FAZ 28.01.2026
17:00 Uhr

KI-Start-up: Bosch verkauft seine Aleph-Alpha-Anteile an Schwarz-Gruppe


Die Schwarz-Gruppe übernimmt die Anteile des Industriekonzerns Bosch am KI-Start-up Aleph Alpha. Damit baut der Lidl-Konzern seinen Einfluss auf das Heidelberger Unternehmen weiter aus.

KI-Start-up: Bosch verkauft seine Aleph-Alpha-Anteile an Schwarz-Gruppe

Das Heidelberger Start-up Aleph Alpha kommt nicht zur Ruhe. Wenige Wochen nachdem Mitgründer Jonas Andrulis den Anbieter von Dienstleistungen rund um Künstliche Intelligenz (KI) überraschend verlassen hat und die Entlassung von 50 Mitarbeitern bekannt wurde, geht jetzt auch ein strategischer Investor von Bord. Der Wagniskapitalarm des Industriekonzerns Bosch verkauft seine Aleph-Alpha-Anteile an die schon am Unternehmen beteiligte Schwarz-Gruppe. Das geht aus einer Mitteilung der Schwarz-Gruppe hervor. Zu den finanziellen Details macht sie keine Angabe. Bosch bestätigt den Vorgang auf Anfrage. Der Schwerpunkt der Investmenttätigkeit von Bosch Ventures liege auf Technologieunternehmen, die an Themen arbeiten, die für Bosch aktuell und künftig von Bedeutung seien. „Aleph Alpha hingegen hat sich zuletzt stark auf Anwendungsfelder in der öffentlichen Hand, Behörden, Handel und dem Finanzwesen fokussiert.“ Diese Schwerpunktsetzung passe nun noch besser zu den Unternehmen der Schwarz-Gruppe. „Mit dem erweiterten Investment der Unternehmen der Schwarz Gruppe erhält Aleph Alpha nun einen starken Ankerinvestor, der diese strategischen Felder gezielt weiterentwickeln kann.“ Auch Aleph Alpha bestätigte den Ausstieg Boschs auf Anfrage. Die Unternehmen der Schwarz-Gruppe seien „seit Langem wichtige strategische Investoren, Technologieanwender und Geschäftspartner“. Das „bekräftigte, langfristige Commitment“ der Schwarz-Gruppe erhöhe Aleph Alphas Umsetzungskraft und stärke seine Fähigkeit, „gemeinsam mit starken Partnern Mehrwert für unsere Kunden zu liefern“. Schwarz und Bosch waren im November 2023 gemeinsam im Rahmen einer 500-Millionen-Euro-Finanzierungsrunde in Aleph Alpha eingestiegen. Damals galt Aleph Alpha noch als große europäische Hoffnung auf eigene KI-Sprachmodelle, die beispielsweise hinter Anwendungen wie ChatGPT stecken. Schwarz baut seinen Einfluss aus Doch Aleph Alpha konnte in den darauffolgenden Monaten den hochgesteckten Erwartungen nicht wirklich gerecht werden. Es fehlten die Mittel, um langfristig mit den im Halbjahrestakt erscheinenden neuen Modellen der amerikanischen oder chinesischen Konkurrenz mithalten zu können. Das Start-up passte daraufhin seine Strategie an: Im Fokus stand nicht mehr das Ziel, das beste Sprachmodell zu entwickeln, sondern die Entwicklung einer Orchestrierungsplattform für KI und auf einzelne Branchen spezifisch zugeschnittener KI-Anwendungen. Mit dem Kauf der Anteile baut Schwarz seinen Einfluss auf das KI-Start-up weiter aus. Die Konzerngruppe ist vor allem für den Discounter Lidl und die Supermarktkette Kaufland bekannt, besitzt aber über ihre Digitalsparte Schwarz Digits seit Jahren große Ambitionen im Digitalgeschäft. Unter anderem hat Schwarz Digits mit Stackit ein eigenes Cloudangebot in Konkurrenz zu den amerikanischen Anbietern Amazon, Microsoft und Google aufgebaut. „Wir brauchen starke deutsche KI-Player, sonst riskieren wir unsere wirtschaftliche Kraft und damit unseren Wohlstand“, sagt Rolf Schumann, Ko-Chef von Schwarz Digits. „Deshalb müssen wir vielversprechende Unternehmen mit Aufträgen und Investitionen unterstützen.“ In der Schwarz-Gruppe komme die Technik von Aleph Alpha etwa in der Vertragserstellung oder beim Durchforsten von Gesetzestexten zum Einsatz. Schwarz hält durch den Erwerb des 14-Prozent-Anteils von Bosch jetzt 28 Prozent an Aleph Alpha. Der früh eingestiegene Wagniskapitalgeber Earlybird hält 16 Prozent, auch SAP und Mitgründer Andrulis halten signifikante Anteile. Schon im vergangenen Jahr haben die Investoren mit Reto Spörri einen Schwarz-Manager an der Spitze des Start-ups installiert. Er sollte als Ko-Chef als eine Art „Innenminister“ fungieren und sich auf die interne Organisation konzentrieren, um Mitgründer Andrulis zu entlasten. Schwarz-Umfeld verneint Übernahmeinteresse Im Oktober legte Andrulis überraschend sein Amt in der Geschäftsführung mit sofortiger Wirkung nieder. Seinen Platz übernahm Ilhan Scheer, der zuvor zusammen mit Spörri ins Unternehmen gekommen war und die Rolle des Chief Growth Officers innehatte. Andrulis sollte zum Jahresbeginn als Vorsitzender in das sogenannte „Advisory Board“ wechseln und dem Unternehmen in beratender Funktion erhalten bleiben, doch dazu kam es nie. Spekulationen um eine mögliche komplette Übernahme Aleph Alphas tritt man im Umfeld der Schwarz-Gruppe entschieden entgegen. Schwarz unterstütze Aleph Alpha mit Aufträgen, mit Spörri solle ein bei Schwarz hoch angesehener Manager den Wert des Unternehmens steigern. Das sei bei einem Übernahmeinteresse kontraproduktiv.