FAZ 01.02.2026
15:28 Uhr

„Kastenmeiers“ in Dresden: Was hier auf den Teller kommt, ist mehr Schein als Sein


In der Nähe von Frauenkirche und Semperoper empfängt Gerd Kastenmaier, ein in Sachsen prominenter Koch, seine Gäste. Unser Restaurantkritiker hangelt sich im Menu von Enttäuschung zu Enttäuschung.

„Kastenmeiers“ in Dresden: Was hier auf den Teller kommt, ist mehr Schein als Sein
Die deutsche Mannschaft feiert nach dem Sieg gegen Kroatien den Einzug ins Finale der Handball-EM 2026. (Foto: Sina Schuldt/Sina Schuldt/dpa)

Gerd Kastenmeier ist in Dresden und Sachsen ein prominenter Koch und ständig in den Medien. Das merkt man auch in seinem überraschend großen Restaurant mit teilweise offener Küche, das sich mitten in Dresden unweit von Frauenkirche und Semperoper im Gebäudekomplex des Taschenbergpalais findet. Der Meister versteckt sich nicht in der Küche, sondern ist regelmäßig im Restaurant unterwegs: Mal zeigt er Gästen eine beeindruckend große Dorade, mal kommt er mit einem Servierwagen und flambiert vor den Augen der Gäste Hummer. Die Speisekarte hat ein großes Angebot an Fischen, Krustentieren und Kaviar. Die „Vorspeisenvariation mit Garnele und Rucola, Tunasashimi, gratinierter Jakobsmuschel und gegrilltem Kalmar“ (28,50 Euro) zeigt erstens einen nicht besonders sorgfältig angerichteten Teller mit einer Garnele (mit Schale) auf einem viel zu großen, wenig interessanten Berg Rucola. Zweitens zwei Scheiben dunklen Thunfisch auf einem handelsüblich schmeckenden Algensalat mit etwas Kartoffelstroh obenauf. Drittens eine gratinierte Jakobsmuschel auf einem Spinatbett in einer Jakobsmuschelschale. Und viertens zwei sehr zähe Stücke Kalmar. Es ist nur irgendwie akzeptabel Geschmacklich gefällt die Jakobsmuschel noch am besten, weil sie angenehm mit dem Spinat harmoniert. Der Rest ist irgendwie akzeptabel, aber nur so, dass wenig Freude und Überraschung über die Qualitäten aufkommt. Man kennt solche Dinge in besserer Form, was den Eindruck aufkommen lässt, dass hier mehr Mainstream zitiert als grundlegende Qualität realisiert wird. Die „Hummersuppe mit Garnele und Kartoffelstroh“ (18,50 Euro) macht da ihrem Namen auch nicht viel Ehre. Warum gibt es nicht ein Stückchen Hummer statt einer so kleinen Garnele, dass man sie kaum erwähnen sollte? Und was soll krosses Kartoffelstroh, wenn es sich gleich in der Suppe auflöst und seinen Effekt verliert? Das Filet ist durchaus zart, aber ohne Geschmack Es gibt natürlich nicht nur Fisch, sondern auch Fleisch. Zum Beispiel „Das Beste vom Rind, Filet und Bäckchen mit Rahmspinat und Bratkartoffeln“ (42,50 Euro). Das Filet ist durchaus zart, hat aber wegen einer merkwürdigen Kruste, die nicht frisch wirkt, keinen besonders guten Geschmack. Die Bäckchen sind die große Ausnahme an diesem Abend, weil sie sehr süffig glasiert sind und ein gutes Niveau erreichen. Doch leider trifft man wieder auf Rahmspinat, und die rustikalen Bratkartoffeln sorgen für ein merkwürdig vermischtes Bild, weil sie vielleicht zum Filet passen, die fein gegarten und glasierten Bäckchen aber beeinträchtigen. Beim Wein geht es ebenfalls eher mittelprächtig zu – zum Beispiel mit einem einigermaßen sinnvollen 2023er Sauvignon blanc vom Juliusspital zur Hummersuppe oder einem 2019er Alanera von Zenato zum Rinderfilet. „Mehr Schein als Sein“ ist leider im „Kastenmeiers“ das eher nüchterne Fazit. Restaurant „Kastenmeiers“ im Taschenbergpalais. Taschenberg 3, 01067 Dresden. Tel. 03 51/48 48 48 01. www.kastenmeiers.de, Küche tägl. 17–23 Uhr. Vorspeisen 16,50–27,50 Euro, Hauptgerichte 34,50–54. Menü 74 (vier Gänge), Hummermenü 125,50 (vier Gänge).