FAZ 23.02.2026
09:42 Uhr

Kolumne „Nine to Five“: 14 Stockwerke


Eine kleine Gruppe von Kollegen geht das Thema Büro-Fitness sehr ambitioniert an und nimmt nach dem Mittagessen in der Kantine die Treppe. Das schweißt zusammen – und zwar mehr als jedes Teambuilding.

Kolumne „Nine to Five“: 14 Stockwerke

Sind Sie auch ein Büromensch? Dann wissen Sie sicher, wie schwer es sein kann, sich im Alltag ausreichend zu bewegen. An guten Tipps von Sportwissenschaftlern mangelt es nicht: Statt des Aufzugs öfter mal die Treppe nehmen, nicht den nächstgelegenen, sondern den weiter entfernten Drucker nutzen, in der Mittagspause spazieren gehen. Natürlich alles sehr sinnvoll – nur an der Umsetzung scheitert es häufig. Und ist es nicht eigentlich schon viel wert, dass wir zumindest regelmäßig im Stehen arbeiten und nicht den ganzen Tag sitzen? Eine kleine Gruppe von Kollegen geht das Thema Büro-Fitness noch viel ambitionierter an und nimmt nach dem Mittagessen in der Kantine die Treppe. In den 14. Stock. Jeden Tag. Wir hielten die Idee nach dem Umzug ins neue Gebäude zunächst für einen Scherz. 14 Stockwerke laufen – ausgerechnet nach dem Mittagessen? Nach einem Salat mag das gehen, aber nach einem Erbseneintopf oder einem Teller Nudeln? Doch die Kollegen zogen es eisern durch, und irgendwann begannen wir, mit Treppe zu laufen. Um ehrlich zu sein: allerdings nur ab und zu. Denn wir holen uns nach dem Essen einfach noch sehr gerne einen Cappuccino – und allein Treppe zu laufen, das ist nichts. Die Kollegen halten das natürlich für eine Ausrede, machen Scherze darüber und lassen nicht locker. Was ihnen hoch anzurechnen ist. Selbstverständlich wissen wir, wie gut Treppenlaufen dem Körper und der Psyche tut. Das gemeinsame Treppensteigen ist jedoch viel mehr als ein Fitnessprogramm – es schweißt zusammen, gerade weil es wehtut. Wenn ab dem siebten Stockwerk die Luft langsam dünner und manch einer etwas einsilbig wird, formt sich eine Art Schicksalsgemeinschaft, die kein teures Teambuilding so hervorbringen könnte. Sich davor zu drücken, fühlt sich für die Kollegen möglicherweise illoyal an. Daher hier das Versprechen: Morgen sind wir wieder dabei. Den Cappuccino trinken wir jetzt häufiger schon vormittags. In der Kolumne „Nine to five“ schreiben wöchentlich wechselnde Autoren mit einem Augenzwinkern über Kuriositäten im Arbeitsleben.