Die Commerzbank wehrt sich im Kampf gegen eine Übernahme durch die italienische Bank Unicredit mit höheren Renditezielen. Wie das Kreditinstitut am Freitag mitteilte, will es bis 2028 eine Nettoeigenkapitalrendite von 17 Prozent und bis 2030 sogar eine Rendite von 21 Prozent erreichen. Bisher galt die Vorgabe, bis 2028 für die Aktionäre 15 Prozent auf das Eigenkapital zu verdienen. Mit den höheren Renditezielen verbunden ist auch ein stärkerer Stellenabbau um weitere 3000 Arbeitsplätze. Schon bisher war mit dem Betriebsrat vereinbart, bis 2028 von 25.000 Arbeitsplätzen im Inland 3300 zu streichen. Nun erlaubt der stärkere Einsatz von Künstlicher Intelligenz der Bank nach eigenen Angaben, „zehn Prozent ihrer Kapazitäten freizusetzen“. Eckpunkte für einen „sozialverträglichen“ Stellenabbau über Altersteilzeit und Abfindungen seien schon mit den Arbeitnehmervertretern vereinbart, hieß es am Freitag. Zuletzt hatte die Commerzbank im Februar 2025 ihre Strategie verschärft. Seither gilt die Vorgabe, im Jahr 2028 höchstens 50 Cent aufwenden zu müssen, um einen Euro zu erlösen. Nun soll diese Kosten-Ertrags-Quote bis 2028 auf 48 und bis 2030 sogar auf 43 Prozent sinken. 2025 war die Commerzbank indes kaum vom Fleck gekommen und hatte eine Eigenkapitalrendite von knapp neun Prozent und eine Kosten-Ertrags-Quote von 57 Prozent erreicht. Commerzbank übertrifft Gewinnerwartungen im ersten Quartal 2026 Im Jahr 2026 hat sich die Commerzbank bisher etwas verbessert. Wie das Kreditinstitut ebenfalls am Freitagmorgen bekannt gab, verdiente es im ersten Quartal 913 Millionen Euro nach Steuern, das sind 9 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Analysten hatten zuvor im Durchschnitt mit einem Nettogewinn von knapp 900 Millionen Euro gerechnet. Die Eigenkapitalrendite betrug im ersten Quartal 2026 gute 12,7 Prozent, lag also auf dem Niveau, das sich zum Beispiel die Deutsche Bank erst für 2028 vorgenommen hat. Im Gesamtjahr 2026 will die Commerzbank nun mindestens 3,4 Milliarden Euro netto verdienen, es wäre ein neuer Rekordwert in der gut 150 Jahre alten Unternehmensgeschichte. Bisher hatte sich der Vorstand für 2026 an Nettogewinn 3,2 Milliarden Euro vorgenommen. Im Jahr 2030 soll der Nettogewinn sogar bis auf 5,9 Milliarden Euro klettern. Treiber seien der Zinsüberschuss und Provisionsüberschuss gleichermaßen, heißt es in der Pressemitteilung. Das Firmenkundengeschäft in Deutschland gewinne Marktanteile, und gerade die polnische Tochtergesellschaft M-Bank entwickele sich dynamisch. „Wir wachsen stärker als geplant, und unsere neuen Ziele bis 2030 spiegeln das wider - ehrgeizig und verlässlich in der Umsetzung, daran muss sich jede Alternative messen lassen“, sagte die Vorstandsvorsitzende Bettina Orlopp. Sie versprach Kostensenkungen und verwies auf geringere Umsetzungsrisiken ihrer auf Eigenständigkeit beruhenden Strategie im Gegensatz zu einem Zusammenschluss mit Unicredit. Die Nettojahresgewinne sollen weiter zu 100 Prozent als Dividenden und durch den Rückkauf eigener Aktien an die Aktionäre ausgekehrt werden - solange die Kernkapitalquote mindestens 13,5 Prozent beträgt. Derzeit liegt sie auf 14,5 Prozent. Für die Commerzbank ist es entscheidend, ihre Aktionäre dauerhaft bei der Stange zu halten. Denn die italienische Bank Unicredit, die Zugriff auf rund 35 Prozent aller Commerzbank-Aktien hat, wirbt um die Commerzbank-Aktionäre mit einem Tauschangebot in Unicredit-Aktien. Noch sind dessen Konditionen unattraktiv, allerdings könnte ein Zusammenschluss beider Banken für manche Aktionäre verlockend sein, ist doch Unicredit heute schon rentabler und effizienter, als die Commerzbank in ein paar Jahren