FAZ 07.03.2026
20:41 Uhr

Kölner VAR-Ärger: „Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe es nicht“


Der 1. FC Köln beginnt forsch gegen Borussia Dortmund, gerät dann aber in Rückstand. Und weil Simpson-Pusey kurz vor der Halbzeit vom Feld geschickt wird, hat der BVB anschließend leichtes Spiel. Zumindest bis zur 88. Minute.

Kölner VAR-Ärger: „Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe es nicht“

Zumindest mit einer ordentlichen Portion Dramastoff können die armen Kölner sich nach dem 1:2 (0:1) gegen Borussia Dortmund trösten, das zwischenzeitlich eine recht trostlose Angelegenheit für die Rheinländer gewesen ist. Nach einer Stunde lagen sie 0:2 zurück, waren aufgrund einer Roten Karte für den Verteidiger Jahmai Simpson-Pusey nur noch zu zehnt, auch das Publikum war irgendwann deprimiert verstummt. Und doch wurden die finalen Minuten noch zu einem faszinierenden Bundesligaspektakel. Drei Mal war der Kölner Torhüter Marvin Schwäbe in der Nachspielzeit bei Standardsituationen mit vorne im Dortmunder Strafraum. Sogar einen Handelfmeter hätten die Kölner noch bekommen können, nachdem der Ball in der sechsten Minute der Nachspielzeit an den Arm von Yan Couto gesprungen war. „Ich muss ganz ehrlich sagen, ich verstehe es nicht“, zürnte Sportgeschäftsführer Thomas Kessler und Trainer Lukas Kwasniok sagte: „Da gibt es für mich nicht so viele unterschiedliche Möglichkeiten, wie man diese Szene bewerten kann. Das passt irgendwie zu den vergangenen Tagen und Wochen und macht das Spiel heute bitter. Ich hinterfrage die Gesamtsystematik mit dem VAR schon seit Jahren.“ „Enttäuscht, aber stolz“ Am Ende mussten die Kölner sich damit begnügen, Widerstand geleistet und ein so gut wie verlorenes Spiel noch einmal spannend gemacht zu haben. „Ich glaube, dass heute viele Leute enttäuscht, aber stolz nach Hause gehen“, sagte Kessler. Ein schwacher Trost, denn gegen diese Dortmunder, die nach dem verlorenen Spiel gegen den FC Bayern und dem Aus in der Champions League ziemlich lustlos wirkten, war viel mehr möglich. Aber die Kölner machten wieder einmal ein paar Fehler zu viel. So war Isak Johannesson ein ziemlich überflüssiger Fehlpass unterlaufen, in dessen Folge der BVB seine erste Ecke schlagen durfte. Der zunächst geklärte Ball landete dann doch wieder im Strafraum, wo Serhou Guirassy das 0:1 erzielte (16.). Nach dem 0:1 war dann für einige Minuten gut erkennbar, wie angeschlagen die Kölner mental sind. Der Schwung der Anfangsphase, in der die Mannschaft mit großer Energie angriff und nach 15 Minuten ein Eckenverhältnis von 6:0 erspielt hatte, war verflogen: Schultern hingen, Missverständnisse häuften sich. Und kurz vor der Pause hatte Simpson-Pusey auch noch diese spezielle Sorte Pech, die im Kampf gegen den Abstieg besonders schmerzlich ist. In einem Zweikampf trat der Kölner Innenverteidiger zwar ohne erkennbare Absicht, aber eben doch recht hart in die Ferse von Maximilian Beier und sah nach einem Eingriff des VAR die Rote Karte. Der Stadionsprecher ließ sich in diesem Augenblick dazu hinreißen, ein „Pfui, widerlich!“ ins aufgedrehte Mikrofon zu rufen, was Sportchef Kessler später deutlich kritisierte. Aber der Frust war eben groß. Die Kölner lagen zurück, waren in Unterzahl, und Beier traf am Ende eines hübschen Spielzuges nach einer Stunde auch noch zum 0:2. In diesem Moment schien die Partie entschieden, für etliche Minuten war es sehr still im Stadion, aber die Dortmunder gaben den Kölnern die Chance, im Spiel zu bleiben, die der FC irgendwann auch ergriff, nach Kaminskis 1:2 (88.) war wieder alles möglich. „So lange die Mannschaft so funktioniert, so lebt zusammen mit dem Stadion, werden wir am Ende gewinnen“, sagte Kwasniok, der zunächst aber weiterhin mit einigen unangenehmen Themen konfrontiert sein wird. Brandt verlässt BVB am Saisonende Das gehypte Talent Said El Mala hat die Leichtigkeit der Hinrunde verloren. In der Defensive passieren zu viele Fehler, abermals musste der FC ein Tor nach einer Standardsituation hinnehmen. Aber die Mannschaft gab und gibt sich nicht auf, daran halten die Kölner sich fest, während die Dortmunder ihre Leistung sehr kritisch sahen. „Wir sind sehr glücklich über die drei Punkte, aber wirklich zufrieden sind wir nicht“, sagte der Dortmunder Sportgeschäftsführer Lars Ricken, der nach der Partie offiziell bekannt gab, dass Julian Brandt den BVB am Saisonende nach sieben Jahren verlassen wird. Der Vertrag mit dem Mittelfeldspieler wird nicht verlängert. In Köln steht unterdessen neben der Trainerdiskussion auch die Frage nach der Qualität des Kaders im Raum. Sportgeschäftsführer Kessler wurde ja in den Herbstmonaten für seine Transfers bejubelt, weil Kaminski, Ragnar Ache, El Mala und während einer kurzen Phase auch Marius Bülter, genau wie die Außenverteidiger Kristoffer Lund und Sebastian Sebulonsen, gut funktionierten. Dass Johannesson eine große Enttäuschung ist, fiel da nicht so stark ins Gewicht. Inzwischen spielen all diese Neuzugänge schwankend, und gerade in der Defensive zeigen sich immer wieder deutliche Schwächen. Die Erfolge, die die Kölner so dringend herbeisehnen, bleiben einfach aus, nur ein Punkt aus den jüngsten fünf Partien ist ein sehr magerer Ertrag. Es folgen Duelle beim Hamburger SV und anschließend gegen Borussia Mönchengladbach in zwei Wochen, in denen der Druck enorm sein wird.