FAZ 21.01.2026
16:41 Uhr

Klage gegen „Daily Mail“: Prinz Harry kritisiert „never complain, never explain“-Strategie der Royals


Prinz Harry wehrt sich seit einigen Jahren gegen unliebsame Berichterstattung. Der „Daily Mail“ wirft er vor, ihn abgehört zu haben. Vor Gericht übte er am Mittwoch auch Kritik an seiner Familie.

Klage gegen „Daily Mail“: Prinz Harry kritisiert „never complain, never explain“-Strategie der Royals

Die Regeln des britischen Königshauses, nie gegen die Berichterstattung in den Medien vorzugehen, haben Prinz Harry nach eigenen Angaben jahrelang daran gehindert, Zeitungen zu verklagen, die seiner Ansicht nach unlautere Methoden zur Informationsbeschaffung über ihn anwendeten. Harry sagte am Mittwoch vor dem Londoner High Court als Zeuge in einem von ihm und weiteren prominenten Klägern angestrengten Verfahren gegen den Verlag der „Daily Mail“ aus. Es ist das dritte zivilrechtliche Verfahren, das der jüngere Sohn von König Charles III. gegen die britische Boulevardpresse führt; zwei frühere Prozesse gegen die Verlage der „Sun“ und den „Mirror“ endeten mit Erfolgen für ihn. Der Herzog von Sussex sagte im Zeugenstand, er habe schon seit dem Unfalltod seiner Mutter Diana ein „schwieriges Verhältnis“ zur Presse gehabt. Harry war zwölf Jahre alt, als Prinzessin Diana in Paris bei einem Autounfall ums Leben kam, der durch die drastisch überhöhte Geschwindigkeit des Chauffeurs ihres Freundes Dodi Al Fayed verursacht wurde, der Paparazzi-Fotografen auf Motorrollern zu entkommen versuchte. Abkehr von „never complain, never explain“ Harry sagte weiter, als Mitglied „der Institution“, also des britischen Königshauses, sei er der Maxime unterworfen gewesen, „never complain, never explain“, also sich nie zu beschweren und nie Erläuterungen oder Rechtfertigungen zu geben. Dazu habe es „keine Alternative gegeben“, er sei auf dieses Verhalten festgelegt gewesen. Er habe das akzeptiert, um seine öffentlichen Aufgaben für das Königshaus vollziehen zu können. Seit der Verbindung mit seiner jetzigen Frau, Herzogin Meghan, sei er jedoch zunehmend unglücklich mit der Haltung gewesen, nicht gegen falsche Berichterstattung oder illegal veröffentlichte Informationen vorzugehen; mitunter habe es auch rassistische Kommentare gegenüber der Herzogin gegeben. Die Situation sei nach der Geburt ihres ersten Kindes Archie noch schlimmer geworden. 2019 reichte Prinz Harry dann erste Klagen gegen die Boulevardblätter ein. Er bestritt Mutmaßungen der Anwälte des Verlags der Daily Mail, Quellen aus seinem Freundeskreis hätten intime Informationen an Journalisten weitergegeben. Harry sagte, solche Informationen habe er gemeinhin nicht in seinem Freundeskreis zirkulieren lassen. Es sei verstörend, dass jede Bewegung, jedes Gefühl und jeder Gedanke von ihm verfolgt worden seien, „nur um damit Geld zu verdienen“. Womöglich illegaler Zugriff auf Handy-Mailboxen Viele Informationen könnten nur mit ungesetzlichen Methoden, etwa durch das Abhören von Handy-Mailboxen, erlangt worden sein. Harry gab an, Zeitungen hätten bewusst auch Falschinformationen in ihre Artikel über ihn eingebaut, „um mich auf falsche Fährten zu locken“. Es habe auf diese Weise der Eindruck entstehen sollen, als gebe es eine indiskrete Quelle für die Informationen. Er habe etwa den Kontakt zu einer Moderatorin „genau wegen dieses Misstrauens“ beendet und jahrelang nicht mehr mit ihr geredet, sei sich heute aber sicher, dass die Informationen illegal beschafft worden seien. Die „Daily Mail“ hat in einer schriftlichen Stellungnahme drei Personen als Informationsquellen für ein rundes Dutzend Artikel benannt, die Gegenstand des Schadensersatzverfahrens sind. Alle drei sind jedoch nicht mehr am Leben und können daher nicht als Zeugen befragt werden. Prinz Harry sagte vor Gericht, wenn Freunde tatsächlich die Quelle von Indiskretionen gewesen seien, dann „wäre ja viel mehr bekannt geworden“.