FAZ 10.12.2025
13:38 Uhr

Kolumne „Nine to five“: Weihnachtsfeier ertrotzt


Sich der Feierfreude in diesen Tagen hingeben, das Team mag es, der Chef nicht. Das birgt Zündstoff. Sticheleien durchträufeln den Advent.

Kolumne „Nine to five“: Weihnachtsfeier ertrotzt

Friede auf Erden und im Büro. Der kleine Kosmos wird in diesen Tagen zum ideologischen Kampfplatz. Polarisiert wird selbstverständlich auch hier: Die einen zelebrieren ihre Feierseligkeit, für die anderen verschärft dieses gefühlige Klimbim den Jahresendzeitstress. Heftig prallen diese Welten aufeinander. Die Ausgangslage im kleinen Bauunternehmen: Der neue Chef ist effizienzgetrimmt und hat mit Weihnachtsgedöns nichts zu schaffen. Anders die meisten der Mitarbeiter, die fahren seit Wochen Süßkram auf und ziehen nach Feierabend Richtung Weihnachtsmarkt. Den Chef provoziert das. Spekulatius schmäht er, darin sei sozusagen der „Speck“ schon enthalten. Bei Glühweinplörre schüttelt es ihn, was soll daran toll sein, sich an Disneyland-Buden in Nasskälte die Beine in den Bauch zu stehen und in selbigen überteuertes Frittiertes zu stopfen?! Unterhalten könne man sich bei Mariah-Carey-Dauerschleifengesülze sowieso nicht. Eine eigene Wutrede widmet er dem Schrottwichteln, die beginnt bei Grinch-Socken und endet bei chinesisch-chemisch verseuchten Duftkerzen. Oh, selige Corona-Zeit, war das schön, da hatte er seine Ruhe. Sein Team trotzt. So kommt der ihnen nicht davon! Sie haben die älteren Rechte: Unter seinen Vorgängern war alles viel, viel besser, die hätten sich nicht lumpen lassen, Lebkuchen spendiert, opulente Feiern ausgerichtet . . . Solche Seitenhiebe durchträufeln den Advent. Das geht dem feier­feindseligen Nachfolger dann doch gegen die Ehre. Sein Stellvertreter untermauert den kollektiven Wunsch nach einer „anständigen Einladung“: Gute Stimmung zahlt sich aus, erhöht die Leistung, mindert den Krankenstand. Der Chef knickt ein. Die Assistentin hat „unverbindlich“ einen Tisch reserviert, strahlt ihn gewieft an: „Sie mögen doch Leute, die mitdenken.“ In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern.