Eigentlich müsste jedes Kind die Regeln kennen, die in Wald und Feld gelten. Schon in der Kita bekommen Mädchen und Jungen Zangen in die Hand gedrückt, um Abfall an Bachläufen aufzulesen. Zusammen mit ihren Erzieherinnen haben Bad Homburger Kinder kürzlich den angeblich schönsten Abfalleimer der Stadt bemalt. Denn da gehört der Müll hinein. Oder eben auf den Wertstoffhof, wenn es sich um Grünschnitt oder Bauschutt handelt. Weiß doch jeder. In der Natur aber ignorieren manche Erwachsene die Kinderstube. Das ist schon ärgerlich, wenn die Überbleibsel eines Picknicks liegen bleiben. Wenn der Ranger von Bad Homburg aber berichtet, in welch großen Mengen Müll in der Flur abgelagert wird, und zwar planvoll nachts mit dem Auto, dann hat das eine andere Dimension. Deshalb hat die Stadt auf Anregung des Rangers, der auch Ordnungspolizist ist, vor ein paar Wochen Überwachungskameras aufgestellt. Sie hängen an Orten, an denen sich stets besonders viel Müll türmte. Schilder weisen auf die Überwachung hin. Die Kombination zeigt offenbar Wirkung: Wo Kameras hängen, ist nach städtischen Angaben zuletzt so gut wie kein Abfall mehr entsorgt worden. Das ist ein Erfolg. Aber was ist überall dort, wo keine Kamera steht? Die Stadt kann, will und darf das Feld nicht komplett überwachen. Auch lückenlose Patrouillen sind nicht möglich. Immerhin senden Pilotprojekte wie die Bad Homburger Kameras ein Signal an Müllsünder, dass Kommunen zurzeit verstärkt gegen derartige Rechtsverstöße vorgehen. Denn Bad Homburg ist kein Einzelfall. So haben Frankfurt und Hanau zuletzt die Bußgeldkataloge für illegal entsorgten Abfall verschärft. Doch auch drastische Strafen wirken oft nur begrenzt, auch weil das Entsorgen großer Mengen meist nachts geschieht – ähnlich wie der Obstdiebstahl. Manche Psychologen sagen, die Voraussetzung für echte Verbesserungen sei ein verändertes Umweltbewusstsein. Nur wer sich klar darüber sei, dass persönliches Fehlverhalten allen und damit auch einem selbst schade, sei bereit umzudenken. Es ist also nicht vergeblich, was die Kitakinder lernen. Aufklärung kann helfen, dass möglichst wenige mutwillige Müllentsorger heranwachsen. Der Bad Homburger Ranger ist nicht nur dafür zuständig, dass im Feld die Regeln eingehalten werden, sondern soll bei seinen Rundgängen in Gesprächen auch Wissen über das Ökosystem vermitteln. Die Schilder zur Videoüberwachung unterstützen den Auftrag: Sie machen für alle sichtbar, was nicht in Ordnung ist.
