Herr Kölbl, wann haben Sie entschieden, dem Rentenpaket zuzustimmen? Ich habe die Entscheidung im Laufe des Sonntags getroffen. Nachdem der Koalitionsausschuss getagt hat, habe ich für mich beschlossen, ein paar Nächte darüber zu schlafen und die Ergebnisse sacken zu lassen. Welche Argumente haben Sie umgestimmt? Auf der einen Seite sehe ich das Paket weiterhin kritisch, weil es die Kosten des demographischen Wandels einseitig auf die junge Generation verteilt. Auf der anderen Seite sehe ich, dass wir in unruhigen Zeiten leben, in denen wir eine stabile Regierung brauchen. Meine Zustimmung zum Rentenpaket schien mir notwendig für diese Stabilität. Außerdem nehme ich das Versprechen ernst, dass wir eine echte Rentenreform noch in Angriff nehmen werden. Es wurde viel darüber spekuliert, was die Fraktionsspitze jungen Abgeordneten für eine Zustimmung anbieten könnte. Hat man Ihnen ein Versprechen gemacht? Nein. Es gab bis zuletzt Gespräche, die waren aber rein inhaltlich. Es gab weder Versprechen noch Drohungen. Sie sitzen seit dem Frühjahr im Bundestag. Spielt da auch eine Rolle, dass man sich nicht gleich das Verhältnis zu Kanzler und Fraktion verscherzen will? Das spielt eine Rolle. Es ist schon ein Spagat zwischen dem, was man selbst für richtig hält, was die eigene Partei auf Bundesebene für richtig hält, was sie im Wahlkreis für richtig hält – und was die Bürgerinnen und Bürger für richtig halten. Es ist nicht einfach, das gegeneinander abzuwägen. Haben Sie ein mulmiges Gefühl, dem Rentenpaket nun doch zuzustimmen? Ich bin nicht glücklich mit meiner Entscheidung, aber ich halte sie für erforderlich. Ich habe damit meinen Frieden geschlossen, aber es ist keine Hundert-zu-null-Entscheidung. Am Ende möchte ich mit meiner Stimme nicht das Rentenpaket verhindern. Wie kam Ihre Entscheidung in der Jungen Gruppe an? Wir akzeptieren unsere Entscheidungen gegenseitig und haben weiterhin einen starken Zusammenhalt. Einige sind sich im Klaren und sprechen darüber, wie sie abstimmen werden, andere sprechen noch nicht, andere haben ihre Entscheidung noch zu treffen. Wir werden nach der Abstimmung geschlossen weiter dafür kämpfen, dass die junge Generation nicht übermäßig hohe Kosten tragen muss. Versuchen Sie nun, innerhalb der Jungen Gruppe Überzeugungsarbeit zu leisten, doch noch zuzustimmen? Nein, ich will keinen katholisch machen. Jeder trifft die Entscheidung für sich, ich möchte niemanden unter Druck setzen. Wie angespannt erleben Sie das Verhältnis zwischen Kanzler, Fraktion und Junger Union? Der Wunsch, viel durchzusetzen, ist in der Jungen Union groß. Auch ich bin im Frühjahr hoffnungsfroh und idealistisch in den Bundestag eingezogen und bin an dieser Stelle – wie andere auch – enttäuscht. Bei der Migrationspolitik haben wir andererseits sehr viel hinbekommen. Der Kanzler muss die Regierung zusammenhalten, wofür ich Verständnis habe. Mein Vertrauen in Friedrich Merz ist da, auch mit Blick auf eine echte Rentenreform. Und wie groß ist Ihr Vertrauen in die SPD noch? Ich hätte mir gewünscht, dass wir parlamentarische Gepflogenheiten wahren und uns auch für dieses Gesetz mögliche Änderungen im Bundestag offenhalten. Ich bin auch irritiert davon, dass Bärbel Bas die Arbeitgeber mitten in einer Wirtschaftskrise als Gegner beschreibt und Teile ihrer Partei Änderungen beim Bürgergeld fordern. Bei mir ist Vertrauen in die SPD verloren gegangen, aufgebraucht ist es aber nicht. Wir sind dazu verdammt, dass diese Regierung funktioniert. Meine Haltung ist: Wir ziehen das jetzt durch, aber die SPD wird mit dieser Methode nicht immer durchkommen.
