FAZ 16.12.2025
17:23 Uhr

Klage gegen Sender: Jetzt will Trump zehn Milliarden, was macht die BBC?


Donald Trump verklagt die BBC wegen angeblicher Verleumdung und unfairer Geschäftspraktiken auf Schadenersatz von zehn Milliarden Dollar. Der Sender sagt, er werde sich wehren. Herausgefordert ist auch die britische Politik.

Klage gegen Sender: Jetzt will Trump zehn Milliarden, was macht die BBC?

Donald Trump ist nicht kleinlich. Er verklagt die britische BBC nicht auf eine Milliarde oder fünf Milliarden Dollar Schadenersatz, sondern auf zehn Milliarden. Er wirft dem Sender Verleumdung und gesetzwidrige Geschäftspraktiken vor, mit jedem Vorwurf verbinden seine Anwälte die Forderung nach jeweils fünf Milliarden Dollar. Die Klage haben sie am Montag bei einem Bundesgericht in Florida eingereicht. Die BBC hat das Thema zuerst verbummelt, dann kam die Krise Gedroht mit der Klage hatte der US-Präsident seit Wochen, doch ließ er die BBC seit dem Beginn der Affäre um den Film „Trump: A Second Chance“ der Redaktion des Magazins „Panorama“ zappeln. In dem Film, der im Herbst des vergangenen Jahres, eine Woche vor dem Termin der US-Präsidentenwahl, lief, waren zwei Ausschnitte von Trumps Rede am 6. Januar 2021, dem Tag des Sturms auf das Kapitol, so zusammengeschnitten worden, dass der Eindruck entstand, er habe seine Anhänger direkt zu Gewalt aufgerufen. Auf diesen Umstand machte BBC-Berater Michael Prescott in einem internen Bericht aufmerksam. Die Führung des Senders reagierte nicht. Erst als der „Daily Telegraph“ die Geschichte aufgriff, kamen die Dinge in Gang. Die BBC entschuldigte sich, der Generaldirektor Tim Davie und die Nachrichtenchefin Deborah Turness traten zurück, der Sender ist in eine existenzielle Krise gestürzt. Was den manipulativen Schnitt bei „Panorama“ angeht, ist der Sender der Überzeugung, das Nötige veranlasst zu haben. Der Film wird nicht mehr gezeigt, der BBC-Vorsitzende Samir Shah entschuldigte sich im Namen der Sendeanstalt für den journalistischen „Fehler“, einen Grund für eine Entschädigung Trumps sah und sieht die BBC nicht. Gegen die Klage werde man sich verteidigen, sagte ein Sprecher des Senders. Dass die BBC „in diesem Punkt standhaft bleibt“, sei richtig, sagte der britische Sozial- und Sozialminister Stephen Kinnock in einem Fernsehinterview. Der Vorsitzende der Liberaldemokraten, Ed Davey, forderte derweil, die britische Regierung müsse deutlicher werden: „Die Trump-Regierung hat ganz klar gezeigt, dass sie sich in unsere Demokratie einmischen will, wozu auch die Schwächung unseres öffentlich-rechtlichen Senders gehört“, sagte Davey am Dienstag. „Der Premierminister muss unmissverständlich klarstellen, dass dies inakzeptabel ist.“ Trump weitete die Kampfzone aus Mit seiner Klage gegen die BBC weitet Donald Trump die Zone seines Kampfs gegen unabhängige Medien aus. In den USA sorgt er dafür, dass führende Medienkonzerne unter die Fuchtel seiner Unterstützer kommen – etwa die der Ellisons, die zuerst den Konzern Paramount übernommen haben und nun nach Warner Bros. inklusive CNN greifen. Oder er verklagt Medien wegen vermeintlicher journalistischer Fehler und angeblicher Voreingenommenheit auf horrende Summen. Bei den Sendern ABC und CBS erlöste er auf diese Weise in Vergleichsverhandlungen jeweils 16 Millionen Dollar. Bei der BBC verfolgt Trump dieselbe Taktik, allerdings übersteuert um das Mehrdutzendfache. Die BBC habe ihrer Entschuldigung für den Zusammenschnitt seiner Rede „weder echte Reue“ für das „Fehlverhalten gezeigt noch bedeutende institutionelle Änderungen vorgenommen, um künftige journalistische Missbräuche zu verhindern“, heißt es in der Klageschrift. Die BBC, meinte einer von Trumps Anwälten, „täusche“ ihre Zuschauer „in der Berichterstattung über Präsident Trump“ seit Langem, „um ihrer eigenen linken politischen Agenda zu dienen“. „Ich verklage die BBC, weil sie mir Worte in den Mund gelegt hat“, sagte Trump am Montag. „Sie haben mir buchstäblich Worte in den Mund gelegt. Sie haben mich Dinge sagen lassen, die ich nie gesagt habe.“ Um mit seiner Klage Erfolg zu haben, müsste Trump der BBC nachweisen, dass sie mit böser Absicht (actual malice) handelte. Zudem war die „Panorama“-Doku über ihn in den USA nie zu sehen, weder im Fernsehen noch im Streaming im Netz.