FAZ 20.05.2026
22:30 Uhr

KI-ChipKonzern: Nvidia macht 81 Milliarden Dollar Umsatz in drei Monaten


Der Chiphersteller steigert sein Geschäft erheblich. Er ist der wichtigste Indikator dafür, dass der KI-Boom intakt ist.

KI-ChipKonzern: Nvidia macht 81 Milliarden Dollar Umsatz in drei Monaten

Der amerikanische Chiphersteller Nvidia verdient weiterhin prächtig. In den zurückliegenden drei Monaten erzielte er einen Gewinn in Höhe von beinahe 58 Milliarden Dollar. Das sind 211 Prozent mehr als vor einem Jahr und 36 Prozent mehr als im Vorquartal. Das Unternehmen meldete einen Umsatz in Höhe von 81 Milliarden Dollar. Dies sind beinahe 85 Prozent mehr gegenüber dem entsprechenden Zeitraum des Vorjahres und 20 Prozent mehr als im Quartal zuvor. Für das angelaufene Vierteljahr peilt die Nvidia-Führung ⁠einen Umsatz ⁠von 91 Milliarden Dollar an. Das würde einem Anstieg um 95 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen. Alle Kennziffern lagen über dem, was die professionellen Marktbeobachter zuvor im Schnitt erwartet hatten. 80 Milliarden Dollar zusätzlich für Aktienrückkäufe „Der Aufbau von KI-Fabriken – der größte Ausbau der Infrastruktur in der Geschichte der Menschheit – schreitet mit außerordentlicher Geschwindigkeit voran“, sagte der Unternehmensgründer und langjährige Vorstandsvorsitzende Jensen Huang laut einer Mitteilung. Und er ergänzte: „Agentische KI ist da, leistet produktive Arbeit, schafft echten Mehrwert und verbreitet sich rasch in Unternehmen und Branchen.“ Nvidia nehme eine „einzigartige Position im Zentrum dieser Transformation ein“, da es die einzige Plattform sei, die in jeder Cloud laufe, jedes Modell unterstütze und überall dort skaliere, wo KI erzeugt werde. Huang kündigte ‌zusätzliche Aktienrückkäufe im Volumen von 80 Milliarden Dollar an. Zudem solle die Quartalsdividende auf 0,25 von 0,01 Dollar je Aktie angehoben ⁠werden. Der Aktienkurs von Nvidia notierte am Mittwoch im nachbörslichen Handel zunächst wenig verändert. Die Nvidia-Aktie hat seit Jahresbeginn mehr als 20 Prozent an Wert gewonnen. Die Marktkapitalisierung beträgt derzeit 5,4 Billionen Dollar, was Nvidia zum mit Abstand wertvollsten Unternehmen der Welt macht. Grafikkarten-Technologie Nvidia produziert die gegenwärtig fortschrittlichsten Computerchips für genau die Berechnungen, die in der Künstlichen Intelligenz nötig sind. Jensen Huang hatte schon sehr früh – früher als andere – erkannt, dass sich hierfür die Grafikkarten-Technologie eignet, mit der das Unternehmen einst groß geworden war. Nvidia profitiert wie kein anderes Unternehmen vom gegenwärtigen Investitionsrausch rund um Künstliche Intelligenz. Obwohl in der Branche in jüngster Zeit Sorgen um eine KI-Blase zu hören sind, geben Nvidias Kunden weiter viel Geld für den Ausbau ihrer KI-Infrastruktur aus. Technologiekonzerne wie Google, Amazon und Meta haben angekündigt, ihre Investitionen in diesem Jahr dramatisch aufzustocken. Google zum Beispiel plant Ausgaben von 180 Milliarden bis 190 Milliarden Dollar, im Jahr 2025 waren es noch 91 Milliarden Dollar gewesen. Manche Unternehmen sparen dafür an anderer Stelle. Meta und Amazon zum Beispiel haben in den vergangenen Monaten einen größeren Personalabbau angekündigt. Mehr Konkurrenz Bislang bleibt Nvidia der dominierende Anbieter von Chips für KI-Anwendungen. Allerdings wird die Konkurrenz stärker. Neben klassischen Halbleiteranbietern wie Advanced Micro Devices (AMD) arbeiten auch einige der wichtigsten Kunden von Nvidia wie Google, Amazon und Microsoft an eigenen KI-Chips. Dies tun sie unter anderem, um die Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Bislang haben sie ihre Chips vor allem in ihren eigenen Sparten für Cloud-Computing eingesetzt. Aber gerade Google und Amazon versuchen offenbar auch verstärkt, daraus ein eigenständiges Geschäft zu machen. Kürzlich kündigten beide Unternehmen an, ihre KI-Chips auch direkt an externe Kunden verkaufen zu wollen. Zu den größten Sorgen von Nvidia zählt der chinesische Markt. Hier wird das Unternehmen von Exportbeschränkungen gebremst, die sich wiederholt geändert haben. Im Dezember verbuchte Nvidia einen Erfolg, als US-Präsident Donald Trump den Verkauf der Chipreihe H200 in China erlaubte. Dies ist zwar nicht das neueste Chipmodell, zählt aber noch immer zu den leistungsfähigsten Produkten, die das Unternehmen im Angebot hat. Diese Freigabe knüpfte Trump an die ungewöhnliche Bedingung, dass Nvidia künftig 25 Prozent seiner Umsätze in China als eine Art Exportzoll an die US-Regierung zahlt. Huang gehörte zu einer Delegation von prominenten amerikanischen Vorstandschefs, die Trump in der vergangenen Woche auf seinem Staatsbesuch in China begleiteten. Ob die Zugeständnisse der US-Regierung Nvidia in China wirklich helfen, muss sich noch zeigen. Die chinesische Regierung hat die Unternehmen im Land im vergangenen Jahr aufgefordert, Chips von einheimischen Anbietern zu kaufen. Im abgelaufenen Quartal erzielte Nvidia in China nach eigenen Angaben keinerlei Umsätze mit seinen KI-Chips, nachdem es im Jahr zuvor noch 4,6 Milliarden Dollar waren. Auch für das kommende Quartal kalkuliert das Unternehmen keine Umsätze in China ein. Geht OpenAI im September an die Börse? Unterdessen steht das auf KI spezialisierte Softwarehaus Open AI offenbar in den ⁠Startlöchern für einen Börsengang. Der Entwickler des Chatbots ChatGPT plane, in den kommenden ‌Wochen einen vertraulichen Antrag auf eine Börsenzulassung in den USA zu stellen, ‌sagte eine ‌mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters. Das in San Francisco ansässige Unternehmen, das ⁠zuletzt mit 852 Milliarden Dollar bewertet wurde, strebe den Schritt aufs Parkett im September an. ⁠Die Investmentbanken Goldman Sachs ‌und Morgan Stanley arbeiteten schon an einem Börsenprospekt. Open AI reagierte zunächst ⁠nicht auf eine Bitte ⁠um Stellungnahme. Zuerst hatte das „Wall ⁠Street Journal“ über ⁠die Pläne berichtet.