefähr an allem interessiert, als da wären Fitness, Internet, Abhängen. Nur nicht an Schule: Hört mir auf mit Blaue-Blume-Romantik, kommt mir nicht mit Stochastik! Aufraffen mochte sich der Sechzehnjährige nicht mehr, er verließ das Gymnasium. Max lernt das Tischlerhandwerk, endlich etwas mit den Händen schaffen. Auch gut, ihre Akademikerträume hatten die Eltern wegen des lieben Familienfriedens ohnehin längst begraben. Anders als Max’ zwei Jahre ältere Freundin. Die rackert sich durch ein duales Studium, hegt ehrgeizige Pläne, wie sie künftig leben will, und treibt ihren Freund an. Sie rechnet ihm vor, was er als Geselle verdienen wird, wie teuer es werde, den Meister zu machen, und zweifelt, ob die fordernde Arbeit körperlich bis ins hohe Alter zu realisieren sei. Ihr Fazit: Er soll sich nach der Lehre nach lukrativen Alternativen umschauen. Und sie weiß auch schon, wo: Berufsschullehrer wäre super, da könne er Theorie und Praxis vereinen und seine Tischlerideen daheim umsetzen. Denn die Bayerin erstrebt ein Eigenheim und schmiedet fleißig Pläne: Wenn sie später mal in Elternzeit sei, ließen sich die Kredite nicht mit einem Gesellengehalt tilgen. Die toughe Zwanzigjährige verliert keine Zeit und hat Infos zusammengestellt, wie sich das Fachabi nachholen lässt. „Die traut sich was! Bei uns hätte er schimpfend den Raum verlassen. Wo die Liebe hinführt!“ Max’ Eltern können ihre Freude nur schwer zügeln. Max macht’s, um des lieben Friedens mit der Freundin, in die er schwer verliebt ist. Nachdem er die Lehre beendet hat, ist er auf die Berufsoberschule gewechselt. Theoretisch kann er dann Lehrer werden, frohlockt seine Gefährtin. Aber bis dahin wird noch viel Wasser die Donau runterfließen. Dem Vernehmen nach hält er sich Optionen offen und Kontakt zu seinem alten Ausbilder. Max sieht sich eher in seiner eigenen Werkstatt. Und dann im Eigenheim. Oder auch nicht. In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.