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20.01.2026 10:30 Uhr |

Es ist das Drehbuch der Möglichkeiten, die nach einem globalen Klimanotstand bleiben: Ein internationales Forscherteam hat fünf klimapolitische Szenarien für eine gezielte Abkühlung der Erdatmosphäre mittels „solarem Schutzschirm“ entworfen. Tatsächlich sind die Erdsystemmodelle in dieser Hinsicht bisher blank. Zwar wird öffentlich seit einigen Jahren immer wieder über „Plan B“ diskutiert – den nicht unwahrscheinlichen Fall, dass das Abbremsen des Klimawandels misslingt, weil Klimaziele und -maßnahmen zu langsam greifen, und deshalb entsprechende Notfallmaßnahmen zur Stabilisierung des Erdklimas eingeleitet würden. Erster Kandidat für ein solches Geoengineering und breit diskutiert ist das solare Strahlenmanagement (CDR). Es sieht vor, dass reflektierende (möglicherweise schwefelhaltige) Partikeln großflächig in die Atmosphäre eingebracht werden, die einen Teil der einfallenden Sonnenstrahlung ins All zurückwerfen und damit für kühlere Luftschichten darunter sorgen. Bisher gibt es dazu Konzepte, auch schon Start-ups. Allerdings ist bislang weder klar, wer befugt sein soll, eine solche Maßnahme anzuordnen oder wer es bezahlt, noch sind die vielen möglichen Folgen dieses Eingriffs modelliert worden. In einem Preprint bei „EGUsphere“ haben nun Benjamin Sanderson vom internationalen Klimawandelzentrum Cicero in Oslo und zahlreiche europäische Kollegen erstmals fünf mögliche „Solar Radiation Modification Pathways“ präsentiert, die in den Klimamodellen künftig mitberücksichtigt werden können. Darin sind einige sozioökonomische und politische Reaktionen beschrieben, die freilich auch mit erheblichen Unsicherheiten behaftet sind. Klar scheint bisher nur so viel: Funktioniert die Installation eines solchen Schutzschirms in der oberen Atmosphäre, würden sich die Temperaturen – inklusive der Wetterextreme – innerhalb kürzester Zeit ändern (unter anderem „Termination Shock“)und insbesondere die natürlichen Ökosysteme extrem unter Stress gesetzt. Die Folgen könnten jahre- oder jahrzehntelang zu spüren sein. Ob unter den in dem Paper beschriebenen Klimapfaden tatsächlich von einem erfolgreichen Kampf gegen den Klimawandel gesprochen werden könnte, lassen die Wissenschaftler offen. Sie nehmen für sich vor allem in Anspruch, einige klimapolitische Lücken aufzuzeigen. Bis heute werden nämlich unter dem Stichwort Geoengineering und Strahlenmanagement lediglich die „Best Cases“ durchgespielt – die unbewiesene Annahme, dass man so ohne schwerwiegende globale Folgen die Kontrolle über das Weltklima wieder gewinnen könnte.