FAZ 13.02.2026
16:37 Uhr

Kater-Rezepte: Ein paar Freunde für den Morgen danach


Der Kater ist kein Fastnachtsphänomen. Aber rund um den Rosenmontag ist die Bewältigung akuter Party-Folgen Jahr für Jahr von besonderer Dringlichkeit. Ein paar Vorschläge zum Regenerieren.

Kater-Rezepte: Ein paar Freunde für den Morgen danach

Vollka Putt weiß Bescheid. Der Mann ist zwar Hamburger und alles andere als ein Fastnachter. Noch dazu ist er eigentlich nichts weiter als eine Kunstfigur, nämlich das Alter Ego des Rappers und Komikers Kolja Reuter. Aber als solches hat der Ballonseide und Vokuhila tragende Rüpel eine beeindruckende Expertise in Sachen Kater-Bekämpfung. In einem Videoclip gibt er nach einer Nacht, in der er sich mit seinem Freund Gerhard „wie ein Achtarmiger einen reingeorgelt“ hat, folgende Tipps für den Morgen danach: „Ein Ei, vier Zigaretten, eine Ibuprofen, dazu ein Rosinenbrötchen mit Leberwurst – und denn kommt Bier ins Spiel.“ Jeder Arzt wird diesen Ratschlag selbstverständlich als unsinnige Volksweisheit, wenn nicht gar als fahrlässig zurückweisen. Die praktische Lebenserfahrung allerdings zeigt, dass es durchaus gute Gründe gibt, am nächsten Morgen damit wieder anzufangen, womit man am Abend vorher aufgehört hat. Denn das morgendliche „Konter-Bier“ hat schon vielen Zechern wieder auf die Beine geholfen. Es wirkt allerdings nur wie ein Aufschub für die Bewältigung des eigentlichen Problems: Denn im Grunde ist der Kater nichts anderes als eine leichte Alkoholvergiftung. Oder besser: die Summe der Folgen einer solchen Überdosierung. Wir reden von Kopfschmerzen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Konzentrationsschwäche, allgemeinem Schwächegefühl. Und von Durst. Mörderischem Durst, der auch als Nachdurst bekannt ist. Was beim Kater im Körper passiert In der angelsächsischen Welt heißen diese Trinkfolgen „hangover“ und in Frankreich „la gueule des bois“, was so viel bedeutet wie „das holzige Maul“ und eine gute Vorstellung davon erlaubt, wie sich so ein Morgen danach anfühlen kann. Der im deutschen Sprachraum verbreitete Begriff Kater hat nichts mit Katzen zu tun, sondern ist eine im 19. Jahrhundert entstandene studentische Verballhornung des Begriffs Katarrh. Der Kater ist ein komplexes Phänomen. Das Immunsystem spielt eine Rolle, die psychische Verfassung ist von Bedeutung, und nicht zuletzt ist die Zusammensetzung des Getränks wichtig. Ein und derselbe Drink wirkt auf verschiedene Menschen durchaus unterschiedlich. Von nicht zu unterschätzender Bedeutung ist die Frage, ob der Alkohol von guter Qualität ist oder zum Beispiel viele Fuselstoffe enthält. Auch Farb- und Geschmacksstoffe können sich auf die Bekömmlichkeit auswirken. Die Grundregel lautet: Je besser und je klarer, desto verträglicher. Deshalb führen Wodka und Schnaps seltener zu einem schmerzenden Schädel als zum Beispiel Cognac und Whisky – oder gar Cocktails, die mit ihrem Zuckergehalt noch mehr Unheil anrichten können. Manche Wissenschaftler sprechen von einer Art Doppelvergiftung, der der Körper bei einem Vollrausch ausgesetzt ist: Erst bekommt es der Organismus mit Ethanol und allen möglichen Begleitstoffen wie Methanol zu tun. Und dann wird er beim Ausnüchtern mit einem weiteren Gift konfrontiert, nämlich Acetaldehyd, das beim Alkoholabbau hoch konzentriert ins Blut gerät, bevor es in einem zweiten Arbeitsschritt von der Leber in Essigsäure verwandelt wird. Die Versuche, diese dunkle Seite des Rausches erträglich zu machen, sind so alt wie der Rausch selbst. Manche meinen, man müsse dem Kater Saures geben, sprich ordentlich Salzgurken, Rollmops und Sauerkraut futtern. Andere schwören auf viel Marmelade, weil die Fruktose angeblich den Alkoholabbau beschleunigt. Wieder andere empfehlen Heiß-Kalt-Duschen und frische Luft. In der Bretagne trinkt man ein Glas Meerwasser und isst ein Stück trockenes Brot, und in der Mongolei gibt es „Mongolian Bloody Mary“, ein blutroter Drink aus würzigem Tomatensaft und einem sauer eingelegten Ziegenauge, der auch den hartgesottensten Trinkern hierzulande die Schuhe ausziehen dürfte. Olivenöl vor dem Wodka Zu den beliebtesten Kater-Killern gehören Eispeisen aller Art: Ob als Strammer Max, als Bauernfrühstück, Käseomelett oder klassisches Rührei – Eier gehen immer und geben dem geschundenen Körper neue Kraft. Eher in die Kategorie Vorsorge gehört dagegen die Anweisung Konrad Adenauers an seine Entourage bei seinem ersten Staatsbesuch in Moskau im September 1950, vor dem ersten Treffen mit den Russen zwei Esslöffel Olivenöl zu sich zu nehmen, um die Wirkung des Wodkas zu neutralisieren. Und ebenfalls ein Akt der Vorbeugung ist es im Grunde, wenn man direkt vor dem Schlafengehen noch eine Flasche Mineralwasser trinkt und Aspirin einnimmt. Manche Wissenschaftler halten ein Rezept der britischen Weinkritikerin Jancis Robinson für vielversprechender: Sie schwört auf Mariendistel. Deren bittere Inhaltsstoffe unterstützen die Leber bei der Zersetzung von Giften, beugen Leberschäden vor und werden unter dem Namen Silymarin in jeder Apotheke angeboten. Am wirksamsten ist allerdings immer noch die Abstinenz. Oder zumindest Vernunft. Doch die geht vielen Menschen während der tollen Tage erfahrungsgemäß schnell verloren.