Die Zeiten, in denen islamistische und andere extremistische Sektierer noch in Fußgängerzonen mühelos als solche zu erkennen waren, sie waren aus heutiger Sicht fast ideal. Zumindest war die von den wirren Geistern aller Schattierungen ausgehende Gefahr vergleichsweise leicht zu identifizieren, einzuschätzen und im Ernstfall zu bekämpfen. Doch diese Zeiten sind vorbei — Tempi passati. Längst bietet das Internet nicht nur Influencern die Möglichkeit, gerade Kinder und Jugendliche mit Verkaufsshows zu manipulieren, die als Rat einer hippen Freundin oder eines ebensolchen Freundes getarnt sind. Diese Möglichkeit haben auch politische und religiöse Extremisten erkannt. Und sie nutzen diese Chance, um ihre Botschaften in den Köpfen leicht beeinflussbarer Opfer zu platzieren. Dass Eltern von heiklen Exkursionen des Nachwuchses via Netz oft nichts mitbekommen, ist im Fall der Extremisten nicht nur ärgerlich, sondern eben gefährlich — für die jungen Leute selbst und womöglich auch für andere. Mindestalter für Social Media muss erwogen werden Deshalb ist die Forderung von Extremismus- und Deeskalationsfachleuten plausibel, den Zugang zu Internet und Social Media an ein Mindestalter zu binden. Welches genau es sein sollte, muss diskutiert werden. Fest steht allerdings schon jetzt, dass die Anbieterseite ein praxistaugliches Verifikationssystem für das Alter der Nutzer bereitstellen muss. Dass nach den Erkenntnissen der Extremismusforscher des Violence Prevention Networks aber schon Dreizehnjährige, also Kinder, als potentielle Gefährder im Raster der Behörden auftauchen, lässt jedenfalls keinen Zweifel daran, dass dringender Handlungsbedarf besteht. Was sich in der Präventionsarbeit zudem herausgestellt hat, ist eine mangelhafte Medienkompetenz bei einem erheblichen Teil der Eltern. Diese lässt sich nur mithilfe von mehr Beratungsangeboten beseitigen. Und schließlich sind auch die Schulen nicht aus der Verantwortung zu entlassen. Denn der kundige Umgang mit allem, was die digitalisierte Welt an Instrumenten, Chancen, aber auch an Risiken bietet, muss zwangsläufig zu den Lernzielen einer Schule auf der Höhe der Zeit gehören.
