FAZ 30.11.2025
12:23 Uhr

Kaum Trainer-Entlassungen: Verdientes Vertrauen in der Bundesliga


In dieser Saison der Fußball-Bundesliga gab es erst drei Trainerwechsel, so wenige wie lange nicht. Selbst die größten Abstiegskandidaten halten bislang an ihren Übungsleitern fest. Gut so! Denn an denen liegt es nicht.

Kaum Trainer-Entlassungen: Verdientes Vertrauen in der Bundesliga

Vertraut hier noch irgendjemand irgendwem? In Deutschland sind so viele unzufrieden mit der Arbeit des Kanzlers wie nie zuvor in dessen Amtszeit. Und nur noch ein Viertel der Menschen traut den Vereinigten Staaten. All das wurde in dieser Woche öffentlich, nur ein kleines Licht ließ sich im Süden des Landes blicken: Max Eberl, Sportvorstand in München und als solcher schon oft kritisiert, spürt ein „tiefes Vertrauen“ zwischen ihm und Uli Hoeneß, seinem Aufseher und Ratgeber beim FC Bayern. Immerhin. Aber nicht nur am Edelstandort München, in den Hochgebirgszonen des Weltfußballs, beim aktuellen und höchstwahrscheinlich auch kommenden deutschen Meister, beim wahrscheinlichen Pokalsieger, möglichen Champions-League-Sieger wird sich vertraut. Auch in der Tiefebene der Liga. Dort, wo im November häufiger mal schon alle Klubs ihre Trainer getauscht haben. Doch in diesem Jahr: In Mönchengladbach und Wolfsburg ist es schon passiert, auch in Leverkusen, dort unter sehr außergewöhnlichen Umständen. Das macht drei Trainerwechsel. So wenige wie lange nicht in der Bundesliga. Das Problem liegt woanders Doch bei den Teams auf den Abstiegsplätzen leiten noch die gleichen Fußballdenker die Übungen wie im August. Das ist gut so. Denn das Problem liegt woanders. In Heidenheim verzweifelt der ewige Frank Schmidt an einer Mannschaft, der selbst in der zweiten Liga kein Trainerwechsel (vulgo: neuer Impuls) helfen würde, sondern höchstens mehrere neue Spieler. Die dritte Heidenheimer Bundesligasaison könnte die vorerst letzte sein, auch wenn die Schwaben am Samstag ein wichtiges Spiel in Berlin in letzter Minute gewannen. Ihre guten Spieler laufen mittlerweile woanders auf, die mittelmäßigen sind geblieben. In Mainz ist die Lage verzwickter. Hier laufen Woche für Woche Spieler auf den Platz, die die 05er in guten Zeiten, also vor einem halben Jahr, nach Europa schossen. Nur einer, der am häufigsten den Narrhallamarsch ertönen ließ, jubelt mittlerweile woanders. Ohne Stürmer Jonathan Burkardt ist Bo Henriksens Elf nur halb so gut. Ein Problem, vor dem sie auch in Frankfurt, bei Burkardts neuem Team, bald stehen könnten, nachdem sich der Torjäger unter der Woche verletzt hat. Alexander Blessin, Trainer von St. Pauli, der am Samstag in München mit seiner Mannschaft zum neunten Mal nacheinander verlor, hat ein anderes Problem. Mittlerweile kennt die Liga seine langsamen Verteidiger und überspielt seine einst so sichere Defensive mit langen Bällen. Wie das oft so ist in der zweiten Saison eines Aufsteigers. Blessins Kappe rückt immer tiefer ins Gesicht, seine Offensive kontert nicht mehr so schnell wie noch vor einem Jahr, seine Verteidigung rennt hinterher. Blessin aber hat sich den Ruf erarbeitet, auch Teams trainieren zu können, die besser Fußball spielen als seine Hamburger. Es ist also ein ähnliches Dilemma, bei St. Pauli, in Mainz und Heidenheim. Ihre Trainer sind besser als Platz 16, 17 oder 18. Das haben sie gezeigt. Ihre Mannschaften sind es nicht. Der Klassenverbleib entscheidet sich nicht jetzt, im Dezember. Er entscheidet sich im Januar, wenn – wie teilweise bereits angekündigt – neue Spieler kommen, die das Vertrauen verdienen.