FAZ 24.02.2026
11:14 Uhr

Kinofilm „Marty Supreme“: Bollywood mit Timo Boll


Ein Woche geprobt, fünf Ballwechsel gedreht. Einer kommt im Film vor. Timo Boll spielt eine Tischtennis-Nebenrolle im Oscar-reifen Kinofilm „Marty Supreme“.

Kinofilm „Marty Supreme“: Bollywood mit Timo Boll

„Timothée ist sehr wissbegierig. Sehr respektvoll. Sehr höflich. Und wenn er zum Set geht und sich am Set aufhält – dann sieht er rechts und links nichts“, sagte der deutsche Tischtennisstar Timo Boll nach seinem Ausflug ins Kinogeschäft. „Das ist ähnlich wie bei uns Sportlern. Während des Wettkampfs schotten wir uns auch ab. Dann gibt es keine Autogramme, keine große Unterhaltung. Dann hebt man sich alle Energie für das Wesentliche auf.“ Auch Chalamet arbeite „wie ein Leistungssportler“. Boll spielt in dem Film „Marty Supreme“ eine kleine Nebenrolle an der Seite von Hollywoodstar Timothée Chalamet. Nach den gemeinsamen Dreharbeiten in New York sieht der Rekord-Europameister einige Ähnlichkeiten zwischen der Arbeit von Schauspielern und Leistungssportlern. Bolls Nebenrolle: „Ich sage auch einen kurzen Satz“ Der Film „Marty Supreme“ basiert auf dem Leben des amerikanischen Tischtennisspielers Marty Reisman in den 50er-Jahren. Er ist für neun Oscars nominiert und ab diesem Donnerstag (26. Februar) auch in deutschen Kinos zu sehen. Der 44 Jahre alte Boll hatte seine aktive Karriere im vergangenen Jahr beendet. „Der Film ist ein bisschen verrückt“, sagte Boll vor einigen Wochen in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Dafür, das alles mal gesehen und erlebt zu haben und im Abspann genannt zu werden, hat es sich schon gelohnt. Ich bin stolz, dass ich dabei sein durfte.“ Deutschlands erfolgreichstes Tischtennis-Ass stellt in dem fiktional in den 50er Jahren spielenden Streifen über den früheren Tischtennisstar Reisman einen tschechischen Kontrahenten des Titelhelden dar. „Von den fünf Ballwechseln, die wir gedreht haben, kommt nur einer im Film vor. Ich sage auch einen kurzen Satz“, beschrieb Boll den Umfang seines Auftritts. „Jeder Ballwechsel war gescriptet“ Seinen Ausflug ins Filmgeschäft verdankt der 44-Jährige dem US-Regisseur Josh Safdie. Der Filmemacher sei „ein großer Tischtennisfan. Er wollte im Film Spieler haben, die ein bisschen spielen können, und weil er ein großer Fan von mir ist und privat den gleichen Schläger spielt wie ich, hat er mir eine kleine Rolle gegeben“, beschrieb Boll die Hintergründe seines ungewöhnlichen Nebenjobs. Für die Dreharbeiten reiste Boll in der vergangenen Saison während einer Spielpause seiner Abschiedstournee für 14 Tage nach New York. Am Set, berichtete der frühere Weltranglistenerste, „habe ich erst mal eine Woche lang nur geprobt. Wir mussten mit Sandpapierschlägern spielen, Originale wie in den 50er Jahren. Da musste ich meine Technik umstellen. Bevor gedreht wurde, habe ich Timothée Chalamet die Ballwechsel erst mal vorgespielt. Jeder Ballwechsel war gescriptet“. Trotz einer Anfrage der US-Schauspielergewerkschaft aufgrund „genug Bildschirmzeit für eine Aufnahme“ hält Boll seine Gastrolle für ein einmaliges Erlebnis: „Ich glaube, in dieser Hinsicht ist der Zug für mich abgefahren. Das ist wie im Sport: Wenn du nicht früh genug dabei bist und ohnehin nicht so talentiert bist, wird’s schwer.“ Zur Oscar-Verleihung am 15. März wird der Nebendarsteller nicht persönlich nach Los Angeles reisen, „aber ich werde richtig mitfiebern und Josh und Timothée und der ganzen Crew die Daumen drücken“.