FAZ 01.03.2026
16:03 Uhr

Klage gegen Zensus 2022: Kommunen brauchen Klarheit


Hanau klagt gegen das Ergebnis des Zensus 2022, weil die Zahl der Einwohner nach dieser Berechnung deutlich niedriger liegt, als es die städtischen Daten sagen. Mit ihrem Widerstand sind die Hessen nicht alleine.

Klage gegen Zensus 2022: Kommunen brauchen Klarheit

Ob Hanau eine Großstadt mit mehr als 100.000 Einwohnern ist oder das erst im nächsten Frühjahr werden wird, damit befasst sich derzeit das Verwaltungsgericht. Grund: Das Statistische Landesamt ist bei seinen Berechnungen nach der Volkszählung 2022 zu einer deutlich niedrigeren Zahl gekommen als die Stadt selbst bei Durchsicht ihrer Meldeunterlagen. Fast 7000 Menschen beträgt die Differenz, und das kann für die Stadt teuer werden: Zehn bis elf Millionen Euro je Jahr könnten der Stadt so entgehen. Mit ihren Zweifeln sind die Hanauer nicht allein, auch andere Städte in Hessen klagen – und das Unbehagen zieht sich durch die ganze Republik. An dem Gutachten, mit dem die Stadt ihre Klage begründet und ihre Kritik am Berechnungsverfahren der Landesbehörde untermauern will, haben sich 279 Städte und Gemeinden beteiligt. Laut den Gutachtern reicht das von der Großstadt bis zum Weiler mit 16 Einwohnern, in dem auf einmal nur noch 15 Menschen leben sollen. Das mag an der prinzipiellen Unschärfe von statistischen Auswertungen liegen, irritiert aber trotzdem. Die Kritik der Kommunen und der Fachleute wird dadurch befeuert, dass viele Details zu den Berechnungsmethoden nicht offengelegt werden, jedenfalls ist das einer der Vorwürfe, die in dem Gutachten erhoben werden. Die grundsätzliche Berechtigung der Statistikämter für den Zensus steht dabei nicht zur Debatte, aber auch damit haben sich in der Vergangenheit schon Gerichte befasst. Aber man will – und muss wegen des Gelds – in den Rathäusern Klarheit haben. Ganz einleuchtend ist dabei nicht, warum auf den Zensus neben den kommunalen Melderegistern abgehoben wird. Die sind mit Sicherheit auch nicht zu einhundert Prozent korrekt und zuverlässig, aber wenn es zum Beispiel um Wahlen geht, dann wird vertrauensvoll auf diese Daten zurückgegriffen. Übrigens bieten die Rückläufer von Wahlbenachrichtigungen den Städten und Gemeinden eine von vielen Gelegenheiten, ihre Daten auf Stand zu bringen. Also liegt der Gedanke nah, sich auch in anderen Fragen auf diese Grundlage zu verlassen.