Enrico Schleiff bleibt Präsident der Goethe-Universität. Der erweiterte Senat wählte den Biologieprofessor im zweiten Wahlgang mit der knappstmöglichen Mehrheit von 18 Stimmen, wie die Universität am Mittwoch mitteilte. Schon 2020 war Schleiff mit dem gleichen Ergebnis in sein Amt gewählt worden. Sein Gegenkandidat bei der jetzigen Wahl, der Physikprofessor Roger Erb, erhielt im zweiten Wahlgang 16 der 34 Stimmen. Seit der Wiederwahl von Rudolf Steinberg 2006 war kein Präsident der Frankfurter Universität im Amt bestätigt worden. Schleiffs zweite Amtszeit beginnt am 1. Januar nächsten Jahres und dauert sechs Jahre. Mit seiner Wiederwahl verbindet sich unter anderem die Hoffnung, dass es der Uni Frankfurt im Verbund mit den Universitäten Darmstadt und Mainz gelingt, den Titel „Exzellenzuniversität“ zu erlangen. Im April werden sich die Gutachter des Wissenschaftsrats bei Besuchen in den Hochschulen über deren Konzepte informieren. Gleichzeitig muss Schleiff nun die Einsparungen in die Tat umsetzen, die durch den neuen Hochschulpakt mit dem Land Hessen erzwungen werden. Möglich sind unter anderem Institutsschließungen und die Einstellung von Studiengängen. „Ich bin sehr froh über die Wahl und danke dem erweiterten Senat für das damit gewährte Vertrauen“, sagte Schleiff. Er habe in den vergangenen Wochen viele Gespräche geführt, positive Rückmeldungen, Anregungen und Kritik gleichermaßen aufgenommen und auch in der Anhörung, in der er sich den Fragen der Universitätsangehörigen gestellt habe, „gut zugehört“. „Wir können dieses Tempo nicht auf Dauer leisten“ Seine erste Amtszeit sei in für die Universität herausfordernde Jahre gefallen, in denen die Hochschule auf interne und gesellschaftliche Entwicklungen habe reagieren müssen, so Schleiff weiter. Das habe zu einer „hohen Veränderungsdynamik“ geführt; schnelle Entscheidungen seien nötig gewesen. „Unsere Organisation kann dieses Tempo der Veränderung nicht auf Dauer leisten, ohne sich und ihre Beschäftigten zu überfordern. Zugleich ist das Erreichte noch nicht dauerhaft gesichert, stellenweise sogar gefährdet, weil sich die finanziellen und politischen Rahmenbedingungen verschlechtern.“ In den nächsten Jahren gelte es daher, zu „entschleunigen“ und auf Basis des unieigenen Entwicklungsplans Verlässlichkeit für Kollegen und Studenten zu schaffen, führte Schleiff aus. Er lade alle Mitglieder der Universität ein, gemeinsam mit ihm und den Gremien Lehre, Forschung und den Dialog mit der Gesellschaft zu gestalten – und nun als Erstes die Begutachtung des Exzellenzantrags „bestmöglich über die Bühne zu bringen“. Nach Worten der Vorsitzenden des Hochschulrats, Silke Lautenschläger, haben mit Erb und Schleiff „zwei hervorragende Persönlichkeiten“ zur Wahl gestanden. Schleiff habe vor allem mit den Erfolgen in der Exzellenzstrategie und dem gemeinsamen Antrag der Rhein-Main-Universitäten, aber auch mit vielen strategischen Entscheidungen einen „für die Goethe-Universität sehr vielversprechenden Kurs gestaltet“. Der AStA reagierte auf Schleiffs Wiederwahl mit Kritik. „Angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre sehen wir keinen Anlass zu der Annahme, dass sich die aktuellen Probleme – von verschärften Studienbedingungen bis zu einem wiederkehrenden Mangel an transparenter, wertschätzender Kommunikation – unter derselben Leitung substanziell verbessern werden“, äußerte Vorstandsmitglied Safin Rahi. Der AStA hatte sich öffentlich gegen eine zweite Amtszeit Schleiffs ausgesprochen. Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) äußerte, Schleiff habe die Goethe-Universität „souverän und besonnen“ durch schwierige Situationen wie die Corona-Pandemie, die Energiekrise, den Hackerangriff auf das Uniklinikum und die Gaza-Proteste geführt. Gleichzeitig habe er Forschung und Lehre gefestigt.
