Es werde Licht: beleuchtete Fahrradwege Jede Nacht kommen mehr als eine Milliarde von ihnen zu Tode. Keine Menschen, aber Insekten. Sie werden auf Deutschlands Straßen getötet, weil sie von Autoscheinwerfern angezogen werden. Licht kann gefährlich sein, auch für andere Tiere und für den Menschen. Denn zu viel davon und auch eine zu hohe Intensität bringen den Tag-Nacht-Rhythmus durcheinander. Nachtaktive Vögel zum Beispiel verlieren die Orientierung, fliegen gegen beleuchtete Hochhäuser, verenden qualvoll. Die nächtliche Dauerbeleuchtung verändert auch das Sing- und Fortpflanzungsverhalten mancher Vögel, weil sie jedes Zeitgefühl verlieren. Genauso wie der Mensch, der bei zu viel Licht unter Schlafstörungen leiden kann, weil das Hormon Melatonin nicht produziert wird. Ein großer Teil dieser Lichtverschmutzung ist auf schlecht konstruierte und ineffektive Lichtquellen zurückzuführen. Dunkelheit wiederum kann auch gefährlich sein. Wer bewegt sich schon gerne nachts im Freien ohne genügend Licht? Genau da setzen Tobias Trübenbacher und Andreas Lang an. Die beiden Produktdesigner aus München wollten für die World Design Capital 2026 den Fahrradweg zwischen Offenbach und Frankfurt beleuchten, in Teilen sogar erstmals. Das Pilotprojekt sollte am 6. Mai präsentiert werden und bis Ende Oktober laufen. Womöglich auch länger. Doch leider scheiterte es an einer bürokratischen Hürde. Ein Abschnitt des etwa sechs Kilometer langen Wegs führt durch eine Naturschutzzone. Und da stellten sich die Behörden quer. Deswegen wechselten die beiden auf die gegenüberliegende Seite des Mains auf eine große Freifläche an der Weseler Werft, um ihr Beleuchtungskonzept zu präsentieren. Das Besondere an ihrem Main Light: Anders als herkömmliche Straßenbeleuchtung ist das System völlig autark. Zudem verringert es die Lichtverschmutzung erheblich. Weitere Vorteile: Die Solarpaneele senken den Energiebedarf und spenden am Tag sogar Schatten. Tobias Trübenbacher und Andreas Lang haben ihr Pilotprojekt mit zwei Partnern entwickelt. Mit dem Kitzinger Unternehmen ASCA, das Solarfolien auf der Basis organischer Photovoltaik herstellt; diese sind besonders leicht, flexibel und transparent. Und mit dem in Südtirol beheimateten Unternehmen ewo, das auf innovative LED-Beleuchtungen spezialisiert ist. Die bunten Main-Light-Solarfolien fangen tagsüber Sonnenlicht ein. Die Energie wird in Akkus gespeichert und nachts verbraucht. Jedes Modul steht für sich allein, kommt ohne Stromleitungen aus, die sonst aufwendig unter der Erde verlegt werden müssten. Main Light ist nicht nur autark, es steuert sein Licht auch selbst. Dafür sorgen Sensoren. Nur wenn sich tatsächlich jemand nähert, gehen die LED-Strahler an. Mithilfe von Infrarottechnik kann der Sensor sogar zwischen kleineren Tieren wie einem Fuchs und einem Menschen unterscheiden – das Licht erstrahlt also nur, wenn es wirklich benötigt wird. Ansonsten wird es auf lediglich zehn Prozent Helligkeit gedimmt. Damit will das Designerduo die Lichtverschmutzung so gering wie möglich halten. Was eigentlich auch die Naturschutzbehörden hätte überzeugen müssen. Informationen über das Projekt Main Light auf der Website der World Design Capital 2026: www.wdc2026.org Es grünt so grün: Vertikale Gärten als Klimaschutz Nur um Bäume, die in den Himmel wachsen, geht es ihnen nicht. Aber um Pflanzen schon. Denn nichts hilft gegen die Überhitzung von Städten besser als möglichst viel natürliches Grün. Da der Platz am Boden meist fehlt, muss man eben auch vertikal denken, von unten nach oben oder andersherum. Genau das ist der Ansatz von Nicola Stattmann (rechts) und Carlotta Stoll, zwei Produktdesignerinnen, die vor fünf Jahren anfingen, sich mit bewachsenen Wänden und schattenspendenden Laubengängen zu beschäftigen. Dafür haben die beiden ein Start-up in Frankfurt gegründet, das Office for Micro Climate Cultivation (OMCC). Und dafür arbeiten sie auch mit Ingenieuren und Wissenschaftlern der RWTH Aachen zusammen, mit Gärtnereien, dem Deutschen Wetterdienst, der Stadt Frankfurt und nun auch mit den Verantwortlichen der World Design Capital (WDC) Frankfurt/Rhein-Main. Erste Ideen haben schon Form angenommen: Die beiden entwickelten vertikale Begrünungssysteme in Leichtbauweise, an deren Ständerwerken sich schnell wachsende einjährige Pflanzen wie etwa Prunkwinde, Glockenrebe und Hopfen etliche Meter in die Höhe ranken können. Das meiste lässt sich im Herbst einfach kompostieren, selbst die Rankhilfen, die aus einem eigens entwickelten Netz aus dem nachwachsenden Rohstoff Flachs bestehen. Ein Prototyp wurde schon 2023 im Hof des Senckenberg-Naturmuseums in Frankfurt aufgestellt, als Platz zum Verweilen mit Sitzbänken. Es ist die erste freistehende Anlage in einem innerstädtischen Raum. Jedes Modul ist zehn Meter hoch, bietet Platz für drei zweireihige und freischwebende Pflanzgefäße, die aus einem Gewebe bestehen und eigens entwickelt wurden, sowie genügend Fläche für die Flachsnetze, an denen sich 15 unterschiedliche Kletterpflanzen den Sommer über ausbreiten können. Für das nächste Frühjahr haben Nicola Stattmann und Carlotta Stoll jetzt mit ihrem Team ein neues Projekt für die World Design Capital erarbeitet: ein Grün-Set, das aus Halterungen, Ranknetz, einem Behälter samt Substrat und Samen besteht. Die Netze kann jeder selbst zu Hause von außen vor sein Fenster spannen, aus den Samen sprießen schnell rankende Kletterpflanzen, die bis zum Herbst einen grünen und auch blühenden Vorhang bilden, der die Wohnung vor Sonne und Hitze, vielleicht ja auch vor neugierigen Blicken oder unschönen Ausblicken schützt. Wer mag, kann seine ganze Fassade von Fenster zu Fenster damit bedecken. Netze und Grünzeug lassen sich vor der kalten Jahreszeit abnehmen und als Biomasse entsorgen. Mit Schattengrün soll ein ökologisches Gemeinschaftsprojekt entstehen, das Menschen auch für den Klimaschutz zusammenbringt. Jeder kann sich beteiligen und bis Anfang März ein Grün-Set bei OMCC vorbestellen. Informationen über das Grün-Set auf der Website des Office for Micro Climate Cultivation: www.omc-c.com
