FAZ 27.11.2025
16:13 Uhr

Kolumne „Nine to five“: Wie eine Lokführerin gegen die Unpünktlichkeit kämpft


Auf einer Strecke zwischen Frankfurt und dem Taunus versucht eine Lokführerin unermüdlich, die Deutsche Bahn besser zu machen – und appelliert dazu auch an die Fahrgäste. Ihr Engagement verdient Respekt.

Kolumne „Nine to five“: Wie eine Lokführerin gegen die Unpünktlichkeit kämpft

Zu Beginn des Textes wollen wir Sie zunächst kurz vorwarnen: In dieser Kolumne geht es um die Deutsche Bahn. Denn es soll ja Menschen geben, die nichts mehr hören wollen über ständige Verspätungen und Zugausfälle, defekte Weichen / Stellwerke / Züge sowie kurzfristig erkranktes Personal. Davon – und insofern können wir gleich wieder Entwarnung geben – soll dieser Text allerdings auch nicht handeln. Vielmehr wollen wir mal ein Lob aussprechen: für die Lokführerin, die regelmäßig zwischen Frankfurt und dem Taunus unterwegs ist und mit viel Engagement versucht, die Pünktlichkeit der Deutschen Bahn zumindest ein bisschen zu verbessern. Konkret, indem sie die Fahrgäste darüber aufklärt, wie jeder Einzelne dazu beitragen kann. Insbesondere dadurch, dass man pünktlich am Gleis ist und nicht versucht, in letzter Minute noch in den Zug zu springen – was oft ja nur klappt, weil nette Menschen die Tür für einen aufhalten. Doch so sammeln die S-Bahnen nach und nach immer mehr Verspätung an, wie die Lokführerin in ihren Durchsagen unermüdlich erklärt. Manchmal sogar an jeder Haltestelle aufs Neue. „Liebe Fahrgäste, wir haben jetzt schon zwei / vier / sechs Minuten Verspätung ...“ Nun könnte man einwenden, dass es viele andere Stellschrauben gibt, mit denen die Deutsche Bahn ihre Pünktlichkeit verbessern könnte, und dass das Problem wohl kaum in erster Linie bei den Fahrgästen liegt. Mancher Mitpendler würde morgens ganz offensichtlich auch lieber in Ruhe sein Buch lesen oder durchs Handy scrollen, als immer wieder die gleichen Durchsagen zu hören. Wir hingegen wollen die Lokführerin in ihrem Engagement bestärken. Laufend Verspätungen durchsagen zu müssen und den Frust der Kunden abzubekommen, ist sicher kein Spaß. Da könnte man auch resignieren und sich auf eine „Dienst nach Vorschrift“-Haltung zurückziehen. Stattdessen versucht die Lokführerin, einen kleinen Beitrag zu leisten, damit sich die Lage verbessert. Wenn wir das nächste Mal spät dran sind, werden wir an sie denken.