Mit Belgien verbindet Donald Trump wechselhafte Erinnerungen. In seinem ersten Wahlkampf um das Präsidentenamt 2016 schwärmte er einmal: „Also, Belgien ist eine wunderschöne Stadt und ein herrlicher Ort – großartige Gebäude.“ Wahrscheinlich meinte er Brüssel, wo er viele Jahre zuvor einmal gewesen sein will. Brüssel wiederum hatte er direkt nach den Terroranschlägen ein paar Monate zuvor eine „schreckliche Stadt“ und ein „totales Desaster“ genannt. Als US-Präsident nahm er dort an zwei NATO-Gipfeln teil. Bei einem fand er deren neues Hauptquartier viel zu teuer, beim anderen drohte er mit dem Austritt seines Landes. Als er nun den Partnern Strafzölle androhte, vergaß Trump ausgerechnet: Belgien. Dabei hatte auch die belgische Regierung die Entsendung eines Offiziers nach Grönland angekündigt. „Diese Erkundungsmission unter dänischem Kommando ist Teil der umfassenderen Bemühungen der NATO, die militärische Präsenz und die Ausbildungsmöglichkeiten in der strategisch wichtigen Arktis zu verstärken“, teilte Verteidigungsminister Theo Francken am vergangenen Freitag um 18 Uhr mit. Das war 24 Stunden, bevor Trump seine Strafzölle vom 1. Februar an verkündete und acht Partner namentlich nannte. Die hatten sich allerdings schon am Mittwoch und Donnerstag gemeldet, während Belgien die Nachhut bildete. Man sei erst am Donnerstagnachmittag von den Dänen gefragt worden, hieß es erläuternd in Brüssel. Versehen oder Absicht? Belgische Politiker reagierten irritiert darauf, dass ihr Land vom amerikanischen Präsidenten ignoriert wurde. „Belgien ist momentan nicht von Trumps Maßnahmen betroffen“, sagte Außenminister Maxime Prévot am Sonntag, „aber nichts garantiert, dass sich das in Zukunft nicht ändern wird.“ Man müsse mit den europäischen Kollegen solidarisch sein. Allerdings beteiligte sich das Land nicht an der gemeinsamen Erklärung, welche die von Trump namentlich genannten acht Staaten am Sonntagnachmittag abgaben. In den Medien wurde derweil spekuliert, ob Trump Belgien einfach nur vergessen habe oder man eine Ausnahme bekommen habe. Allerdings konnte niemand plausibel erklären, womit man sich eine solche verdient haben könnte. Francken wiederum sah sich am Sonntag in einer Talkshow genötigt, die Entsendung lediglich eines Soldaten zu rechtfertigen. Es handle sich bloß um eine Erkundungsmission, sagte er, und nicht um ein einsames „Kaninchen auf dem Feld, das die Amerikaner oder die Russen oder die Chinesen aufhalten wird“. Immerhin gestand der Politiker aus der flämisch-konservativen Regierungspartei N-VA damit ein, dass es nicht nur um die mögliche Verteidigung gegen die traditionellen Gegner der Allianz gehe. Der Einsatz sei „doppelsinnig“, sagte er. Im Zentrum stehe aber die Bedrohung durch Moskau und Peking. Francken kündigte an, dass er nach der Rückkehr seines Offiziers, der am Montag aufbrechen sollte, über das weitere Engagement der Armee befinden werde. Der Versuchung, schnell noch einen Rückzieher zu machen, bevor man womöglich doch auf Trumps Radarschirm auftaucht, erlag die Regierung jedenfalls nicht. Außenminister Prévot von den wallonischen Christdemokraten warb am Montagmorgen vielmehr für eine harte Haltung. „Demütigung ist keine Option. Wir verdienen Respekt“, sagte er im Radio. Er wage zu hoffen, so Prévot, dass die EU mit der Androhung scharfer Gegenmaßnahmen „Raum für Dialog“ mit den USA schaffe.
