FAZ 04.12.2025
04:47 Uhr

Ketamin-Sucht gefördert: Matthew Perrys Arzt zu 30 Monaten Haft verurteilt


„Ich frage mich, wie viel der Idiot zahlen wird“ – das schrieb Salvador Plasencia, als er Matthew Perry vor dessen Tod Narkosemittel besorgte. Jetzt muss der Mediziner ins Gefängnis.

Ketamin-Sucht gefördert: Matthew Perrys Arzt zu 30 Monaten Haft verurteilt

Vor der Verkündung des Strafmaßes wurde es emotional. „Durch das Unterstützen seiner Ketamin-Sucht halfen Sie und Ihre Mittäter Herrn Perry auf dem Weg zum Tod“, warf die Vorsitzende Bundesrichterin Sherilyn Peace Garnett dem Arzt Salvador Plasencia im Gerichtssaal in Los Angeles vor. Auch Matthew Perrys Mutter Suzanne Morrison sprach den 44 Jahre alten Mediziner während des Termins am Mittwoch unvermittelt an. Die frühere Politikberaterin sagte: „Er ist mein Sohn. Ich will, dass Sie seine Mutter sehen.“ Plasencia, der sich im vergangenen Sommer schuldig bekannt hatte, den kanadisch-amerikanischen Schauspieler vor dessen Tod rechtswidrig mit dem Narkosemittel Ketamin versorgt zu haben, gab sich derweil reumütig. Er habe Perry im Stich gelassen und der Familie Leid zugefügt. „Ich hätte Herrn Perry schützen müssen“, sagte Plasencia. Die „New York Times“ zitierte aus Gerichtsunterlagen, wonach Plasencia einem anderen Arzt wegen des Preises für das Ketamin getextet hatte: „Ich frage mich, wie viel der Idiot zahlen wird“. Der leblose Körper des Vierundfünfzigjährigen war am 28. Oktober 2023 im Hot Tub seines Anwesens im Stadtteil Pacific Palisades entdeckt worden. Bei der Obduktion fand die Rechtsmedizin damals eine auffällig hohe Ketamin-Konzentration. „Drogenhändler in einem weißen Kittel“ Perry, der Mitte der Neunzigerjahre als Chandler Bing in der Serie „Friends“ berühmt wurde, hatte in den Jahren vor seinem Tod immer wieder beteuert, Alkohol, Medikamente und weitere Drogen hinter sich gelassen zu haben. Ermittlungen führten das Los Angeles Police Department (LAPD) und die amerikanische Drogenvollzugsbehörde (DEA) später aber zu Plasencia. Zusammen mit einem weiteren Arzt, einem Rauschgifthändler, Perrys früherem Assistenten Kenneth Iwamasa und der „Queen of Ketamin“ Jasveen Sangha hatte der Kalifornier Perry in den Wochen vor dessen Tod einige Dutzend überteuerte Ampullen Ketamin verkauft. In mehreren Fällen hat er ihm laut Staatsanwaltschaft das Mittel auch persönlich injiziert, unter anderem im Haus des Schauspielers und auf dem Rücksitz von dessen Auto auf einem öffentlichen Parkplatz. Er habe dafür mehrere tausend US-Dollar erhalten. „Plasencia ist ein Drogenhändler in einem weißen Kittel“, fasste der stellvertretende Bundesstaatsanwalt Ian Yanniello am Mittwoch zusammen. Das Ketamin, das schließlich Perrys Tod verursachte, hatte der Schauspieler aus Sicht der Staatsanwälte aber nicht von ihm persönlich erhalten. Strafmaß für Mittäter in den kommenden Wochen Wie seine Mittäter legte Plasencia ein Geständnis ab, um die Höchststrafe von bis zu 40 Jahren zu umgehen. Auch seine Verteidigerinnen Karen Goldstein und Debra White bekräftigten, dass ihr Mandant Perry nicht die Dosis Ketamin injiziert, die zu seinem Tod führte. Die Anwältinnen forderten daher nur eine Bewährungsstrafe für Plasencia. Er habe bereits Approbation und Praxis verloren. Die Anklage beantragte derweil 36 Monate Haft, da der Arzt „Perrys medizinische Verletzlichkeit für den eigenen Profit“ ausgenutzt habe. Das Gericht verurteilte Plasencia am Mittwoch schließlich zu 30 Monaten in einem Bundesgefängnis. Das Strafmaß für seine vier Mittäter folgt in den kommenden Wochen. Berichten zufolge hatte sich der Schauspieler vor seinem Tod wegen Depressionen und Angstzuständen einer Ketamin-Therapie unter ärztlicher Aufsicht unterzogen. Zusätzlich soll er sich das Mittel auf dem Schwarzmarkt besorgt haben. Ketamin ist ein seit Jahrzehnten bewährtes Narkosemittel. Ebenso können Menschen mit therapieresistenten Depressionen unter bestimmten Voraussetzungen mit Ketamin behandelt werden. Manche Partygänger nutzen das Mittel auch als illegale Clubdroge.