FAZ 06.01.2026
13:14 Uhr

Klaus Grohe gestorben: Armaturenhersteller Hansgrohe verliert seinen Wegbereiter


Zwischen 1968 und 2015 prägte Klaus Grohe die Geschicke des baden-württembergischen Wasserhahn- und Badkeramikherstellers. Nun ist er im Alter von 88 Jahren gestorben.

Klaus Grohe gestorben: Armaturenhersteller Hansgrohe verliert seinen Wegbereiter

Er hat den Armaturenhersteller groß gemacht. Sein modernes Design brachte das Unternehmen Hansgrohe mit Sitz in Schiltach im Schwarzwald zu Weltruhm. Der Familienunternehmer Klaus Grohe ist nun am 3. Januar im Alter von 88 Jahren gestorben, wie die Syngroh Beteiligungsgesellschaft und Hansgrohe Group SE gemeinsam mitteilten. Klaus Grohe, der Sohn von Unternehmensgründer Hans Grohe, wurde 1937 in Aachen geboren. Nach seinem Studium der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre in Bern und nach der Sammlung von ersten beruflichen Erfahrungen war er erst 1968 als Prokurist und Vertriebsleiter in den väterlichen Betrieb gegangen. Der Grund: „Der ‚Alte Herr‘, wie man Hans Grohe respektvoll nannte, hatte testamentarisch verfügt, dass ich nicht vor meinem 25. Lebensjahr bei Hansgrohe aktiv werden dürfe“, erzählte der Junior einmal. Vorliebe für schnittige Autos Wenn er gekonnt hätte, wäre Klaus Grohe vielleicht nicht Sanitär-Unternehmer geworden, sondern Rennfahrer. Die engen Schwarzwaldstraßen hatten es ihm genauso angetan wie große Rennstrecken. Zusammen mit Heinrich Baumgartner, dem Gründer des einstigen Felgenherstellers BBS, schraubte er manche Nacht an schicken Rennflitzern. Und vielleicht hat ihm seine Vorliebe für schnittige Autos manchmal auch als Sanitärunternehmer geholfen. Denn Design sollte eines seiner größten Themen werden. Beinahe fünf Jahrzehnte war Klaus Grohe in dem Unternehmen in verschiedenen Positionen aktiv, als geschäftsführender Gesellschafter, ab 1999 als Vorstandsvorsitzender und von 2008 bis 2015 als Vorsitzender des Aufsichtsrats. Grohe prägte das Unternehmen. Er musste es umkrempeln. Denn: Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten die Menschen den Badausstattern die Produkte zunächst aus der Hand gerissen. Doch in den 1960ern waren allmählich alle eingedeckt gewesen. Nun entwickelte Grohe eine farbenfrohe Werbung und verkaufte das Duschen als emotionales Erlebnis. Schließlich engagierte er Designer, mit denen zusammen er den traditionell silbernen Badbrausen bunte Farben verpasste, mit Formen und Funktionen experimentierte und den Wasserverbrauch senkte. „Es ist fast eine erotische Beziehung, die man zu solchen Produkten entwickelt“, hatte er einmal gesagt. Der Vorsitzende des Vorstands der Hansgrohe SE, Hans Jürgen Kalmbach, würdigt ihn mit den Worten: „Er hat das Fundament für den weltweiten Erfolg der Unternehmensgruppe gelegt und die DNA von Hansgrohe maßgebend geprägt.“ Im Jahr 2024 erwirtschaftete die Hansgrohe Gruppe mit ihren Armaturen, Brausen und Duschsystemen einen Umsatz von 1,38 Milliarden Euro. Weltweit beschäftigt das Unternehmen rund 5600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 60 Prozent in Deutschland. Der Armaturenhersteller gehört nicht mehr der Familie alleine. Die Syngroh Beteiligungsgesellschaft, die das Vermögen der Familie Klaus Grohe verwaltet, hält 32 Prozent der Anteile.