Der Austritt des brandenburgischen Finanzministers Crumbach aus dem BSW und die Aufnahme in die Landtagsfraktion seiner früheren politischen Heimat SPD haben einer Koalition den Garaus gemacht, deren Grundlage nicht in erster Linie gemeinsame Überzeugungen waren, sondern die Mehrheitsverhältnisse im Potsdamer Stadtschloss nach der Landtagswahl im September 2024. Einer Koalition der Mitte fehlte wegen des desaströsen Abschneidens der CDU eine Stimme zur Mehrheit; ein Bündnis der SPD mit der annähernd gleich starken AfD war (und ist) undenkbar; also blieb Ministerpräsident Dietmar Woidke nur das wenige Monate alte Bündnis Sahra Wagenknecht, um die seit 1990 ununterbrochene Vorherrschaft der Sozialdemokratie fortzusetzen. Unberechenbare BSW-Fraktion Doch das aus der Not geborene Konstrukt hielt nur so lange, wie die bunt zusammengewürfelte BSW-Fraktion halbwegs berechenbar war. Damit war es spätestens im vergangenen Herbst mit dem Streit über neue Rundfunkstaatsverträge vorbei. Nun haben Crumbachs Bruch mit dem BSW und der Austritt zweier weiterer BSW-Abgeordneter aus der Fraktion der SPD die Möglichkeit eröffnet, auf die CDU zuzugehen und Koalitionsgespräche anzubieten. Die könnte darauf bauen, dass bis Herbst 2029 eine durchaus komfortable Mehrheit im 88 Abgeordnete zählenden Landtag gesichert wäre. Drei Jahre lang hätten die Parteien der Mitte es dann in der Hand, eine Politik für Brandenburg zu machen, die die Bäume der AfD nicht weiter in den Himmel wachsen ließe. Carpe diem.
