FAZ 30.12.2025
17:02 Uhr

Kampf gegen die Huthi: Jemen beendet Verteidigungsabkommen mit den Emiraten


Eigentlich unterstützen Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate gemeinsam den Kampf gegen die Huthi-Miliz im Jemen. Jetzt geraten sie selbst aneinander.

Kampf gegen die Huthi: Jemen beendet Verteidigungsabkommen mit den Emiraten

Im Jemen ist der Konflikt zwischen Kräften, die von den Vereinigten Arabischen Emiraten unterstützt werden, und der international anerkannten Regierung eskaliert. Abu Dhabi kündigte am Dienstag den Abzug seiner verbliebenen Truppen aus dem Land an. Der Schritt erfolge „angesichts der jüngsten Entwicklungen“, teilte das emiratische Verteidigungsministerium mit. Die jemenitische Regierung, an deren Seite Saudi-Arabien steht, hatte das jahrelange Abkommen mit Abu Dhabi im Kampf gegen die Huthi-Miliz kurz zuvor für beendet erklärt. Der Präsidialratsvorsitzende Raschad al-Alimi forderte die emiratischen Truppen am Dienstag auf, das Land binnen 24 Stunden zu verlassen. Die Spannungen im Jemen hatten sich zuletzt merklich verschärft. Kämpfer des sogenannten Südlichen Übergangsrats (STC), der von den Emiraten unterstützt wird, formal aber selbst Teil der international anerkannten Regierung im Jemen ist, hatten Anfang des Monats große Teile der südjemenitischen Region Hadramaut sowie angrenzende Gebiete unter ihre Kontrolle gebracht. Dabei verdrängte der STC unter anderem Truppen des jemenitischen Regierungslagers, die von Saudi-Arabien unterstützten, islamistischen Kräften nahestehen. Erstmals Angriffe auf Stellungen des STC Der Präsidialratsvorsitzende Alimi verurteilte den Alleingang des STC umgehend und warf dem Bündnis vor, die Legitimität seiner Regierung und den Kampf gegen die Huthi zu gefährden. Am Dienstag bekräftigte er seine Vorwürfe und rief die Separatisten auf, die von ihnen kontrollierten Gebiete dem von Saudi-Arabien angeführten Militärbündnis zu unterstellen. Das Militärbündnis seinerseits hatte zuvor eine „Militäroperation“ gegen die Separatisten im Jemen angekündigt. Zivilisten wurden Berichten zufolge dazu aufgerufen, den Hafen von Mukalla in der Provinz Hadramaut sofort zu verlassen. Am vergangenen Freitag waren bei Luftangriffen, die Saudi-Arabien zugeschrieben wurden, erstmals Stellungen des STC angegriffen worden. Der Jemen ist seit mehr als einem Jahrzehnt faktisch gespalten. Der Norden wird von der iranisch gelenkten Huthi-Miliz kontrolliert, der Süden von einem fragmentierten Regierungsbündnis, das sich dem Kampf gegen die Huthi verschrieben hat. Zu diesem gehört – unter anderen – der von den Emiraten unterstützte STC, der für einen unabhängigen Staat im Südjemen kämpft; andererseits von Saudi-Arabien unterstützte islamistische Kräfte. Der STC und die Islamisten stehen allerdings selbst seit Jahren in Rivalität zueinander. Die neuen Geländegewinne des STC hatten nun Befürchtungen vor neuen Kämpfen innerhalb des Regierungslagers sowie vor einer Abspaltung des Südens angefacht. Auch die Spannungen zwischen den Führungen am Golf, vor allem in Riad und Abu Dhabi, hatten sich wegen der Konfrontation innerhalb der Anti-Huthi-Allianz zuletzt immer weiter verschärft. Farea al-Muslimi von der Denkfabrik Chatham House hält die neuerliche Eskalation deshalb für wenig überraschend. Trotz des gemeinsamen Feindes – der Huthi-Rebellen – hätten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate seit jeher unterschiedliche Interessen im Jemen verfolgt, sagt er der F.A.Z. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen sei schließlich „eine Grenze überschritten“ worden. Eine direkte militärische Konfrontation zwischen den mächtigen Golfstaaten hält der Fachmann zwar für unwahrscheinlich. Mit schwerwiegenden Folgen für die Lage im Jemen und der Region müsse man angesichts des Konflikts jedoch rechnen. Dass der STC den Süden des Jemens auf lange Sicht halten könne, glaubt al-Muslimi nicht. Einerseits seien die Separatisten dort nicht willkommen, andererseits sei das Gebiet in der offenen Wüste ein leichtes Ziel für die saudische Luftwaffe. Er verweist zudem auf weitere Akteure am Golf. Oman, das traditionell emiratische Einflussnahme fürchtet, könnte sich gegen die STC-Präsenz im Nachbarland ebenfalls zur Wehr setzen.