FAZ 17.01.2026
13:21 Uhr

Karlspreis für Mario Draghi: „Europa hat viele Feinde – vielleicht mehr denn je“


Der ehemalige EZB-Chef und frühere italienische Ministerpräsident Mario Draghi erhält den Karlspreis 2026. Bei der Verkündung mahnt er die EU.

Karlspreis für Mario Draghi: „Europa hat viele Feinde – vielleicht mehr denn je“
Nahm die Auszeit zum exakt falschen Zeitpunkt und verhinderte so ein Tor von Juri Knorr: Nationaltrainer Alfred Gislason. (Foto: Sina Schuldt/dpa)

Der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB) und frühere italienische Ministerpräsident Mario Draghi erhält dieses Jahr den Karlspreis, die wichtigste Auszeichnung für Verdienste um die europäische Einigung. Das teilte das Karlspreis-Direktorium am Samstag in Aachen mit. Draghi sei „Wissenschaftler und Manager“, erklärte der Vorsitzende des Karlspreis-Direktoriums, der CDU-Politiker Armin Laschet, bei der Verleihung des Preises am Samstag in Aachen. „Er hat europäische Visionen entwickelt.“ Zudem habe Draghi „in einer dramatischen Situation den Euro gerettet“, sagte Laschet, und „Italien in einer Krisensituation stabilisiert und reformiert“. Außerdem habe der Wirtschaftswissenschaftler mit dem Draghi-Report von 2024 Vorschläge zur wirtschaftlichen Erneuerung Europas vorgelegt, führte Laschet aus. Die Preisverleihung erfolgt traditionell am Himmelfahrtstag und damit in diesem Jahr am 14. Mai bei einem Festakt im historischen Aachener Rathaus. Draghi: Europa hat „vielleicht mehr Feinde denn je“ Draghi ist nach eigenen Worten „äußerst dankbar“ für die Zuerkennung des Karlspreises. „Diese Entscheidung kommt zu einer Zeit, zu der Europa viele Feinde hat – vielleicht mehr Feinde denn je, sowohl innere als auch äußere Feinde“, sagte der Achtundsiebzigjährige in einer eingespielten Videobotschaft während der Verkündung des diesjährigen Preisträgers in Aachen. Um die EU zu bewahren, müssten die Europäer enger denn je zusammenstehen, mahnte er. „Wir müssen unsere selbst verschuldeten Schwächen überwinden. Und wir müssen stärker werden: militärisch, wirtschaftlich und politisch.“ Draghi war von Februar 2021 bis Oktober 2022 Ministerpräsident Italiens. Von 2011 bis 2019 stand er als Präsident der Europäischen Zentralbank vor. Karlspreisträgerin des Jahres 2025 ist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. 2024 ging die Auszeichnung an den Oberrabbiner Pinchas Goldschmidt und die jüdischen Gemeinschaften in Europa. 2023 hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den Preis erhalten. Weitere prominente Preisträger sind etwa der verstorbene Papst Franziskus, die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel, Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der ehemalige US-Präsident Bill Clinton. Der mit einer Million Euro dotierte Aachener Karlspreis gilt als älteste und wichtigste Auszeichnung für Verdienste um Völkerverständigung und Zusammenarbeit in Europa. Er ist nach Karl dem Großen (747/748 bis 814) benannt, der schon zu Lebzeiten als „Vater Europas“ bezeichnet wurde. Verliehen wird der Preis seit 1950, die Idee dazu hatte der Aachener Textilkaufmann Kurt Pfeiffer. Über die Preisträger entscheidet ein Gremium von Aachener Bürgern.