FAZ 19.12.2025
17:05 Uhr

Klima: US-Regierung will Institut für Atmosphärenforschung schließen


Eine der renommiertesten Einrichtungen für Atmosphärenforschung steht möglicherweise vor dem Aus. Eine Katastrophe für die internationale Klimawissenschaft, sagen Experten.

Klima: US-Regierung will Institut für Atmosphärenforschung schließen

Die US-Regierung hat angekündigt, eines der weltweit renommiertesten  Klimaforschungszentren zu schließen – das National Center for Atmospheric Research (NCAR) in Boulder, Colorado. Das meldet jetzt das Wissenschaftsmagazin „Nature“.  Die Begründung des Weißen Hauses für diesen Schritt: Das NCAR sei eine „Hochburg linken Klima-Irrsinns“. Die Mittel für das Institut stammen bislang hauptsächlich aus dem Bundeshaushalt. Als „zentrale Säule der internationalen Klimaforschung“ bezeichnete Gerrit Lohmann vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven das NCAR gegenüber dem Science Media Center. „Die Trump-Regierung lege nun den Hammer an die Grundpfeiler für das Verständnis unseres Planeten“, zitiert „Nature“ die Klimawissenschaftlerin Katharine Hayhoe von der Texas Tech University in Lubbock. Das Institut in Boulder, das im Jahr 1960 gegründet wurde, erforscht nicht nur das Klima. Die Wissenschaftler dort befassen sich auch mit allen Aspekten der Atmosphäre, von der Wolkenbildung und Luftverschmutzung bis hin zu den Auswirkungen der Treibhausgasemissionen auf das Klima. Am NCAR wurden weltweit führende Klima- und Erdsystemmodelle entwickelt und gepflegt sowie Daten zu Atmosphären-, Ozean- und Klimaprozessen erhoben. Das Forschungsinstitut ist international vernetzt, auch Einrichtungen in Deutschland kooperieren mit NCAR-Forschern, etwa in der Entwicklung von experimentellen Mess- und Beobachtungsverfahren und von Modellierungen. Viele der Leistungen des Instituts würden gemeinschaftlich genutzt, sagt Gerrit Lohmann. Kurzfristig sei es nicht durch andere Institute ersetzbar. „Zahlreiche am NCAR entwickelte und gepflegte Datensätze, Reanalysen und Modellprodukte sind für die laufende Forschung an deutschen und europäischen Einrichtungen von unmittelbarer Bedeutung.“ Lohmann befürchtet, dass die Qualität von Extremwetteranalysen und Klimaprojektionen ohne die Daten vom NCAR schlechter wird. Daniela Domann von der ETH Zürich ergänzt gegenüber dem Science Media Center, dass eine solche Budgetkürzung nicht nur die Klimaforschung trifft – „das ausgesuchte Ziel der Trump-Regierung“, sondern auch die Wetterforschung, die Frühwarnsysteme für Naturgefahren entwickelt und solche Warnungen kommuniziert. Der Kongress muss den Kürzungsplänen der Regierung noch zustimmen. Der Abgeordnete aus Boulder, Joe Neguse von den Demokraten, hat bereits Widerstand angekündigt.