sein will. Im Jahr 2025 kam Unicredit mit einem Nettogewinn von 10,6 Milliarden Euro auf eine Eigenkapitalrendite von 19,2 Prozent und eine Kosten-Ertrags-Quote von 38. Für das erste Quartal 2026 hat Unicredit am 5. Mai nochmals bessere Zahlen veröffentlicht: Das Eigenkapital erzielte eine Rendite von mehr als 25 Prozent, und die italienische Bank musste nur 33 Cent aufwenden, um einen Euro zu erlösen. Damit profitiert Unicredit, die neben Italien und Deutschland in elf weiteren Ländern vor allem Osteuropas tätig ist, von einer deutlich höheren Wachstumsdynamik dieser Volkswirtschaften sowie höheren Margen für Kreditinstitute, wie sie die Commerzbank über ihre Tochtergesellschaft MBank (nur) in Polen spürt. Bundeskanzler Merz kritisiert Unicredit: „So geht das nicht“ Unicredits Chef Andrea Orcel hat vor allem die Aufstellung des Firmenkundengeschäfts der Commerzbank als überdimensioniert attackiert. Im Gespräch mit der F.A.Z. hat dagegen der Vorstandvizechef der Commerzbank, Michael Kotzbauer, die 40 Auslandsniederlassungen als Kernbestand der Strategie der Commerzbank ins Zentrum gestellt. Die von Unicredit als zu teuer kritisierten Auslandsniederlassungen hätten eigene Kreditbefugnis und seien damit für stark internationalisierte deutsche Mittelständler wichtig, wenn sie gerade in Asien und den USA Investitionen vor Ort finanzieren müssten. Am Freitag legte die Commerzbank noch einmal nach und wehrte sich gegen Aussagen Orcels, die er am 20. April in einer 34 Seiten starken Analystenpräsentation getätigt hatte. Anders als von Unicredit behauptet, habe die Commerzbank in den vergangenen fünf Jahren massiv mit drei Milliarden Euro in Anwendungen der Künstlichen Intelligenz investiert. Diese Investionen erlaubten „aggressive Kostensenkungen“. Unicredit habe auch falsche Angaben zum Auslandsgeschäft gemacht, wirft die Commerzbank ihrem ungeliebten Großaktionär vor. Als Reaktion auf die 34 Seiten starke Analystenpräsentation hatte sich Unicredit auch ein Verbot der Finanzaufsicht Bafin eingefangen, irreführende Darstellungen und Analysen zu verbreiten. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) machte sich jetzt die Kritik der Bafin zu eigen. Die Bonner Finanzaufsichtsbehörde habe Unicredit eine reißerische und unsachliche Kommunikation im Übernahmekampf untersagt, erinnerte Merz am Donnerstag in Berlin. „So geht das nicht“, fügte Merz mit Blick auf Unicredit hinzu. „So wird Vertrauen zerstört.“ Deutschland brauche zwar große Banken, nicht jede Art von Übernahme sei aber willkommen, sagte der CDU-Chef. „Feindliches und aggressives Vorgehen lehnen wir entschieden ab.“ Unicredits seit 5. Mai laufendes Umtauschangebot an die Commerzbank-Aktionäre, eine Commerzbank-Aktie in 0,485 Unicredit-Aktien zu tauschen, bleibt unattraktiv: Gemessen an aktuellen Aktienkursen wird die Commerzbank-Aktie damit nur mit rund 34 Euro bewertet. An der Börse kostete die Commerzbank-Aktie zuletzt rund 37 Euro, die Aktionäre verlören also bei einem Tausch rund sieben Prozent. Die Commerzbank lässt sich in juristischen Fragen „umfassend im Zusammenhang mit dem Übernahmeangebot der Unicredit“ von Hengeler Mueller beraten, wie die Anwaltskanzlei am Donnerstag mitteilte. Unicredit-Chef Orcel hat mehrfach durchblicken lassen, er werde das Übernahmeangebot erhöhen, sobald der Commerzbank-Vorstand gesprächsbereit sei. Die Commerzbank erwiderte am Freitag, der Vorstand bleibe gesprächsbereit, falls Unicredit bereit sei, den Aktionären mit dem Übernahmeangebot eine „attraktive Prämie zu bieten und offen über einen Plan zu diskutieren, der die Säulen des Geschäftsmodells und der Strategie der Commerzbank berücksichtigt“.
